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Knappenkameradschaft St. Barbara Bexbach wurde 160 Jahre alt

Jubiläum mit Hindernissen : Covid-19 verdarb den Knappen die Feier

Die Bexbacher Knappenkameradschaft St. Barbara wird 160 Jahre alt. Doch aus dem geplanten Fest am 24. Mai wurde wegen der Corona-Krise nichts. Für die Kameraden ist dies kein Grund zu verzagen, nun soll 2021 gefeiert werden.

Eigentlich wollte die Knappenkameradschaft St. Barbara Bexbach in diesem Jahr ihr 160-jähriges Gründungs-Jubiläum und das 65-jährige der Wiedergründung feiern. Für Sonntag, 24. Mai, war alles vorbereitet, das Programm stand, die Einladungen waren ausgesprochen, teilt die Knappenkameradschaft mit. Teilnehmer wurden aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Frankreich, Luxemburg und sogar Belgien erwartet. Es sollte auch ein Wiedersehen mit befreundeten Traditionsvereinen geben.

Die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung, doch nach dem Motto „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, will man im nächsten Jahr, so der Vorsitzende der Kameradschaft, Jörg Müller, das Fest in gleicher Form wie geplant durchführen. „160 Jahre sind natürlich ein besonderer Grund zum Feiern, denn welcher Verein in Bexbach kann noch eine derartig lange ‚Lebenszeit’ aufweisen?“ heißt es in einer Mitteilung weiter.

Die Gründungsgeschichte der Kameradschaft St. Barbara reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Ein Blick in die Chronik zeigt: Am Barbaratag, 4. Dezember 1859, wurde auf Initiative von Pfarrer Johannes Storck im alten Bexbacher Martinskirchlein eine „St. Barbara-Bruderschaft für Berg- und Hüttenleute“ ins Leben gerufen. Auf der bayrischen Staatsgrube Mittelbexbach waren zu diesem Zeitpunkt rund 200 Bergleute beschäftigt. Zunächst als rein katholischer Verein gegründet, wurde er unter den Schutz der Patronin der Bergleute, der heiligen Barbara, gestellt. 1892 bewirkte eine Änderung der Statuten die Umbenennung der „St. Barbara-Bruderschaft“ in „Katholischer Knappenverein Mittelbexbach“.

Zur Zeit des Nationalsozialismus und den damit verbundenen großen Veränderungen im kirchlichen Leben wie auch in den Wirren des zweiten Weltkrieges, war die Vereinstätigkeit zum Erliegen gekommen. Nach dem Krieg war es ein besonderes Anliegen, die Kameradschaft St. Barbara neu aufleben zu lassen, Mitinitiator war Alois Stumpf, Heimatschriftsteller und Schriftführer des Knappen- und Arbeitervereins. Immerhin betrug der Mitgliederstand zu dieser Zeit noch 131 Bergleute. Die französische Militärregierung vereitelte diesen Wunsch noch neun Jahre lang, sodass der Knappenverein erst wieder 1955 neu gegründet werden konnte. Anlass der Wiedergründung war die Inbetriebnahme des Kraftwerks und der Grube St. Barbara. Sie erfolgte als weltlicher Verein, als „Bergknappen – Kameradschaft St. Barbara Bexbach“ und nicht mehr als rein katholische „Bruderschaft“, da mittlerweile auch evangelische Berg- und Hüttenarbeiter ihr Interesse am Beitritt zum Verein bekundet hatten.

Im Gründungsjahr erfolgte die feierliche Weihe der Barbara-Statue auf dem Gelände des Kraftwerks Bexbach, die jetzt auf dem „Monte-Barbara“ ihren Standort hat. Der Bergbau ist in Bexbach und am Höcherberg schon lange zum Stillstand gekommen, die Grube St. Barbara wurde 1959 geschlossen. Trotz allem lebt die bergmännische Tradition in der „Bergknappenkameradschaft St. Barbara“ weiter, die seit ihrer Wiedergründung von den Vorsitzenden Alois Hirsch, Max Welter, Ludwig Frisch, Otto Klos und Dietmar Decker geleitet wurde. Im Jahre 1983 wurden erstmals Frauen des Vereins mit Uniformen ausgestattet und nahmen an den Festzügen teil. Die regen Aktivitäten des Vereins zeigen sich insbesondere auch an der Teilnahme von Veranstaltungen der Bergmanns- Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes, am deutschen Bergmanns-, Hütten- und Knappentag in Essen oder etwa auch in Carreau Wendel bei der französischen Föderation. Der Verein, so der Vorsitzende Jörg Müller, hat derzeit 39 Mitglieder, davon 18 Trachtenträgerinnen und Trachtenträger. Sie kommen zum Großteil aus Bexbach, aber auch von auswärts aus dem Kreis Neunkirchen, aus Sulzbach-Friedrichsthal, aus Homburg und sogar mehrere aus Bochum.

Das älteste Mitglied mit 92 Jahren war Bergmann von Beruf und hat sogar auf der Grube Frankenholz gearbeitet. Das jüngstes Mitglied ist 18 Jahre alt, der Fahnenträger ist 22 Jahre alt. Bei den beruflichen Tätigkeiten der Mitglieder sieht es so aus: Viele haben mit den Steinkohlenbergbau zu tun. Vom Bergwerksdirektor bis hin zum Bergmann ist alles dabei. Dann sind auch einige im Kraftwerksbereich beschäftigt, vom Kraftwerksleiter bis hin zu anderen Mitarbeitern, jedoch sind auch andere Berufsgruppen vertreten: Krankenschwestern, Hausfrauen, Schüler, Holzkaufmann, Historiker und natürlich die Vereinswirtin.

Der Verein ist Mitglied im Landesverband der saarländischen Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes und Mitglied in der Federation Mineurs Siderurgiste de France Sarre Luxembourg. Hier bekleidet Jörg Müller sogar ein Amt im Vorstand.

Ein wichtiges Anliegen der Knappenkameradschaft St. Barbara Bexbach ist es, auch weiterhin die Traditionen des Bergbaus zu pflegen und die Erinnerung an die Zeit des Kohleabbaus in der Höcherbergregion an künftige Generationen weiterzugeben, so schreibt der Verein abschließend.