Heimatgeschichte in neuem Gewand

Schwarzenacker. "Das Saarland - Geschichte einer Region" heißt ein neues Buch, das jetzt im Edelhaus in Schwarzenacker der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es unterscheidet sich deutlich von der Vielzahl geschichtlicher Abhandlungen. Es setzt sich besonders mit dem auseinander, was zur Prägung und zur Identität des Saarlandes beigetragen hat

Schwarzenacker. "Das Saarland - Geschichte einer Region" heißt ein neues Buch, das jetzt im Edelhaus in Schwarzenacker der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es unterscheidet sich deutlich von der Vielzahl geschichtlicher Abhandlungen. Es setzt sich besonders mit dem auseinander, was zur Prägung und zur Identität des Saarlandes beigetragen hat.Entstanden ist das 418 Seiten starke Buch auf Initiative des Historischen Vereins für die Saargegend. Neun Autoren haben Beiträge dazu recherchiert und niedergeschrieben, wie Eva Kell, Vorsitzende des Vereins, bei der Vorstellung betonte. Mit Johannes Schmitt hat das Buch einen ebenso renommierten wie kundigen Herausgeber.

Mit dem Titel "Geschichte einer Region" hatte sich der Historische Verein für die Saargegend ein ehrgeiziges Ziel gesteckt, wie auch offizielle Gäste hervorhoben, unter ihnen Landrat Clemens Lindemann.

Was Autoren, Herausgeber und Verein bestimmt nicht wollten, war eine weitere chronologische Darstellung des Landes an der Saar, wie es sie schon vielfach gibt. Stattdessen hielten die neun Autoren die Lupe über die Zeitabläufe, die bedeutsam sind für die Entstehung und Entwicklung des Saarlandes.

Diese begannen, wie Eva Kell und Johannes Schmitt unterstrichen, mit der Niederlage Frankreichs und dem daraus folgenden Rückzug des napoleonischen Reichs aus den bis dahin beherrschten Teilen Deutschlands. Was heute das Saarland ist, wurde von Bayern, Preußen und dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha verwaltet. Letzteres trennte sich bald von seinem Gebiet, das an Preußen ging. Die fortschrittlichen staatlichen Strukturen, die Frankreich installiert hatte, sollten erhalten bleiben und führten zu Spannungen mit den neuen Regenten in München und Berlin.

In unserer Region fand das Ausdruck im Konflikt des Landcommissärs Siebenpfeiffer mit seinen Oberen, die schließlich den unbequemen Landrat und seine Unterstützer verfolgten.

Die Zeiten der Industrialisierung legten das Fundament für das, was heute saarländische Identität genannt werden dürfe, so Kell und Schmitt. Sichtbar wurde das besonders nach den beiden großen Kriegen, als 1919 und 1947 die begehrte Kohle- und Stahlregion unter französische Regie gestellt wurde.

"Das Saarland - Geschichte einer Region" macht anschaulich, wie sich aus dem Saargebiet zur Völkerbund-Zeit bis 1935 und dem Saarland bis zur Rückgliederung 1957 eine wirklich sichtbare Identität von Land und Leuten entwickelte. Das "Spannungsfeld zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" habe sich, bezogen auf das Saarland, in bisherigen Publikationen nicht wiedergefunden, so Kell. Deswegen habe es sich der Historische Verein zum Ziel gesetzt, diesen wichtigen Aspekt regionaler Geschichte zum Gegenstand eines Buches zu machen.

Seit 2005 hätten Autoren und Herausgeber an dem Werk gearbeitet und eine Vielzahl speziell für das Saarland wichtiger Fakten zusammen getragen. Besonders erfreulich sei, dass Wissenschaftlichkeit und Lesbarkeit verknüpft werden konnten.

Je nach Interessenlage könne der Leser an jeder beliebigen Stelle des Buches in die Geschichte einsteigen, sei es in der "JoHo-Zeit" 1947 bis 1955 oder ganz aktuell beim Ende des Kohle-Bergbaus an der Saar. Das werde bestimmt auch den Willen wecken, sich auch die übrigen Kapitel saarländischer Geschichte und Identität zu erschließen, so der Homburger Stadthistoriker Klaus Kell.

Im Edelhaus wurde das Buch "Das Saarland - Geschichte einer Region" vorgestellt. Das erste Exemplar erhielt Landrat Clemens Lindemann (Zweiter von rechts), hier zusammen mit Herausgeber Johannes Schmitt, Eva Kell vom Historischen Verein für die Saargegend und Historiker Bernhard Becker vom Saarpfalz-Kreis (von links). Foto: Michael Schneider

Greifbar und nachfühlbar wird am 31. Oktober die Völkerbund-Zeit zwischen 1918 und 1935. An diesem Abend hält Professorin Gabriele Graf von der Universität des Saarlandes, die zu den Autoren des Buches gehört, eine Lesung mit Diskussion im Edelhaus.