Bei so viel Schnee hilft nur Geduld

Völklingen/Großrosseln. Gleich wenn sie ihr Haus verlassen, sehen sich Bürger in der Umgebung mit einem Problem konfrontiert: Der Schnee aus ihrer Straße ist nicht geräumt, Gehwege sind zugeschüttet oder Autos blockiert. Manch einer sieht die Schuld bei der Kommune. Dort treffen seit dem Wintereinbruch regelmäßig Beschwerden ein

Völklingen/Großrosseln. Gleich wenn sie ihr Haus verlassen, sehen sich Bürger in der Umgebung mit einem Problem konfrontiert: Der Schnee aus ihrer Straße ist nicht geräumt, Gehwege sind zugeschüttet oder Autos blockiert. Manch einer sieht die Schuld bei der Kommune. Dort treffen seit dem Wintereinbruch regelmäßig Beschwerden ein.Auch SZ-Leserin Tanja Luck fühlte sich von den Streudiensten im Stich gelassen. Der hatte ihre Nelkenstraße in Lauterbach nach den starken Niederschlägen am 4. Advent nicht vom Schnee befreit, sagt sie: "Ich bin gefallen, habe mir zum Glück aber nichts gebrochen." Von der Völklinger Stadtverwaltung sei sie vertröstet worden; erst am vergangenen Mittwochmorgen sei endlich geräumt worden.

Mangel an Streusalz

"Jede noch so vorausschauende Planung stößt an ihre Grenzen, wenn das Material erschöpft ist", sagt dazu Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig. Er spricht den Mangel an Streusalz an. 860 Tonnen hatte der Bauhof der Hüttenstadt im Vorfeld eingelagert, 650 Tonnen rasch nachbestellt. Das beauftragte Unternehmen konnte bisher jedoch nur 50 Tonnen liefern. Schuld daran ist die große Nachfrage in der Region. Die Lager seien erschöpft, so Lorig.

Um dennoch die Straßen und Brücken, Wege in Grünanlagen und Friedhöfen verkehrssicher zu machen, seien 22 Mitarbeiter im Einsatz, um das Stadtgebiet Stück für Stück von Schnee und Eis zu befreien. Zunächst räumen sie die Hauptstraßen, danach die Nebenstraßen, so die Pressestelle der Stadt. "Unsere Mitarbeiter sind rund um die Uhr auf den Straßen im Einsatz und arbeiten mit Hochdruck daran, neues Streugut ausfindig zu machen", sagt Lorig und appelliert an das Verständnis der Bürger.

Hierauf setzt auch die Gemeinde Großrosseln. Erich Reimsbach von der kommunalen Verwaltung erklärt den Ablauf der Räumung. Man folgt einem verbindlichen Räumungsplan: Alle Land- und Bundesstraßen fallen in den Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebs für Straßenbau, dort räumen dessen Fahrzeuge. Die Gemeinde ist zuständig für alle übrigen Straßen, eingeteilt in drei Kategorien: Hauptverkehrswege innerhalb der Orte genießen Priorität wie auch Rettungswege und Zufahrten zu Schulen und Kindergärten. Das erklärt, dass manche Straßen zuerst nur teilweise vom Schnee befreit werden. Und wenn es so unverhältnismäßig stark schneit, dass diese Straßen zum Ende ihrer Räumung hin wieder zugeschneit sind, müssen die Mitarbeiter hier erneut beginnen. "Erst wenn wir sehen, dass die erste Kategorie wirklich frei ist, setzen wir bei Kategorie zwei, später bei drei an", sagt Reimsbach. Vergangene Woche hat es teilweise so stark geschneit, dass zwei Fahrzeuge hintereinander fahren mussten - ein zusätzliches Fahrzeug, das dann an anderer Stelle fehlte. In den Nebenstraßen, die in die Streustufe drei fallen, erfolgt der Einsatz laut verbindlichem Gemeindeplan sogar nur in "ganz besonderen Fällen". Zu welcher Kategorie ihre Straße zählt, können Bürger bei der Gemeinde erfragen.

Hintergrund

Was passiert, wenn jemand auf einer nicht geräumten Straße zu Schaden kommt? "Es ist immer eine Frage des Zumutbaren", sagt Hans-Jürgen Gebhardt, Jurist und Verkehrsexperte in Homburg, auf Anfrage der SZ. Er verweist auf den Räumplan, dem die Kommunen folgen. Die Behörden sind verpflichtet, die Straßen auf Verkehrssicherheit zu kontrollieren. Sind sie beim Räumen aber noch in den wichtigen Straßen beschäftigt, könne niemand von ihnen erwarten, dass auch gleich die Nebenstraßen geräumt würden, so Gebhardt. Auch wenn das eigene Auto vom Räumfahrzeug mit Schnee beim Wegfahren behindert wird, müsse man Verständnis aufbringen. Einfahrten reihen sich nun mal aneinander, und der Dienst müsse eine große Geschwindigkeit fahren, könne nicht vereinzelt abbremsen. "Wenn die Behörden nicht anders sinnvoll räumen können, müssen die Bürger das so akzeptieren." avm