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Ex-Ortsvorsteher: Bauland-Diskussion in Mandelbachtal ist unehrlich

Geht es hier etwa auch um Grundstücksspekulation? : Wie unehrlich ist diese Bauland-Diskussion?

Der ehemalige Ortsvorsteher von Wittersheim mischt nun auch bei der Mandelbachtaler Debatte mit. Und übt heftige Kritik.

„Die Gemeinde Mandelbachtal wird gerade abgehängt.“ Mit diesen Worten läutete Tobias Nickles, der Vorsitzende der Jungen Union Mandelbachtal, Ende November eine neue Debatte ein. Er kritisierte diesbezüglich die von Bürgemeisterin Maria Vermeulen (SPD) geführte Rathaus-Verwaltung. Weitere Statements ließen nicht lange auf sich warten (wir berichteten).

„Fake News bei CDU und JU“ – mit dieser Überschrift hat sich zum Thema letztens Helmut Kihl zu Wort gemeldet. In Wittersheim, seinem Heimatdorf, kennt er quasi jeden Stein und auch ziemlich alle Eigentumsverhältnisse. Der 77-Jährige weiß, welches Land wem gehört und wer darauf beharrlich sitzen bleibt. Aus welchen Gründen auch immer.

30 Jahre saß Helmut Kihl für die SPD im Kreistag, von 1974 bis 2014 war er zudem im Ortsrat vertreten und Ortsvorsteher über zehn Jahre – von 2004 bis 2014. Insofern sind ihm die Kommunalpolitik und deren Hintergründe im Saarpalz-Kreis sehr vertraut. Wir haben mit ihm eine ausgedehnte Rundfahrt durch seinen Heimatort unternommen und einiges an Hintergrundwissen erworben, das nötig ist, um öffentliche Äußerungen von Kommunalpolitikern einordnen und bewerten zu können.

„Was reitet die CDU und ihre Nachwuchsorganisation in einer Zeit der Corona-Pandemie das Thema Baulanderschließung hochzuspielen? Hier wäre Sachlichkeit und vor allem mehr Ehrlichkeit zu einem sensiblen Thema angebracht“, sagt Kihl. Nach 40-jähriger Ortsratsmitgliedschaft könne er am Beispiel Wittersheim exemplarisch über die Entwicklung zur Schaffung neuer Baugebieten berichten.

Anfang der 1960er Jahre sei durch den damaligen Bürgermeister Otto Regel erstmals das Neubaugebiet „Auf dem Lett“ – später in Baugebiet „Am Dreierblock“ umbenannt – auf den Weg gebracht worden: „Es dauerte teilweise 30 Jahre, bis in äußerst zähen Grundstücksverhandlungen zunächst eine Umlegung und Jahre danach die Erschließung begonnen wurde. Die Gemeinde hatte nur wenige Grundstücke zur Veräußerung an einheimische und auswärtige Bauwillige zur Verfügung.“ Es sei tatsächlich so, dass nur durch den Beschluss der damals selbständigen Gemeinde Wittersheim, quasi über Nacht, ohne Zutun der Grundstücksbesitzer, der Wert von billigem schlechtem Ackerland zu Bauland mit Gewinnsprüngen um mehr als das zehnfache einherging. Danach habe, nach der Gebiets- und Verwaltungsreform, die Gemeinde Mandelbachtal ab 1974 zunächst ernorme Mittel zur Erschließung investieren müssen.

Und nun, nach fast 50 Jahren, gebe es nur noch zirka acht damals erschlossene Baugrundstücke – alle in Privatbesitz. Helmut Kihl: „Bei absehbarer Eigennutzung durch Nachkommen wie Kinder oder Enkelkinder kann man das Zurückhalten noch tolerieren.“ Wenn jedoch viele Baugrundstücke von Eigentümern – ohne direkte Nachkommen – gehortet würden und Bauwillige fortziehen müssten, wäre die seit Jahrzehnten geforderte höhere Besteuerung angebracht.

Helmut Kihl in der alten Wagnerei in Wittersheim. Foto: Michèle Hartmann

Des Weiteren wisse ja jeder, dass die Bevölkerungsentwicklung stark rückläufig sei, dass es jede Menge Baulücken innerorts gebe und in absehbarer Zukunft auch durch ältere Bewohner eher viele Häuser leerstehen würden. „In Zeiten der sich anbahnenden Klimakatastrophe ist auch die Frage erlaubt, ob es Sinn macht, weiter in der Gemeinde mit ihren acht Orten mit entsprechend großem Flächenverbrauch Gebiete zu versiegeln. Von den entstehenden Kosten zur Vorfinanzierung zur Erschließung und späteren Unterhaltung durch die klamme Gemeinde für Straßen, Kanäle und Versorgungsleitungen gar nicht zu sprechen“, gibt Helmut Kihl abschließend zu bedenken.