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Im Heusweiler Gemeinderat sitzt mit Claudia Trappmann (SPD) nur eine Frau

Kommunalpolitik : Heusweiler Politiker werben für mehr Frauen im Rat

Claudia Trappmann von der SPD ist derzeit das einzige weibliche Gemeinderatsmitglied. Suche nach Erklärungen.

Der Heusweiler Gemeinderat hat saarlandweit ein Alleinstellungsmerkmal: Er ist fast ausschließlich mit Männern besetzt. Im aktuellen Rat sitzt lediglich eine einzige Frau. Nach der Kommunalwahl im Mai 2019 waren es zwar noch drei, doch Simone Paul (SPD) legte im November ihr Mandat nieder, und Ute Hubig (CDU) starb im Dezember. Für beide rückten Männer nach. Übrig geblieben ist nur noch Claudia Trappmann (SPD). Sie erinnert daran, dass der Frauenanteil im Heusweiler Gemeinderat schon immer gering war: „Als ich 2004 anfing, waren wir sechs Frauen.“ In der Legislaturperiode von 2014 bis 2019 waren es noch sieben. Claudia Trappmann vermutet, dass viele junge Frauen durch Beruf und Pflege des Familiennachwuchses zeitlich stark gefordert sind und ihre Freizeit nicht durch regelmäßige politische Sitzungstermine weiter einschränken möchten. Aber sie betont: „Wenn frau Interesse an kommunalpolitischer Arbeit im Gemeinde- oder Ortsrat hat, sollte sie das frühzeitig und deutlich in ihrer politischen Gruppierung zum Ausdruck bringen und dann auch für einen vorderen Listenplatz kandidieren.“ Da sei teilweise aber immer noch Überzeugungsarbeit zu leisten, so Trappmann.

In anderen Kommunen sieht das anders aus: So gehören dem Saarbrücker Stadtrat 40 Männer und 23 Frauen an. Im Völklinger Stadtrat sind es 34 Männer und elf Frauen, im Püttlinger Stadtrat 24 Männer und neun Frauen und im Riegelsberger Gemeinderat 23 Männer und zehn Frauen. Warum ist das in Heusweiler nicht so? CDU-Fraktionssprecher Manfred Schmidt: „Die Weichen werden im Vorfeld bei der Listenaufstellung gestellt. Dabei kann ich für die CDU sagen, dass sich keine Frau ernsthaft um einen vorderen Listenplatz in den Ortsverbänden beworben hat.“ Nach wie vor würden die Frauen in Heusweiler argumentieren, dass durch Familie und Beruf keine Zeit mehr für ein politisches Engagement verbleibe. Deshalb regt Schmidt an, über die Struktur der Ratsarbeit nachzudenken: „Von der Organisation der Sitzungen über die Zeiten bis zur Straffung der Abläufe. Denn im jetzigen System werden wir auch weiterhin wenige Frauen für eine aktive Ratsarbeit gewinnen können.“

Der SPD-Gemeindeverbandsvorsitzende Peter Reimann sagt, dass bei der Aufstellung der Listen 13 bis 15 Personen herausgekommen seien, die sofort nach der Wahl in den Gemeinderat einziehen wollten. Der Rest wollte als Nachrücker fungieren. „Darunter waren nur zwei Frauen, die auf Platz zwei und vier kandidierten“, so Reimann. Hätten weitere kandidiert, wären sie nach dem Reißverschlussprinzip auch auf aussichtsreiche Listenplätze gekommen. Oliver Luksic (FDP) erklärt, dass es bei der FDP nur vier Frauen gegeben habe, die kandidieren wollten. Der Grund: Ein kommunales Mandat sei für viele unattraktiv. „Ich will mehr Kandidatinnen fördern. Insbesondere auf kommunaler Ebene ist es aber nicht immer einfach. Vor allem für in Vollzeit arbeitende Mütter“, so Luksic. Hans-Kurt Hill (Linke) sagt, es sei überhaupt schwierig, jemanden für ein Ehrenamt im Rat zu gewinnen. Die Linke habe in den letzten Jahren immer eine Frau auf den vorderen Listenplätzen und im Rat gehabt, und mit mehr Stimmen bei der Kommunalwahl hätte auch diesmal wieder eine Frau in den Gemeinderat einziehen können. Rüdiger Flöhl (NÖL) sagt, dass Frauen bei seiner Liste nicht auf einem Spitzenplatz kandidieren wollten: „Es könnte sein, dass Frauen stärker an einer sachlichen Auseinandersetzung mit einer kompromissorientierten Lösung interessiert sind. Vielleicht sind sie zu lösungsorientiert für die Mitarbeit im Gemeinderat.“ Dirk Blanckenhorn (Grüne) betont, dass man „händeringend nach weiblicher Verstärkung“ suche. Doch berufliche Gründe hätten verhindert, dass eine Frau für einen Spitzenplatz kandierte. Auch bei AfD und BfB, ebenfalls im Rat vertreten, gibt es auf den ersten fünf Listenplätzen keine Frau.

Claudia Trappmann denkt schon an 2024: „Ich hoffe, dass spätestens nach der nächsten Kommunalwahl wieder mehr Frauen im Rat sind.“