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Grube Frankenholz - Von der Grubenanlage zur illegalen Mülldeponie

Frankenholz’ Ortsvorsteher moniert Entwicklungen auf Gelände : Von der Grube zur illegalen Mülldeponie

Frankenholz’ Ortsvorsteher Rudi Müller skizziert die wechselvolle Geschichte der alten Grube Frankenholz – und moniert unrechtmäßige Umtriebe von Firmen dort. Die schürten gerade auch aktuell den Ärger der Anwohner.

Das Jahr 2019 war ein besonderes Erinnerungsjahr an den Bergbau am Höcherberg, vor allem für Frankenholz.  Vor 140 Jahren wurde auf dem Plateau über dem Klemmlochtal oberhalb der „Gewanne in der Dreispitz“ am 1. August 1879 mit der Abteufung des ersten Schachtes der Frankenholzer Grubenanlage begonnen. 80 Jahre später allerdings war  im Jahre 1959 mit der Schließung die Bergbaugeschichte in Frankenholz beendet, wie Frankenholz’ Ortsvorsteher Rudi Müller (SPD) erinnert. In umfangreichen Feierlichkeiten, an denen auch der Ministerpräsident Tobias Hans teilgenommen habe, sei im Oktober 2019 an die Geschichte der Grube Frankenholz, mit den späteren Schächten III/IV in Höchen und V in Hangard, erinnert worden. An ein Bergwerk, das einmal größte Privatgrube Bayerns und ein Mittelpunkt der Wirtschaftsgeschichte am Höcherberg war. Zeitweise verdienten 3000 Bergleute hier ihr Brot, Bergleute aus der gesamten Region. Müller schildert in der Folge aus seiner Sicht die wechselvolle Geschichte des Areals. Sein Bericht befasse sich nicht mit der Grubengeschichte, sondern mit einer Leidensgeschichte des Geländes, so Müller weiter.

Das Frankenholzer Grubengelände  wurde 1960 von Saarberg in „Privathand“ verkauft, sogar die im Umfeld vorhandenen Villen (in einer wohnte lange Zeit Dieter Thomas Heck) wurden an den Mann gebracht. Sicher war man damals froh, dass sich Firmen fanden, die 1961/62 wieder für Arbeitsplätze sorgten. Bis zu 300 Frauen und Männer waren hier beschäftigt.

Doch Mitte  der 1970er Jahre war es dann mit der Blütezeit der hier angesiedelten Firmen soweit vorbei. Nach und nach wurde die Fabrikation weniger, das Gelände verwahrloste zusehends, zwei Gebäude brannten völlig aus. Unrat, Plastik- und Styroporabfälle boten kein schönes Bild. Nach dem Abriss der Ruinen Mitte der 1980er Jahre war vorübergehend von einer Umwandlung vom Gewerbegebiet in Baugelände die Rede (Es stand schon eine große Tafel mit der Aufschrift: Hier entsteht der „Wohnpark St.Barbara“ im Eingangsbereich des Geländes)  war, letztendlich wurde im Flächennutzungsplan der Stadt das Gebiet als „Grünland“ ausgewiesen. Wenn da nicht bestimmte Umweltsünden die sich einsetzende Renaturierung behindert hätten. Da gab es „Ablagerungen“ jeglicher Art, wegen vorhandener Bäume und Gestrüpp teilweise von außen uneinsehbar, etwa schon Unmassen an Plastikflaschen, Autotanks, Müll und Unrat, alte Autoreifen, Batterien, „tonnenweise“ angefahrene Holzhackschnitzel, ja selbst Wohnwagen und alte Transportfahrzeuge mit Autowracks.

Wenn auch  mehrfach  Verursacher zur Reinigung des Geländes herangezogen wurden, entsorgte etwa die Stadt selbst kurz nach Ostern 1997 rund 300 Autoreifen aus dem nahen Waldgelände unterhalb der Bergehalde im Rahmen einer BSHG-Maßnahme. Nach dem Abtransport der vielen Altreifen wie auch sonstiger umweltgefährdender Plastikabfälle auf der Halde, wurde das Kapitel „Holzhackschnitzel“ angegangen. Am 17. November 1997 war mit dem Abtransport dieser Schnitzel begonnen worden. Mit Radlader und Containern wurde durch das Entsorgungs-Team innerhalb eines Monats der illegalen Deponie ein Ende bereitet. Auch wurden die Holzhackschnitzel als „Gefahrenpotential“ (Brandgefahr) bezeichnet.

Mit diesen Aktionen wurde im Jahr der Frankenholzer 300-Jahr-Feier 1997 – so glaubte man – ein großer Schritt zur Sanierung der Müll- und Schrottszene“ auf dem ehemaligen Grubengelände getan. Doch damals waren die Tätigkeiten einer Palettenfirma erkennbar, die einen  Geländeteil, nur unweit von den Holzhackschnitzeln entfernt, als Betriebsfläche nutzte.  Alte (Holz-) Paletten waren hier gestapelt, und es handelte sich damals um einen Kleinbetrieb, der geduldet und zur Aussiedlung aufgefordert war. Eine Nutzungsuntersagung war ausgesprochen worden, so hieß es 1997 verschiedentlich.

