Loch Lomond in Hemmersdorf

Das Konzert von Loch Lomond in Hemmersdorf : „Ach, es gibt die großen und die kleinen Konzerte“

„Ach, es gibt die großen und die kleinen Konzerte“, wiegelte Sänger, Gitarrist und Bandchef Ritchie Young am Ende ab. Die US-Band Loch Lomond befindet sich gerade auf einer selbst organisierten zweiwöchigen Europa-Tournee und spielte am Montagabend nicht in Saarbrücken, Neunkirchen, Saarlouis oder Homburg, sondern: in Hemmersdorf an der Nied.

Das dortige Gasthaus Gellenberg zählt zu den kleineren Auftrittsorten der siebenköpfigen Band. Nichtsdestotrotz: Das Ganze hatte Flair und wird deshalb wohl auch den Musikern in guter Erinnerung bleiben.

Montagabend und Saunatemperaturen

Foto: Sebastian Dingler

Die Rahmenbedingungen sprachen eigentlich dagegen: Montagabend, große Hitze, Hemmersdorf mit 2200 Einwohnern. Dennoch war der hübsche Saal des Gasthauses ganz gut gefüllt, auch wenn darin fast Sauna-Temperaturen herrschten. „Dieses Mal sind es etwa 80 Prozent Leute von außerhalb und 20 Prozent aus Hemmersdorf“, schätzte Organisator Chris Burr. Der Konzertveranstalter wohnt der Liebe wegen im Ort und hat sich zum Ziel gesetzt, auch mal andere Bands ins beschauliche Hemmersdorf zu bringen als die auf dem Land üblichen ewig gleichen Coverbands.

Zunächst hatte er das letzten Herbst mit der ebenfalls aus den USA kommenden Band Spain probiert, damals mit einer sehr guten Resonanz und 200 Zuhörern, von denen viele aus dem Ort kamen. Das war bei Loch Lomond nicht ganz so. Abgesehen von Wetter und Wochentag kursierte dafür noch eine dritte Erklärung: „Vielleicht war es auch die Auswahl des ersten Konzerts mit Spain, das war schon eine ganz spezielle Stilrichtung. Da sind einige Leute während des Konzerts wieder weggegangen. Der ein oder andere wird gesagt haben, jetzt kommt wohl wieder so was.“ Das vermutete jedenfalls der einheimische Erich Mellinger, der in Hemmersdorf geboren ist.

Foto: Sebastian Dingler

„In Saarbrücken ist jede Szene für sich“

Schade eigentlich, denn die Musik von Loch Lomond hatte nun gar nichts Abschreckendes an sich. Im Gegenteil: Das war entspannter und luftig arrangierter Indie-Folkrock mit starken Chorgesängen und einer abwechslungsreichen Instrumentierung – kein Wunder, bringen die sieben Musiker aus Portland doch neben dem klassischen Bass-Gitarre-Keyboard-Drums-Setup auch Trompete und Xylophon zum Einsatz. Trotz der nicht ganz überzeugenden Besucherzahl war Burr sich sicher, dass bei einem Saarbrücker Auftrittsort viel weniger Leute zu gekommen wären. Begründung: „In Saarbrücken ist jede Szene für sich, die haben die Scheuklappen an und sind nicht offen.“

Ganz so radikal sah das Kathrin Berger nicht. Sie ist selbst Musikerin und stellvertretende Vorsitzende des Hemmersdorf Pop Fördervereins. Aber mehr Leute wären auch ihrer Meinung nach in Saarbrücken nicht erschienen. „Wen es interessiert, der fährt auch hierher. Es ist sicher eine Lücke, dass man auf dem Dorf so etwas macht“, meinte sie und verwies auf das schon lange etablierte und renommierte Haldern-Popfestival, das am Rande einer Kleinstadt mit 5000 Einwohnern in NRW stattfindet. Zumindest im Kleinen haben Chris Burr und seine Mitstreiter auch so etwas vor: In Hemmersdorf soll an verschiedenen Orten ein mehrtägiges kleines Musikfestival stattfinden. Natürlich wird das Gasthaus Gellenberg wieder dabei sein - und wenn die Qualität der Bands jener von Loch Lomond entspricht (und davon ist auszugehen), sollten Musikfans sich den Termin dick im Kalender anstreichen, sobald er veröffentlicht wird.

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