Detektive kontra Ladendiebe

Ladendiebstahl ist ein ernstes Problem für den Saarbrücker Einzelhandel. Einige Geschäfte und Einkaufszentren gehen systematisch gegen Diebe vor. Scherheitsdienste sind gefragt. Aber die Detektive dürfen nicht alles – und brauchen die Polizei.

Verblüffend konstant ist die Zahl der gemeldeten Ladendiebstähle in Saarbrücken: 2012 waren es 1918 Fälle - 2013 folgten 1911. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp 92 Prozent, versichert das Landespolizeipräsidium. Ladendiebstahl wird meist nur dann angezeigt, wenn ein Kaufhausdetektiv oder eine Alarmanlage den Dieb schon überführt haben - und es dem Detektiv gelingt, den Dieb festzuhalten, bis die Polizei kommt.

Prügel mit der Krücke

Allerdings kann das recht anstrengend sein. Denn manche Diebe wehren sich nach Kräften. So ging ein behinderter Dieb mit seinen Krücken auf den Detektiv los. Ein anderer Dieb biss den Detektiv so heftig, dass der ins Krankenhaus musste. Manche Diebe haben plötzlich ein Messer in der Hand, ein Drogenkranker drohte mit seiner angeblich Aids-infizierten Spritze.

Von einem Übergriff in der anderen Richtung berichtete die SZ zuletzt 1995. Da kam ein Ladendetektiv vor Gericht, weil er geschlagen und getreten hatte. Das kostete ihn damals 600 Deutsche Mark Strafe. Aber die heutigen Saarbrücker Kaufhausdetektive verhalten sich korrekt und besonnen - das bescheinigt ihnen die Polizei. Die Detektive dürfen einen Verdächtigen nur festhalten, wenn sie gesehen haben, wie er gestohlen hat oder wenn die Alarmanlage am Ausgang anschlug - und nur bis die Polizei da ist. Die Detektive dürfen niemanden durchsuchen und nicht in Einkaufstaschen schauen. All das darf nur die Polizei. Denn manchmal schlagen die Alarmanlagen irrtümlich an. Das kann passieren, wenn man etwas kauft und vergisst, die Sicherheitsmarke von der Ware entfernen zu lassen. Ganz blöd lief es für einen Dieb, der in einem Saarbrücker Kaufhaus etwas mitgehen ließ, draußen vergaß, die Marke zu entfernen, in ein anderes Kaufhaus ging und dort mit der Beute aus dem ersten Haus erwischt wurde.

Abgeschirmte Taschen

Andere Diebe benutzen Taschen, die so präpariert sind, dass die Alarmanlagen nicht anschlagen, wenn jemand mit einer Sicherheitsmarke in der Tasche durchgeht. Etwa sechs solche Taschen landen jedes Jahr bei der Polizei. Kenner der Szene glauben: Wo solche Taschen auftauchen, sind die Diebe organisiert. Hochkonjunktur hat der Ladendiebstahl in der Weihnachtszeit. Da müssen die Polizisten der Inspektion St. Johann an manchen Tagen bis zu fünfmal los, um in den Geschäften Verdächtige zu kontrollieren oder abzuholen.

Mehrere Saarbrücker Kaufhäuser wollten der SZ keine Auskunft über ihre Erfahrungen mit Dieben geben. Andere Geschäfte und Einkaufszentren betonten, dass sie systematisch vorbeugen. Dazu gehören die Europa-Galerie und der Saarbasar. Beide haben einen Sicherheitsdienst - mehrere Leute sind im gesamten Gebäude unterwegs. Sie sollen die Besucher schützen und dafür sorgen, dass niemand gegen die Hausordnung verstößt. Dabei haben die Sicherheitsdienste den ausdrücklichen Auftrag, diskret vorzugehen. Europa-Galerie-Manager Serge Micarelli: "Es gibt organisierte Gruppen von Dieben. Ein paar haben wir unter Beobachtung."

Einige Geschäfte - sowohl im Saarbasar als auch der Europa-Galerie - engagieren zusätzlich eigene Detektive. Dabei setzen manche darauf, dass ihre Detektive deutlich erkennbar am Ausgang stehen. Andere ziehen es vor, wenn ihre Detektive sich in Zivil unter die Kunden mischen. Sowohl Saarbasar als auch Europa-Galerie sind fest davon überzeugt, dass die Arbeit der Sicherheitsdienste sich bezahlt macht.

In vier von 20 Filialen

Ähnlich sieht man das beim Discounter Netto. Auf SZ-Anfrage erklärte die Firmen-Zentrale, für Netto habe es "oberste Priorität" dass sich Personal und Kunden wohl und sicher fühlen. Daher setzt Netto an "einzelnen Standorten mit einem sensiblen Umfeld" Sicherheitsdienste ein. Die stehen dann am Eingang und sind dank ihrer Kleidung sofort zu erkennen. Netto erklärt: "In unseren rund 20 Saarbrücker Märkten sehen wir uns aktuell nur an vier Standorten zu dieser Sicherheitsmaßnahme veranlasst: Hohenzollern- und Dudweilerstraße sowie Margarethen- und Jakobstraße."