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Jazz
Erinnerungen an den Jazzmusiker Ekkehard Jost

Wollie Kaiser Foto: Esther Barthel/Landeshauptstadt
Wollie Kaiser Foto: Esther Barthel/Landeshauptstadt FOTO: Landeshauptstadt / Esther Barthel
Saarbrücken. In memoriam - Blech-Trio erinnert an den Musikwissenschaftler und Jazzsaxophonisten Ekkehard Jost Von Josefine Hoffmann

Eine Ehrung solle das Konzert sein, so der Saxophonist Wollie Kaiser zu Beginn des 14. Konzerts der Saarbrücker Sommermusik. Der Abend war dem Jazzmusiker, Komponisten und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost (1938-2017) gewidmet. Kaiser erinnerte gemeinsam mit Detlef Landeck an der Posaune und dem Trompeter Daniel Schmitz an drei mit Jost verbrachte Jahrzehnte, diverse Konzerte, heftige Diskussionen sowie „Rotwein geschwängerte Nächte“. Jost hat Kaiser sein Baritonsaxophon vererbt, mit dem dieser das Konzert bestritt. Absolut nachvollziehbar, dass dieses Holzblasinstrument für ihn „Ehre und Ballast“ zugleich ist, immerhin musiziert er auf einem Stück Lebensgeschichte.


Überwiegend erklangen Kompositionen von Jost, der durchaus bildhafte Titel für seine Kompositionen wählte, etwa „Über meiner Mütze nur die Sterne“ oder „Lonely Langgöns“, benannt nach einer Autobahnabfahrt im Nirgendwo bei Gießen. Das Blech-Trio begeisterte mit perfekter Technik, sauberer Intonation und dem warmem Klang der Instrumente. Eingefleischte Jazzfans wippten mit den Füßen, Neugierige wurden mit humorvollen Improvisationen zum Entdecken innovativer Musik eingeladen. Die Stadtgalerie war gut besucht und blieb es auch, da die Plätze der wenigen Zuhörer, die nicht verweilten, rasch wieder besetzt waren.

Kaiser nutzte die Gelegenheit, um das Publikum mit moderner Notation bekannt zu machen: Er warnte mit einem Augenzwinkern vor dem komplizierten „Divertimento per tre“, um dann sein Notenblatt zu wenden und die schachbrettartige Grafik von Jost zu zeigen. Zuletzt erklangen außerirdisch schön Kaisers „Klingonenträume“. Das Ensemble bedankte sich beim Publikum für den kräftigen Applaus und beim Organisator Thomas Altpeter mit Josts Zugabe „Guten Tag Vogel“. Als Professor für Musikwissenschaft blieben dem durchaus streitbaren Jost die Existenzsorgen eines freiberuflich schaffenden Musikers erspart. Er konnte sein Wirken der Jazzpraxis und wissenschaftlicher Forschung widmen, Musiker fördern und sie international vernetzen. Dieser Abend mit purer Spielfreude war der beste Beweis dafür.