Bezirksbürgermeisterin unterstützt Erweiterung im Gersweiler Wald

Kostenpflichtiger Inhalt: Klimaschutz : Bezirksbürgermeisterin steht hinter Woll

Isolde Ries unterstützt Erweiterung der Maschinenbaufirma im Gersweiler Wald.

Isolde Ries sieht Kommunalpolitker in einer Art Falle, aus der sie nur mit Hilfe der Bürger wieder rauskommen. Die Sozialdemokratin Ries ist nicht nur Vizepräsidentin des saarländischen Landtags, sie ist auch Bezirksbürgermeisterin im Saarbrücker Westen. Und als solche unterstützt sie  „nachdrücklich“, wie sie sagt, den Wunsch der Maschinenbaufirma Woll, ihr Firmengelände in Gersweiler zu erweitern. Die Firma will dafür gut zwei Hektar Wald roden (die SZ berichtete).

„Ökologie und Ökonomie können in Gegensatz zueinander geraten – ebenso wie etwa Ökologie und sozialer Wohnungsbau“, sagt Ries. Sie wolle „dies aber nicht einfach zur Kenntnis nehmen und mit den Schultern zucken, sondern als Politikerin vor Ort mit daran arbeiten, einen bestmöglichen Ausgleich zu finden“, versichert sie. Aber nur, wenn viele Bürger „bei dieser Anstrengung mitmachen, gelingt uns das“, sagt sie.

Die Firma  Woll sei ein „mustergültiger Arbeitgeber“, auch weil sie „viele hochwertige Arbeitsplätze geschaffen“ habe. Und sie sei „mit Sonderlösungen in aller Welt ungemein erfolgreich“. Daher sei der Wunsch des Unternehmens, am Standort in der Krughütterstraße, dort wo früher das Karstadt-Lager war, das Betriebsgelände deutlich zu erweitern. „Ich unterstütze diesen Wunsch nachdrücklich, denn wir brauchen erfolgreiche, sozial verantwortungsvolle und im Übrigen für ökologisch bedeutsame und innovative Projekte verantwortlich zeichnende Unternehmen, gerade auch vor Ort hier in Gersweiler“, sagt Ries.

Sie könne aber „auch verstehen, dass viele Bürgerinnen und Bürger beunruhigt sind, wenn für die Pläne eine doch recht große Fläche Wald in unserem Stadtteil abgeholzt werden soll“. Natürlich werde an anderer Stelle im Gegenzug aufgeforstet – „aber eben viele Kilometer entfernt“, räumt Ries ein. Wichtig sei in diesem Konflikt „vor allem eins: Miteinander reden und aufeinander zugehen“. Man dürfe „nicht an Maximalpositionen haften, sondern muss gemeinsam versuchen, bestmögliche Kompromisse zu suchen“.

Wie ein Kompromiss aussehen kann, wisse sie auch nocht nicht, sagt die Bezirksbürgermeisterin. Sie könne sich aber vorstellen, „dass zusätzliche Begrünungsmaßnahmen in Gersweiler durchgeführt werden, die einen wertvollen Ausgleich für unser Mikroklima im Stadtteil ermöglichen“. Und die Baupläne sollten kritisch darauf überprüft werden, „ob nicht die zu bebauende Fläche ein Stück weit reduziert werden kann, also weniger Bäume fallen müssen und einige Bäume stehenbleiben können innerhalb der Bebauung“.

Auf einen „Konsens, der beide Seiten zufrieden stellt“, hofft auch Ralf Kohl von der Saarbrücker Ortsgruppe des Naturschutzbunds (NABU). „Das ist ein sehr schwieriges Thema, da es als Gegensatz Konjunktur und Arbeitsplätze contra Natur und Naturschutz gesehen werden könnte“, sagt er. „Prinzipiell lehnen wir die Abholzung einer so großen Waldfläche ab“, erklärt Kohl, aber ein abschließendes Statement zu diesem Projekt könne der NABU  noch nicht geben, „da die Ergebnisse der faunistischen Untersuchungen noch nicht vorliegen.“

Auch Greenpeace Saar findet es nicht gut, „wenn schon wieder einmal Wald der wirtschaftlichen Entwicklung geopfert wird“, sagt Michaele Couturier von der Umweltorganisation.  „Die bisher gezeigte Offenheit der Firma Woll hinsichtlich ökologischer Belange“ gebe aber „der Hoffnung Raum, dass sie sich über die Forderungen, die sich aus den Umweltgutachten ergeben werden, hinaus einer ehrlichen, glaubwürdigen und zufriedenstellenden Kompensation sowohl in Gersweiler alsauch in der Umgebung verflichtet sieht“.

West-Bezirksbürgermeisterin Isolde Ries (SPD) Foto: Gundelwein. Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein

Greenpeace und der NABU sähen es aber am Liebsten, wenn die Firma auf ein größeres Gelände umziehen würde. Eventuell „mit Hilfen aus der Stadtkasse“, wie Greenpeace sagt.

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