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St. Johanner Markt
Saarbrücken plant offene Geschäfte bis 22 Uhr

Nicht nur am helllichten Tag sind Menschen auf dem St. Johanner Markt unterwegs. Neue Geschäftskonzepte sollen sie auch nach 20 Uhr in die Läden locken, so ein Plan der Landeshauptstadt.
Nicht nur am helllichten Tag sind Menschen auf dem St. Johanner Markt unterwegs. Neue Geschäftskonzepte sollen sie auch nach 20 Uhr in die Läden locken, so ein Plan der Landeshauptstadt. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Bauausschuss befasst sich mit Einzelhandelskonzept für St. Johanner Markt. Voraussetzung: Es muss Essen und Getränke geben. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Der Druck des Online-Handels ist immens. Die Warenflut im Internet und die Bereitschaft der Kunden, dort einzukaufen, steigen zusehends. Gleichzeitig wenden sich viele von Geschäften in den Städten ab, bleiben Händler vor Ort auf ihren Waren sitzen. Viele Inhaber warfen schon das Handtuch, machten ihren Laden dicht. Doch was kann helfen, diese Entwicklung aufzuhalten?


Die Stadt Saarbrücken arbeitet dazu an einem Einzelhandelskonzept, das den St. Johanner Markt mit seinen Läden aufwerten soll. Dieses sieht vor, den klassischen Boutiquen mehr Spielraum zu bieten, über die bisherige Ladenschlusszeit von 20 Uhr offen zu halten. Doch wie soll das funktionieren? Setzt das saarländische Ladenschlussgesetz da doch ganz klare Grenzen.

Mit „Verköstigungen“, wie es dazu in einer Vorlage der Rathausverwaltung heißt. Diese liegt an diesem Mittwoch, 22. August, dem Bauausschuss des Stadtrates vor. Und darin sind die Vorschläge der Landeshauptstadt schon ziemlich weit gediehen.



Bis zu 25 Prozent der Verkaufsfläche sollen Betreiber künftig dafür nutzen dürfen, um Lebensmittel zum direkten Verzehr in ihrem Geschäft anzubieten. Bislang liegt das Maximum bei 15 Prozent. Gleichzeitig setzt die Verwaltung darauf, dass es eine gesetzliche Lösung gibt, diesen Ladenbetreibern zu erlauben, bis 22 Uhr ihre Waren feilzubieten. Das, was Kunden zu essen und zu trinken gereicht wird, muss dann auch zu dem passen, was generell im Angebot ist, heißt es in dem bisherigen Konzept für die Ratsmitglieder. Wer jetzt schon neben dem üblichen Verkauf die Kunden auch kulinarisch umgarnt, hat sich an die 20-Uhr-Grenze für Geschäfte zu halten. Die Vorlage nutzt den Begriff Eventcharakter. Das heißt: Menschen kaufen nicht allein deshalb ein, weil sie etwas brauchen. Sie verbinden ihren Bummel mit Genuss, was sowohl  die Umgebung betrifft als auch das leibliche Wohl.

Mit dieser neuen Regel erhoffen sich die Städteplaner, mehr Menschen an die City zu binden, den Einzelhandel zu stärken. Eine Zunahme an Kneipen und Restaurants schließt das vorgelegte Konzept indes aus. Es soll dabei bleiben, den bisherigen Bestand zu erhalten, aber nicht auszudehnen. Damit wolle Saarbrücken dort wohnende Menschen vor zusätzlichem Lärm bewahren, sichert die Verwaltung zu.

Doch nicht allein die Kommunalpolitiker sollen sich mit der Angelegenheit befassen. Im Oktober ist  ein runder Tisch vorgesehen. Dann sollen Hauseigentümer, Einzelhändler, Gastronomen und Anwohner zusammentreffen, um die Konzepte zu besprechen.

Der Bauausschuss des Saarbrücker Stadtrates befasst sich mit dem Konzept für den St. Johanner Markt am Mittwoch, 22. August, 16 Uhr, im Saal 126 des Rathauses St. Johann. Die Sitzung ist öffentlich.