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Plastikfasten, ein Ding der Unmöglichkeit
Bei diesem Fasten kann man verhungern

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Autofasten? Ein Klacks! Süßigkeitenfasten? Schon schwieriger. Aber Plastikfasten? – Nahezu unmöglich!

Es ist eine schöne Sache, ein Kind zu haben. Keine Frage. Sogar ein pubertierendes Kind kann das Leben bereichern. Man lernt zum Beispiel ganz neue, angesagte Orte in seiner Heimatstadt kennen. Und auch manches Schimpfwort würde man kinderlos wohl nicht kennen. Aber es gibt dann doch Dinge, auf die ich durchaus verzichten könnte. Das Vorrecht der Jugend nämlich ist ja, dass man die Welt verbessern möchte – in der man ja auch noch länger drin leben muss. .


Nun bin ich eigentlich dem Weltverbessern gegenüber aufgeschlossen. Als die Schule meiner Tochter beschlossen hat, in der Fastenzeit auf Plastik zu verzichten, fand ich das erstmal gut. Und voller Zuversicht haben wir beschlossen, das auch zu Hause durchzuziehen. – Seither prallen wir gegen die Wirklichkeit. Das Leben ohne Plastik ist eine Herausforderung. Das fängt schon mit Toilettenpapier an. Ich habe noch keines ohne Plastikverpackung gefunden. Ich fahre große Umwege, um unverpackte Dinge zu bekommen. Schon vorher habe ich möglichst kein Bio-Gemüse im normalen Supermarkt gekauft, weil ich es hasse, nach jedem Einkauf einen gelben Sack voller Abfall zu haben.

In Saarbrücken haben wir es ja noch gut, hier gibt es immerhin einen Unverpackt-Laden, da bekommt man wenigsten Reis oder Nudeln und Haferflocken lose, wenn auch überraschend teuer. Aber schon bei Tofu wird es schwierig. Auch auf Crème fraiche müssen wir leider verzichten bis Ostern. Die gibt es nirgends ohne Plastik drum. Und krank werden darf auch keiner bei uns. Denn suchen Sie mal Tabletten ohne Plastikhülle. Auch im Badezimmer könnte man verzweifeln. Natürlich habe ich jetzt das Shampoo der Familie gewechselt, weil wir festgestellt haben, dass in unserem bisherigen die Meere verseuchendes Mikroplastik verarbeitet ist. Aber natürlich ist das Shampoo ohne Mikro-Teilchen in einer Plastikflasche. Ich muss gestehen: Ich habe kapituliert.



Zum Glück ist unser Vorratsschrank recht voll. Mit den Mülltüten, Kaffeepackungen und anderen Sachen, die wir vor Aschermittwoch eingekauft hatten, kommen wir noch bis Ostern. Ansonsten tue ich mein Bestes und kneife öfter mal ein Auge zu. Meine Tochter ist da, Vorrecht der Jugend, natürlich radikaler als ich. Sie will jetzt ihr Plastikdeckel-freies Deo selbst machen.  – Bin mal gespannt, wie viele der Zutaten es nur in Plastik verpackt gibt.