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Staudtes "Zwischengleis" läuft beim Ophüls-Festival

Filmfestival Max Ophüls Preis : Staudtes Abschied von der großen Leinwand

Als Hommage an den Saarbrücker Regisseur Wolfgang Staudte läuft beim Ophüls-Festival die filmische Rarität „Zwischengleis“ – mit zwei Gästen.

1978 lief er kurz im Kino, wurde 1981 im dritten Programm des Bayerischen Rundfunks ausgestrahlt, danach nie wiederholt – und auf DVD gibt es den Film auch nicht. „Zwischengleis“ ist die letzte Kino-Arbeit des in Saarbrücken geborenen Regisseurs Wolfgang Staudte (1906-1984) und einer seiner unbekanntesten Filme. Umso verdienstvoller, dass das Ophüls-Festival den Film jetzt zeigt (von einer 35-Millimeter-Kopie aus dem Bundesarchiv in Berlin), in Zusammenarbeit mit der Saarbrücker Wolfgang-Staudte-Gesellschaft, die mit Veranstaltungen und Publikationen an den Regisseur („Die Mörder sind unter uns“, „Rosen für den Staatsanwalt“, „Der Untertan“) erinnert.

Der Film erzählt in einer verschachtelten Montage vom Nachkriegsdeutschland und verdrängter Schuld, vom Wirtschaftswunder und dessen Schattenseiten – besetzt mit Pola Kinski, Hannelore Schroth, Martin Lüttge, Volker Kraeft und Hollywood-Schauspieler Mel Ferrer. „Zwischengleis“ war also eine ambitionierte Produktion, die auch den internationalen Markt im Blick hatte. „Der Film wurde in zwei Sprachen gedreht“, erklärt Uschi Schmidt-Lenhard von der Staudte-Gesellschaft, „jede Szene wurde erst in Deutsch, dann in Englisch gedreht“. Der Export-Erfolg hielt sich dennoch in Grenzen, trotz eines Jurypreises beim Moskauer Filmfestival 1979. Zu dieser Zeit war Staudte, damals längst über 70, schon einige (TV-) Filme weiter. „Im Rentenalter war Staudte einer der meistbeschäftigten Fernsehregisseure“, sagt Schmidt-Lenhard, die eine Dokumentation über den Filmemacher vorbereitet. Kino-Mann Staudte hatte sich mit seiner Produktionsfirma hoch verschuldet und war aus der Not heraus zu einem verlässlichen Mann des Fernsehens geworden. Dort verfilmte er zuletzt Falladas „Eisernen Gustav“ und drehte einige „Tatorte“.

Für die Vorführung von „Zwischengleis“ hat die Staudte-Gesellschaft zwei Gäste eingeladen, die viel zum Film und zum Regisseur erzählen können: Michael Werlin, lange Regieassistent bei Staudte, und Schauspieler Volker Kraeft („Die Buddenbrooks“) – er ist in „Zwischengleis“ dabei und wirkte auch in Staudtes Tatort „Schussfahrt“ mit. Das sollte ein interessanter Abend werden.

Dienstag, 18 Uhr, Kino Achteinhalb.
Ein ausführliches Interview zu „Zwischengleis“ und Staudte gibt es online in unserem Max-Ophüls-Special. Dort finden Sie auch alle Artikel, Interviews und Filmkritiken zum laufenden Festival:

www.saarbrucker-zeitung.de/mop