Ganz einfach wohl auch deshalb, weil es sich bei dem alten Frankenholzer Grubengelände nicht mehr um ein Gewerbegebiet handelte, was eine Grundvoraussetzung für eine derartige Produktionsstätte bedeutet hätte. Auch dieser Betrieb einer Holzpalettenfirma war unter der Rubrik Gefahrenpotenzial eingeordnet.  Das Hauptaugenmerk hatte man aber offensichtlich auf die Schnitzel und deren Beseitigung gericht. Doch  dabei wurde die Palettenfirma vergessen. Bald hatte dort besagte Firma Hallen errichtet, Gelände aufgefüllt, selbst eine Teerstraße vom Eingang des Grubengeländes bis zum Werksgelände gebaut.

Ein großes Firmenschild an der Waschkaue wies auf die Firma hin, obwohl diese laut Rudi Müller dort gar nicht erlaubt war.  Gearbeitet sei rund um die Uhr worden, dies auch teilweise an Sonn- und Feiertagen, zur Belästigung der Anlieger der Straße Zum Frankenbrunnen. Zwischendurch seien in immer größerem Umfang große Transportfahrzeuge mit Holz oder Holzpaletten durch die enge Hauptverkehrsstraße von Frankenholz in Richtung Bexbach  und damit auch in Richtung Autobahn gerollt, wie natürlich auch umgekehrt nach oben. Für die Anlieger der Höcherbergstraße habe der Transportverkehr eine enorme zusätzliche Belästigung bedeutet und dies nicht nur für die Frankenholzer denn es ging ja auch durch die Hochstraße durch Bexbach.  2006 sei die Firma abgezogen.

Auf dem ehemaligen Grubengelände blieb es danach lange ruhig.  Im August 2017 wurde im Ortsrat angefragt über Aktivitäten auf dem ehemaligen Grubengelände, und zwar im Bereich der noch vorhandenen Gebäude der einstigen Palettenfirma. Dort seien seit einiger Zeit – vorsichtig ausgedrückt – „gewerbeähnliche Geräusche“ zu vernehmen, schreibt Müller. Da es sich bei dem Gelände nicht um ein ausgewiesenes Gewerbegebiet handele, sollte auf jeden Fall bei der Unteren Bauaufsicht nachgefragt werden. Eine private Beschwerde ging dann im September 2018 an den Landrat des Saarpfalz-Kreises, auf die „Erfahrungen und Aktionen“ der Vergangenheit  wurde hingewiesen. Es  fand auch ein Termin mit der Unteren Bauaufsicht statt, und nach erneuter Begutachtung wurde Ende vergangenen Jahres dann ein „Verwaltungsverfahren“ eingeleitet, doch wohl wegen der ja stets in solchen Angelegenheiten eintretenden Widerspruchsverfahren ziehe sich alles wieder in die Länge, so der Ortsvorsteher.

Seit Februar dieses Jahres waren die Frankenholzer, vor allem die wieder betroffenen Anlieger der Höcherbergstraße, erstaunt, was die vielen großen Transportfahrzeuge tagtäglich aus Richtung Bexbach kommend hier wollen. Dann wurde festgestellt, dass ja deren Ziel die alte Grubenanlage war. Da ging es bergauf voll geladen mit „Schutt oder Bauschutt“ und leer wieder hinab. Über Wochen, selbst samstags. Schutt wohl von überall her schreibt Müller weiter.

Ein Stück Industriegeschichte Die Grube Frankenholz (oben) prägte lange Jahre das Gesicht der Region Das Bild rechts zeigt den letzten Handabsatz der Frankenholzer Kohlen an der alten Bexbacher KohlenwäscheFOTOS: DSK Die Grube Frankenholz war Schauplatz einer Tragödie. Foto: SZ/Archiv Foto: DSK

Auf eine nun abermals „private Beschwerde“ hin, musste natürlich dieser Tage wieder die Untere Bauaufsichtsbehörde Saarpfalz  mit einem „Verwaltungsverfahren“ tätig werden. Was wird dann wieder im Verfahren kommen? Nach der noch bekannten „Schlammaffäre“ 1966 auf dem alten Schlammweiher an der Bergehalde, die sogar damals zum Rücktritt des Gemeinderates geführt hat, und der „Holzhackschnitzel-Aktion“ 1996/97, kommt jetzt wieder eine „neue Aktion. Doch der „Schutt“ ist erstmal da, und er regt sogar zu einem Schild am Ortseingang an,  mit der Aufschrift: „Saarländischer Schuttplatz Frankenholz (Stadt Bexbach) – perfekt zum Abladen aber auch Durchrasen sowie Lärm geeignet“.   „Vielleicht sollte man sich wirklich einmal ernsthafte Gedanken machen, wie man einen Weg zu einer vernünftigen gemeinsamen Lösung mit dem Eigentümer für das alte Grubengelände finden kann, ganz ohne Verwaltungsverfahren“, so Ortsvorsteher Rudi Müller abschließend.