„Die Messe wird mir fehlen“

Ferdinand Wolf war noch als Wachmann bei der Messegesellschaft beschäftigt, später bei einem Sicherheitsdienst. Am Sonntag hat er nach dem Ende der Saarmesse abgesperrt. Jetzt hängt der 72-Jährige den Job an den Nagel.

Ferdinand Wolf ist der letzte der Saarmessen-Wachmänner aus alten Tagen, die noch direkt bei der Messegesellschaft beschäftigt waren und an den Messetagen mit Schirmmütze und Saarmesse-Uniform für Sicherheit und Ordnung sorgten. Früher, das weiß er, kam die Prominenz in die Hallen. Hans-Dietrich Genscher eröffnete als Bundesaußenminister die Saarmesse traditionell, doch den habe er nie getroffen. "Die Prominenz ist immer geschlossen durch die Hallen gezogen. Da hatte man keinen Kontakt. Außerdem war gerade Genscher vor meiner Zeit auf der Saarmesse . Die Oberbürgermeisterin ist mir schon eher mal begegnet", sagt er heute und erinnert sich an Alltagsbegegnungen.

"Wir sind ja für die normalen Besucher da", sagt er und erinnert sich an viele Gespräche mit Besuchern, die fast alle das gleiche Problem hatten: "Die haben sich keinen Infozettel mitgenommen und Auskunft gebraucht. Dann war es mein Job, Wege zu zeigen, Antworten zu geben und freundlich zu sein", berichtet der heute 72-jährige Burbacher.

Seinen Job bezeichnet er als unspektakulär. Kurioses habe er nie erlebt. Egal ob an Wochenenden Besuchermassen durch die Hallen strömten oder Aussteller an Werktagen gelangweilt über mangelnde Umsätze bei ihm jammerten. "Dabei waren Umsätze nie von Besuchermassen abhängig", weiß Wolf. Der eine oder andere große Auftrag sei sogar eher an ruhigen Messetagen zustande gekommen, wenn die Anbieter Zeit zum Beraten hatten. Als Wachmann habe er das immer gut beobachten können.

Der geduldige Burbacher war vor dem Wach-Job Meister bei Saarstahl, ging nach seiner Rente mit 63 zur Messe und sorgte sich stets sehr um die Aussteller. Schon Tage vor Ausstellungsbeginn war er da, kontrollierte das Einhalten der Standbegrenzungen, beantwortete Fragen, passte auf und hatte nach eigenen Worten längst persönlichen Kontakt zu den Ausstellern. "Die hatten in mir einen festen Ansprechpartner", sagt er heute mit Bedauern - auch wenn er den einen oder anderen beim Rauchen erwischt habe. "Die Messe wird mir fehlen", ist sein Fazit. Es wird keine Saarmesse mehr am Schanzenberg geben. Bei der Messegesellschaft sei er längst nicht mehr unter Vertrag, sondern ein Sicherheitsunternehmen sei zwischengeschaltet. Aus der alten Dienstmütze ist eine Baseballmütze geworden, aus der grauen Uniform eine gelb leuchtende Sicherheitsjacke. Am Sonntag schloss Wolf hinter Halle 8 den Ausgang zum Schützenhaus. Als alles eingepackt ist, sperrt er zu. Diesmal wohl für immer. Wolf will sich nun um den Kirchenchor und die Pfarrei Herz Jesu in Burbach kümmern, denn der Sicherheitsdienst wird auf der Messe nicht mehr gebraucht.