Demonstration in Gersweiler für Erhalt des Waldes und gegen Erweiterung der Firma Woll

Demonstration gegen Waldrodungen : Lautstarker Protest für Wald in Gersweiler

Für den Erhalt der „grünen Lunge“ im Saarbrücker Westen haben knapp 200 Bürger in Gersweiler demonstriert. Die Initiative Pro Wald legte zwei neue Punkte vor, die die Rodung im Zuge einer Firmenerweiterung verhindern sollen.

Knapp 200 Demonstranten sind am Sonntag lautstark vom Rathaus in Saarbrücken-Gersweiler zur Firma Woll Maschinenbau gezogen. Sie haben gegen geplante Rodungen im Zuge der Erweiterung des Unternehmens protestiert. Für die Erweiterung soll ein Teil des angrenzenden Waldes fallen. Was das Unternehmen als unabdingbar für die Sicherung des Standortes bezeichnet und mit Ausgleichsmaßnahmen kompensieren will, ist für die Bürgerinitiative Pro Wald in Gersweiler ein Frevel an der Natur. Ihre Demonstration wurde von Aktivisten der Bewegung „Fridays for future“ begleitet.

Jennifer La Rocca war extra aus Ensdorf nach Gersweiler gekommen – und hatte Transparente in Baumform gebastelt. „Im Zeitalter des Klimawandels muss man sich engagieren. Auch in einer Nachbarkommune. Es gibt ausreichend alternative Flächen, da muss der Wald geschützt bleiben“, sagte La Rocca.

Claudia Reichert ist aus Gersweiler. Sie wolle den Wald für die Kinder und Enkelkinder erhalten – und erklärte: „Ich will nicht, dass sich dieser Teil Gersweilers langsam in ein Industriegebiet wandelt.“ Sie trage jedes Jahr an genau diesem Waldstück Amphibien über die Straße. All dieses Engagement für den Artenschutz wäre dahin, würde man die Rodungen zulassen.

Auch Manfred Greb aus Gersweiler will den Wald retten. „Er darf nicht Schritt für Schritt zum Industriegebiet werden“, meinte der Rentner. Und Jörg Kuhn erklärte: „Die Firma Woll hat großen Einfluss in Gersweiler. Viele Vereine gaben keine Räume für die Bürgerversammlung ab. Da merkt man schon eine starke Lobbyarbeit.“

Roland Fecht und Renato Barachino sind die Sprecher der Bürgerinitiative Pro Wald. Sie waren zufrieden mit der Resonanz. Sie hatten bereits im Vorfeld der Demonstration ihren Standpunkt deutlich gemacht: „Für uns ist absolut unverständlich, wenn in Zeiten des Klimanotstandes ein gewachsener und gesunder Wald abgeholzt werden soll. Nach unserer Auffassung sind alternative Möglichkeiten nicht ausreichend geprüft worden.“

Eine Aufforstung – in Gersweiler oder sonst irgendwo im Saarland – als gleichwertigen Ersatz für die von der Abholzung bedrohte „grünen Lunge“ im Saarbrücker Westen darzustellen, sei reine Augenwischerei, so die Sprecher der Bürgerinitiative. Der „Klimaretter“ Mischwald an der Krughütter Straße leiste Erstaunliches für die Lebensqualität in Gersweiler und Klarenthal. Bezogen auf eine Fläche von drei Hektar „schlucke“ der Wald jährlich 150 Tonnen Staub und Ruß und binde 30 Tonnen Kohlendioxid. 90 Tonnen Sauerstoff würden dauerhaft fehlen, wenn der Wald abgeholzt würde. Bis ein neuer Wald eine solche Ökohöchstleistung erbringen könne, vergingen zuerst einmal 70 Jahre.

Barachino warf am Sonntag zwei neue Punkte in die Debatte. Die geplante Fläche für die Firmenerweiterung liege auf einem Bergbauareal mit oberflächennahem, aber auch tiefem Bergbau. Das Bergamt wisse außerdem von einer schwerwiegenden tektonischen Störung in diesem Bereich. Das müsse gutachterlich untersucht werden, ebenso wie die Tatsache, dass die Fläche nach dem Krieg ein Kriegsgefangenenlager gewesen sei. Bei Tiefbauarbeiten sei damit zu rechnen, dass man dieses wieder freilege.

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