Bilder erzählen Lebensgeschichten

SZ-Mitarbeiterin Marija Herceg lieferte die Texte. Die Fotos kamen von Iris Maurer und Oliver Dietze. So entstand eine SZ-Serie über Einwanderer, die in Saarbrücken eingebürgert wurden. Jetzt wurde daraus auch eine Ausstellung im Volkshochschulzentrum.

Es sei ihr erst aufgefallen, als sie die Bilder, die über Monate hinweg entstanden sind, zusammen betrachtet hat: "Alle Personen haben einen sehr wachen, offenen Blick", sagt Iris Maurer.

Seit Ende vergangener Woche hängen die Fotos, die sie und Oliver Dietze im Auftrag der Saarbrücker Zeitung gemacht haben, im Volkshochschulzentrum am Schlossplatz. Dort erzählen sie "eindrucksvolle Geschichten" darüber, "was Menschen dazu bringt, Deutsche zu werden", wie Saarbrückens Migrations-Dezernent Kajo Breuer bei der Eröffnung der Ausstellung "Gesichter: Geschichten zur Einbürgerung" sagte.

Das Zuwanderungs- und Integrationsbüro der Landeshauptstadt, die Volkshochschule des Regionalverbands und die Heinrich-Böll-Stiftung haben die Ausstellung gemeinsam organisiert. Grundlage dafür waren neben den Fotos von Maurer und Dietze die Texte, die Marija Herceg für die SZ-Serie "Saarbrücker Neubürger" geschrieben hat. Texte, für die Ilka Desgranges, die Leiterin der SZ-Regionalredaktion Mitte, Marija Herceg "eine ganz besondere Gabe" bescheinigte. Die "Gabe, erfassen zu können, wer und wie diese Menschen sind". Sie nehme sich Zeit für die Menschen, die sie porträtiert, erklärte Marija Herceg. Das sei Teil des Versuchs, "Menschen zu verstehen". Dass Marija Herceg dann auch wirklich verstehe, erklärte ihr Iulia Popescu, eine der Porträtierten, so: "Du hast dich interessiert." Dass Herceg Zugang gefunden hat und weiter findet (die SZ-Serie läuft weiter), liegt womöglich auch daran, dass sie "ein Kind von Ausländern" ist, wie sie sagt. Im Gegensatz zu den von ihr Porträtierten, hat sie noch keinen deutschen Pass, sondern einen kroatischen. Sie will warten, bis Kroatien Mitglied der Europäischen Union wird und sie dann eine doppelte Staatsbürgerschaft haben kann.

"Wir wollen weg vom Allgemeinen, weg von Beteuerungen", erklärte Ilka Desgranges die Idee zur Serie. Gesichter zeigen, Menschen vorstellen, statt wie früher über "Belastungsgrenzen" für eine Gesellschaft und ein Boot zu schreiben, das angeblich voll ist, das sei Aufgabe der Zeitung.

Für Dagmar Trenz, die für die Volkshochschule sprach, ist das gut, aber nicht selbstverständlich. Es sei schließlich noch gar nicht so lange her, dass sich Deutschland beziehungsweise seine politische Führung schwer damit tat, die Republik als Einwanderungsland zu betrachten.

Das ist Deutschland, darüber herrschte bei der Ausstellungseröffnung Einigkeit. Was jetzt noch entwickelt werden müsse, sei eine "Willkommenskultur", sagte Breuer.

Wobei das auch ein merkwürdiger Begriff sei, denn viele von denen, die den deutschen Pass bekommen, leben seit ihrer Geburt hier - auch viele von denen, deren Gesichter und Geschichten bis zum 16. Mai an der Wand des Volkshochschulzentrums hängen.