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Neugestalter des Saarbrücker Schlosses Gottfried Böhm wird 100 Jahre

„Stadtreparatur“ : Vom Barockschloss zum Saarbrücker Wahrzeichen

Am Schlossberg fahren Autos über das Pflaster, doch vor dem VHS-Zentrum perlt und plätschert idyllisch das Brunnenwasser. Mit etwas Glück spiegelt sich glitzerndes Sonnenlicht an der Glasfassade, die den Mittelbau des Schlosses umhüllt.

Das Saarbrücker Schloss ist eines der wichtigsten Wahrzeichen des Saarlandes, doch das Formen seines heutigen Antlitzes nach den Entwürfen von Gottfried Böhm vor mehr als 30 Jahren war kein gemütlicher Selbstläufer. Zunächst war eine Rekonstruktion des Barockschlosses gewünscht, dann aber gab es Probleme mit Originalplänen und Kritik an den zu erwartenden Kosten.

Nachdem der Stadtverbandstag 1976 die Restaurierung nach den Stengelschen Originalplänen beschlossen hatte, wurde das gutachterliche Planverfahren durchgeführt. Eingeladen waren sieben Architekturbüros, darunter das Böhms. „Gottfried Böhm war zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter“, sagt Bruno Jochum, der damals für das Architekturbüro Krüger/Rieger arbeitete. Jochum war mit der Werkplanung betraut und folglich mit der Umsetzung von Böhms Entwürfen für den Bau. Er zählt mit den Pfarrkirchen St. Albert auf dem Saarbrücker Rodenhof, St. Hildegard in Sulzbach-Neuweiler und St. Ludwig in Saarlouis Bauten auf, die Böhm im Saarland bekannt gemacht hatten.

Der schlechte Zustand der Bausubstanz des Schlosses drängte zum Handeln. Nach langen Diskussionen um eine Rekonstruktion des während der Französischen Revolution zerstörten Stengelbaus setzte sich schließlich doch ein neuer Mittelrisalit durch – eine Alternative, die Böhm bereits 1978 im gutachterlichen Planverfahren vorgeschlagen hatte. Damit konnte Böhm den früheren Mittelbau auch verlängern und erhöhen.

Zu dem Brunnenhaus des Schlossplatzes dürfte Böhm noch immer eine besondere Beziehung haben. „Den Entwurf hat er seiner Frau 1988 zu Weihnachten geschenkt“, erinnert sich Jochum. „Gottfried Böhm passt seine Gebäude mit großer Sorgfalt der Umgebung an“, sagt er und verweist auch auf die ursprünglichen Absichten des Architekten Alt-Saarbrücken und St. Johann noch näher zusammenzubringen. Demnach wollte Böhm die Sichtachse zur Ludwigskirche stärken und die Stadtautobahn von der Alten Brücke bis zu den Luisenanlagen mit einem Basar überdachen. Spricht Jochum von diesen Ideen fallen die Wörter „Stadtreparatur“ und „Stadtentwickler“.

Eine weitere Hommage an die Gattin hat der Architekt an der Decke des Festsaals des Saarbrücker Schlosses angebracht – und zwar eigenhändig, denn über Monate fertigte er nur mit Hilfe eines Kunstmalers nach seinen Entwürfen die farbige Gestaltung der Decke. „Wir haben ihm die Gerüste bis zwei Meter unter die Decke aufgestellt“, berichtet Jochum und weist schließlich nach oben, in die rechte Saalecke in Richtung Schlossgarten: „Die Rose hat er nur für seine Frau gemalt“. Das erinnert wiederum an einen der Leitsätze, die Jochum aus Böhms Schaffen zitiert. „Das Detail ist das Sinnliche am Bau“, soll Böhm gesagt haben.

Auf die Kohlezeichnung vom Brunnenhaus verweisend, weiß Jochum zu berichten: „Böhm hat immer mit Kohlezeichnungen gearbeitet, die waren so detailliert, dass man danach bauen konnte“.

Nach sieben Jahren Bauzeit, neuer Mittelbau und Sanierung des Nord- und Südflügels, wurde das Schloss schließlich 1989 in der Anwesenheit von Gottfried Böhm eingeweiht. In der Zwischenzeit hatte der Architekt auch Pläne für den Umbau des Saarbrücker Staatstheaters vorgelegt.