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Velsen ist ihm immer noch ein Dorn im Auge

Velsen ist ihm immer noch ein Dorn im Auge

Großrosseln. Mitte Dezember verabschiedete sich Manfred Hayo (70) aus dem Großrosseler Gemeinderat. Nach fast 32 Jahren legte er sein Mandat aus Altersgründen nieder. Als der Christdemokrat 1979 in den Rat einzog, wurde der Bürgermeister noch nicht direkt von der Bevölkerung gewählt. Statt der Linken und der Freien Wähler saßen die Liberalen mit am Tisch, stärkste Fraktion war die SPD

Großrosseln. Mitte Dezember verabschiedete sich Manfred Hayo (70) aus dem Großrosseler Gemeinderat. Nach fast 32 Jahren legte er sein Mandat aus Altersgründen nieder. Als der Christdemokrat 1979 in den Rat einzog, wurde der Bürgermeister noch nicht direkt von der Bevölkerung gewählt. Statt der Linken und der Freien Wähler saßen die Liberalen mit am Tisch, stärkste Fraktion war die SPD. Über Jahrzehnte galt Großrosseln als Hochburg der Sozialdemokraten. So überraschte es nicht, als Bürgermeisterkandidat Hayo im Jahr 1993 gegen Wolfgang Flohr (SPD) den Kürzeren zog. Aber einer musste den Job ja machen. "Als Parteisoldat bin ich damals angetreten", berichtet Manfred Hayo.Im neuen Jahrtausend kippten die Mehrheitsverhältnisse. Peter Duchene (CDU) wurde 2002 in der ersten Direktwahl zum Bürgermeister gekürt, rund zwei Jahre später errangen die Christdemokraten im Rat die absolute Mehrheit. Insgesamt arbeitete Hayo mit vier Verwaltungschefs zusammen. Die Personen wechselten, die Themen blieben ähnlich. Schon 1983 zeichnete Bürgermeister Walter Wewer ein düsteres Bild der Gemeindefinanzen und beklagte die hohe Umlage an den Stadtverband. Und 1980 beschloss die Ratsmehrheit von SPD und FDP die Einführung einer 30-prozentigen Getränkeabgabe für Vereine, die gemeindeeigene Hallen nutzen.

Als Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft der Vereine des Gemeindebezirks Großrosseln" war Hayo dagegen. Im Wahlkampf, erinnert er sich, habe die SPD noch versprochen, keine Gebühr zu erheben. Doch mit den Jahren floss viel Wasser die Rossel hinunter. "Es war eine sachlich richtige Entscheidung", sagt der Kommunalpolitiker im Rückblick.

An einem anderen Rückschlag hat er bis heute zu knabbern. Vehement wehrte sich Hayo Ende der 80er Jahre gegen den Bau einer Abfallverwertungsanlage vor der Großrosseler Haustür. Die Gemeinde, so seine Argumentation, sei schon genug belastet - etwa durch die Bergschäden oder die Rossel, die damals als schmutzigster Fluss Europas galt. "Ich bin überzeugt, dass der Standort Velsen mit windigen Argumenten ausgewählt und der Bau mit allen planungsrechtlichen Tricks durchgesetzt wurde", betont Hayo. Bis zum heutigen Tag hat er keinen Fuß in die Betriebshalle gesetzt. Aber es gab auch viele Projekte, für die sich der Christdemokrat einsetzte: Im Bau der Rosseltalhalle etwa sieht er einen Meilenstein in der Entwicklung der Gemeinde.

"Ich habe mich immer um eine sachliche Auseinandersetzung bemüht", versichert Hayo. Den Respekt, den er seinen Parteifreunden und den Mitgliedern anderer Fraktionen zollt, fordert er auch von den Bürgern ein. Hayo ärgert es, wenn Mandatsträger manchmal als "Deppen vom Gemeinderat" beschimpft werden. Schließlich, so der Politiker, sitzen dort Frauen und Männer, die ihre Freizeit zum Wohle der Bevölkerung opfern.

Neben dem Sitz im Gemeinderat gibt Hayo auch das Amt des CDU-Fraktionssprechers in der Regionalversammlung ab. Ganz zieht er sich aber noch nicht aus der Kommunalpolitik zurück. Der Großrosseler bleibt Mitglied der Regionalversammlung und Erster Beigeordneter des Regionalverbandes.

Zur Person

 Manfred Hayo in heutigen Tagen. Foto: Regionalverband
Manfred Hayo in heutigen Tagen. Foto: Regionalverband

Manfred Hayo, Jahrgang 1940, lernte zunächst Fliesenleger. Nach der Meisterprüfung musste er den Beruf aus Gesundheitlsgründen an den Nagel hängen. Hayo sattelte um, machte auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur, studierte und wurde Handelsschullehrer. Von 1979 bis 2010 war er Mitglied im Großrosseler Gemeinderat. 1984 zog er in den damaligen Stadtverbandstag, die heutige Regionalversammlung, ein. Als ehrenamtlicher Erster Beigeordneter des Regionalverbandes vertritt er Regionalverbandsdirektor Peter Gillo. tan