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Kaum Einsatz für erfahrene KräfteIG Metall sieht neue Krise aufziehen

Kaum Einsatz für erfahrene KräfteIG Metall sieht neue Krise aufziehen

Homburg/Zweibrücken. "Am besten errichten wir demnächst neben den Betriebskindergärten auch Betriebsfriedhöfe. Die brauchen wir, wenn wir wirklich bis 70 arbeiten müssen, wie es in der Politik schon diskutiert wird!" Markige Worte zur Rentenentwicklung hallten am Samstag durch die Zweibrücker Festhalle. Ihr Absender: IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner

Homburg/Zweibrücken. "Am besten errichten wir demnächst neben den Betriebskindergärten auch Betriebsfriedhöfe. Die brauchen wir, wenn wir wirklich bis 70 arbeiten müssen, wie es in der Politik schon diskutiert wird!" Markige Worte zur Rentenentwicklung hallten am Samstag durch die Zweibrücker Festhalle. Ihr Absender: IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner. Er war als Gastredner gekommen, um vor rund 160 Betriebsräten und Vertrauensleuten (siehe "Stichwort") der saarpfälzischen Firmen von Metall-, Elektroindustrie und Handwerk bei der Vertrauensleute-Konferenz der IG Metall Homburg-Saarpfalz zu sprechen.Diese vertreten etwa 16 000 Beschäftigte. Diese Veranstaltung diente dazu, die im ersten Halbjahr 2012 neu gewählten Vertrauensleute zu informieren und durch Vorträge, politisches Kabarett, Brainstorming-Runden und Diskussionsforen Ideen zu sammeln zu Themen wie Alterssicherung, demografischer Wandel und Tarifpolitik. Mit ihnen wollen sich die Metaller in den Bundestagswahlkampf 2013 einklinken.

Die Emotionen kochten hoch, als Werner Cappel, der Erste Bevollmächtigte des Bezirks Homburg-Saarpfalz, auf die jüngste Bundesratssitzung verwies, wo die Rentenbeitragssenkung von 19,6 auf 19 Prozent Thema war (wir berichteten). "Dabei geht es nur um die Entlastung der Arbeitgeber beispielsweise über die Lohnnebenkosten", sagte Cappel und forderte, die Beiträge analog zu einem vom Deutschen Gewerkschaftsbund erstellten Konzept sogar zu erhöhen: stufenweise bis 2030 auf etwa 22 Prozent. Dadurch soll das derzeitige Rentenniveau nicht unter 51 Prozent sinken, Altersarmut entgegengesteuert werden.

Zahlen präsentierte Cappel auch zu der Frage, wie viele Arbeitsplätze für Senioren die Firmen hierzulande schon anbieten: gerade mal 80, bei einem Bedarf von 2121 Ü-60-Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren. Er zeigte auch eine Übersicht, auf der bei 176 Neueinstellungen in den hiesigen Metaller-Firmen zwischen dem 1. Oktober 2010 und dem 5. Februar 2011 nur neun Über-50-Jährige dabei waren. "Das Argument der Politik, die Firmen setzen auf erfahrene Kräfte' stimmt nicht", mahnte auch Kerner. Altersgerechte Arbeitsplätze für Über-60-Jährige seien ohnehin nur Notnägel. Vielmehr müssten Arbeitnehmer das ganze Berufsleben über angemessene Arbeitsbedingungen haben.

"Die Menschen müssen gesund aus dem Betrieb rauskommen", so Kerner. Wie man den Weg dahin ebnen könnte, darüber zerbrachen sich die Konferenzteilnehmer in Arbeitsgruppen die Köpfe. Einige Ideen: Betriebssport fördern, Fachleute zur Rentenentwicklung in die Firmen holen, durch politisches Kabarett die Jugend für das Problem sensibilisieren oder Entscheidungsträger in Altersanzüge stecken. Durch sie fühlt man sich so eingeschränkt, als wäre man einige Jahre älter.Homburg. Die Krise ist zurück. Diese beunruhigende Feststellung machten Werner Cappel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, und Jürgen Kerner vom IGM-Bundesvorstand bei der Vertrauensleute-Konferenz am Samstag in Zweibrücken. Cappel verwies auf die Beschäftigtenentwicklung der vergangenen Monate. Zwischen dem 31. Dezember 2011 und dem 1. Juli 2012 strichen die Firmen in unserer Region demnach rund 650 Stellen ersatzlos. Vor allem Bosch in Homburg seien die meisten zuzuordnen, so Cappel. Der SR berichtete unter Verweis auf eine Unternehmenssprecherin von rund 400.

In der Regel seien Leiharbeiter vor die Tür gesetzt oder die Verträge von befristet beschäftigten nicht verlängert worden, sagt Cappel: "Es bricht zwar nicht so abrupt ab, wie in der letzten Krise, aber die Tendenz ist auch in Zweibrücken deutlich spürbar." Dass neues Personal mit festen Verträgen ausgestattet worden sei, sei "die Ausnahme. Aber bei Terex und John Deere gab es solche Fälle gerade." Für ganz Deutschland bestätigte Jürgen Kerner den Trend: "Die wirtschaftliche Entwicklung geht wieder nach unten. Und jetzt tut Berlin so, als sei die Welt in Ordnung, alte Sonderregelungen hat die Politik wieder kassiert." ek

Stichwort

Vertrauensleute sind die Interessenvertreter der IG Metall in den Betrieben. Jeder sei etwa für 50 bis 80 Firmenmitarbeiter zuständig, schildert Werner Cappel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Sie sind Ansprechpartner bei Problemen für die Metaller und die übrigen Beschäftigten und werden durch die IG Metall qualifiziert, etwa zum Thema Tarifverträge. Im Bezirk Homburg-Saarpfalz hat die Gewerkschaft laut Cappel rund 300 Vertrauensleute. ek