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Joe Smoke, der saarländische US-Amerikaner

Musikerinnen und Musiker in der Region : Ein Amerikaner in Saarbrücken

Joe Smoke kam vor 30 Jahren per Zufall an die Saar und und blieb. Der Sänger hofft auf Trumps Wahlniederlage, aber seine Musik spielt so oder so hier.

Der Sänger Joe Smoke ist schon seit den Neunzigerjahren im Saarland gut bekannt. Sein Alter oder irgendetwas über sein Privatleben verrät der US-Amerikaner aber nicht. Nur soviel: Er heiße tatsächlich Joe Smoke, das sei kein Künstlername.

Geboren und aufgewachsen ist Joe Smoke im US-Bundesstaat Pennsylvania. Das Elternhaus ist schon von Musik geprägt, die Mutter spielt Gitarre, der Vater hört viele Platten. Der kleine Joe und seine Schwester bewegen die Lippen zu Songs von den Beach Boys, Paul Anka oder Elvis. Sein Bruder besitzt eine Gitarre, die Nachbarskinder zeigen ihm die Akkorde des Songs Gloria von Van Morrisson.

Nach Deutschland gerät Joe Smoke durch Zufall: „Die erste Zeit an der Uni konnte man bei uns so allgemeine Fächer lernen, da musste ich mich noch nicht entscheiden.“ Da Smoke seinen Professor für Deutsch sehr schätzt, fängt er an unsere Sprache zu studieren, Ziel ist der Lehrerberuf. Eben jener Professor rät ihm auch zu einem Auslandssemester in Deutschland. „Ich bin dann Ende der Achtzigerjahre nach Marburg gegangen.“

Dort erst beginnt die musikalische Karriere, der Sänger mit der sanften Stimme fängt an, als Solokünstler aufzutreten. Da es ja überall mindestens einen Saarländer gibt, trifft Smoke auch in Marburg einen solchen. Der zeigt ihm unsere Heimat mit dem wenig überraschenden Ergebnis: „Ich fand das Saarland total schön.“

Doch Smoke kehrt erstmal in die USA zurück, studiert zu Ende und arbeitet als Lehrer am Lake Erie. „Jeden Sommer haben wir drei Monate Ferien, da bin ich immer ins Saarland.“ Nach zwei Jahren beschließt er, dass es der Lehrerberuf nicht ist und wagt den Schritt, sich im Saarland als Musiker durchzuschlagen.

Zunächst spielt er aber noch mit Marburger Musikern zusammen, da er in der hiesigen Szene noch unbekannt ist. Einer dieser Marburger ist der leider vor acht Jahren gestorbene Jo Steinebach. Mit ihm, der auch Ina Deter eine zeitlang produzierte, entwickelt Smoke eine jahrelange und fruchtbare musikalische Partnerschaft.

Der Höhepunkt dieser Karriere kommt gleich zu Beginn: Der von Smoke geschriebene Song „Marlene“ landet auf Sally Oldfields Album „Femme“, das in Deutschland immerhin Platz zwölf der LP-Charts erreicht. „Ich wollte immer mal selbst ein Lied schreiben“, erzählt Joe Smoke. „Eines Abends sah ich in einer Marburger Kneipe ein Bild von Marlene Dietrich an der Wand hängen, das mir sehr gut gefiel. Ich bin nachhause und habe darüber diesen Song geschrieben.“

Der damals sehr angesagte Opern- und Rocksänger Peter Hofmann sucht zu der Zeit nach Material, Smoke schickt ihm eine Demo-Aufnahme von „Marlene“. Doch Hofmann lehnt ab und reicht das Lied an Sally Oldfield weiter. Die Schwester von Mike Oldfield ändert eine Zeile des Textes und nimmt das Lied auf – Smoke weiß nicht mal, wo sie das getan hat, noch ist er ihr jemals begegnet. Trotzdem wird die Veröffentlichung sein größter musikalischer Erfolg.

Danach nimmt der Sänger sein eigenes Album namens „Blue“ auf, auf dem unter anderem Bap-Gitarrist Major Heuser mitwirkt. 1995 kommt das Album heraus, doch der große Durchbruch bleibt Smoke verwehrt. In Deutschland muss er zusätzlich als Sprachlehrer oder Betreuer von Asylbewerbern arbeiten. 2003 bricht er die Zelte in Deutschland erstmal ab und kehrt wieder in die USA zurück. Wieder geht es zurück in den Lehrerberuf. „Ich wollte ein bisschen auf Nummer sicher gehen und dachte an die Altersvorsorge.“

Seit 2015 ist Smoke aber wieder in Saarbrücken und musikalisch aktiver denn je. Zunächst gründet er mit saarländischen Topmusikern die Eagles-Coverband One of These Nights. Seine eigene Musik spielt er mit „Joe Smoke & Friends“. In beiden Formationen dabei: Rolf Siefert an der Gitarre und Achim Schneider am Bass. Seine dritte Formation entsteht durch glückliche Fügung: Smoke nimmt Gitarrenunterricht bei Michael Marx, der gerade seine langjährige Band Marx Rootschilt Tillermann aufgelöst hat. Zusammen mit Herbert „Tillermann“ Schreiner gründen die beiden das Trio SMS (Smoke Marx Schreiner), wo sie eigene Songs und Coverversionen darbieten. „Ich stehe auf dreistimmigen Gesang. Nach den ersten Proben war jeder von uns begeistert, wie gut das klang.“

Ein besonders gelungenes Konzert fällt dem Sänger auch noch ein: „Ich habe mal in Völklingen als Vorband von Anne Haigis und Klaus Lage gespielt, das war bei einer Wahlkampfveranstaltung für Oskar Lafontaine. Da haben die Leute so getobt, dass der Klaus Lage rauskam und geguckt hat, was da los ist.“ Für einen anderen Politiker würde Smoke allerdings nie Wahlkampf machen. „Trump muss weg. Ich hoffe, dass dieser Typ weg aus meinem Kopf ist ab dem 3. November.“