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Plastikfasten, ein Ding der Unmöglichkeit
Dabei kann man verhungern

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Autofasten? Ein Klacks! Süßigkeitenfasten? Schon schwieriger. Aber es gibt eine Form des Fastens, da ist man quasi zum Scheitern verurteilt. Wie haben das nur unsere Großeltern gemacht? Von Susanne Brenner

Es ist eine schöne Sache, ein Kind zu haben. Sogar ein pubertierendes Kind kann das Leben bereichern. Man lernt ganz neue, angesagte Orte in seiner Heimatstadt kennen. Und auch manches Schimpfwort. Aber es gibt doch Dinge, auf die ich verzichten könnte. Das Vorrecht der Jugend ist ja, dass man die Welt verbessern möchte – wohl, weil man ja noch länger darin leben muss als die alten Erwachsenen.


Nun bin ich eigentlich dem Weltverbessern gegenüber extrem aufgeschlossen. Ich kaufe Bio. Ich fahre Bus. Ich pflanze Bienenfutter und Sträucher für Vögel. Als die Schule meiner Tochter beschlossen hat, in der Fastenzeit auf Plastik zu verzichten, fand ich das erstmal gut.  Das Plastikfasten betrifft zunächst mal die Schule selbst. Aber wer einen Teenager zu Hause hat, weiß: Dabei bleibt es nicht. Also fasten wir auch zuhause.

Beziehungsweise wir haben es voller Zuversicht beschlossen. Und seither prallen wir gegen die Wirklichkeit. Das Leben ohne Plastik ist eine Herausforderung. Und eigentlich nicht machbar. Das fängt schon mit Toilettenpapier an. Ich habe noch keines ohne Plastikverpackung gefunden. Ich fahre große Umwege, um unverpackte Dinge zu bekommen.  Schon vorher habe ich möglichst kein Bio-Gemüse im normalen Supermarkt gekauft, weil ich es hasse, nach jedem Einkauf einen gelben Sack voller Abfall zu haben.

In Saarbrücken gibt es immerhin einen Unverpackt-Laden, da bekommt man wenigstens Reis oder Nudeln und Haferflocken lose, wenn auch überraschend teuer. Aber schon bei Tofu wird es schwierig. Auch auf Crème fraîche müssen wir leider verzichten bis Ostern. Die gibt es nirgends ohne Plastik drum. Ja nicht einmal Quark habe ich bisher gefunden. Wenigstens Milch und Joghurt gibt es im Glas – aber das ist eine ganz schöne Schlepperei. Und krank werden darf auch keiner bei uns. Denn suchen Sie mal Tabletten ohne Plastikhülle.

Auch im Badezimmer könnte man verzweifeln. Natürlich habe ich jetzt das Shampoo der Familie gewechselt, weil wir festgestellt haben, dass in unserem bisherigen Mikroplastik verarbeitet ist. Und das geht ja bekanntlich gar nicht, weil es die Weltmeere verseucht. Ich habe jetzt eines ohne gefunden. Aber natürlich ist das in einer Plastikflasche.



Ich muss gestehen: Ich habe kapituliert. Zum Glück ist unser Vorratsschrank recht voll. Mit den Mülltüten, Kaffeepackungen und anderen Sachen, die wir vor Aschermittwoch eingekauft hatten, kommen wir noch bis Ostern. Ansonsten tue ich mein Bestes und kneife öfter mal ein Auge zu.

Meine Tochter ist da, Vorrecht der Jugend, radikaler als ich. Sie will jetzt ihr Deo selber machen, weil es nicht mal im Bioladen eines ohne Plastikdeckel gibt. Das Rezept dazu hat sie im Internet gefunden. Ich bin mal gespannt, wenn sie mir die Zutatenliste zum Einkaufen gibt. Wetten, dass mindestens zwei Teile davon nicht ohne Plastikverpackung zu kriegen sind?