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SZ-Serie Fastnachtsvereine startet mit dem Neunkircher Karnevals-Ausschuss (NKA)

Der Neunkircher Karnevals-Ausschuss : Papa NKA sorgt für seine acht Kinder

Es gibt 31 Fastnachtsvereine im Landkreis Neunkirchen. Zuzüglich der Neunkircher Karnevalsausschuss (NKA) als Dachverband über acht Neunkircher Vereine. Sie teilen sich auf in zwei Regionalbezirke: Neunkirchen-Sulzbachtal und Illtal. Auch für die Fastnachter ist die Pandemie-Zeit besonders schwer: keine Umzüge, keine Kappensitzungen. Aber die Fastnacht lebt dennoch. Deshalb stellen wir in unserer Serie die Vereine vor. Heute: Der Neunkircher Karnevals-Ausschuss (NKA).

Wollen Sie wissen, wie lange es noch bis zur Sessionseröffnung dauert? Noch exakt 290 Tage. Wer es nicht glaubt, der muss leider selbst nachzählen. Denn die Internet-Seite des Neunkircher Karnevals-Ausschusses hängt 87 Tage hintendran. Oder zählt sie mittlerweile was ganz anderes? Es mag doch hoffentlich kein Zeichen für Resignation sein, denn das sähe den Fastnachtern ja gar nicht ähnlich. Denn der Fastnachter an sich, der ist ein durch und durch optimistisches Wesen. Lange hatten sie noch gehofft, die Neunkircher Fastnachter. Die ersten Proben hatten stattgefunden, neue Kostüme waren eingetroffen. Man war mehr oder weniger bereit. Doch Karl Albert, Präsident des NKA und damit quasi der Vater der acht Mitgliedsvereine weiß: „Wer es sehen wollte, der hat es erkannt.“ Sprich: Beim NKA konnte man früh erahnen, das die Veranstaltungen wohl Corona-bedingt ausfallen. Weil das so war, war man drauf eingestellt. Es gibt beim NKA laut Albert keine finanziellen Einbußen. Geld gekostet haben in dieser Session nur die Orden für die Senatoren.

Der Ordensverleih hatte allerdings genausowenig stattgefunden wie die Sessionseröffnung am 11. November. Dabei war die gerade in diesem Jahr so richtig groß geplant: Landes- sogar bundesweit an den Hochöfen (wir berichteten). Nun hofft man auf diesen November. Neben der offiziellen Online-Eröffnung hatte sich das NKA-Präsidium am Abend noch einmal im kleinen Kreise online zusammengeschaltet.  Prinzenempfang, Gemeinschaftssitzung, Rosenmontagszug – das sind die Veranstaltungen, die der Dachverband normalerweise jährlich ausrichtet. Dass der Umzug ausfällt, das kennt man. Gab es gerade in den letzten Jahren bereits zwei Mal. Wegen Sturmwarnung. Und auch 1989 fand der Umzug nicht statt. Damals wegen des Golfkrieges. Der Komplettausfall hingegen ist einmalig.

Einmalig ist auch das Konstrukt des NKA. Das Ziel: Organisation gemeinsamer Fastnachtsveranstaltungen. So steht es es auch auf der umfangreichen und informativen Website. Die hat einen Link zu jedem der Brudervereine – Die Daaler, Neinkerjer Plätsch, Rote Funken, Eulenspiegel, KUV Blau Gelb Wiebelskirchen, KKW Wellesweiler, Heijo Hopp – Die Scheib und Hangarder Brunnebutzer. Der NKA stellt das Prinzenpaar, das dann alle acht Brudervereine vertritt. Gerne genommen wird das Paar aus den Reihen des Vereines, der möglicherweise ein Jubiläum feiert oder Ähnliches. Mit Carina I. und Nicolas I. ist das NKA-Prinzenpaar in der vergangenen Session nochmal ein saarländisches Prinzenpaar geworden. Die Regentschaft der beiden Sympathieträger der saarländischen Fastnacht wurde nun einfach noch einmal um eine Session verlängert, die terminfreie Zeit haben Ihre Tollitäten genutzt, um einem Prinzen Erik das Leben zu schenken.

Aus der Idee für die gemeinsamen Veranstaltungen ist der NKA damals entstanden. Turnverein 1860, aus dem die Plätsch wurde, und Kolpingfamilie, die sich zu den Roten Funken entwickelte, kamen Anfang der 1950er gemeinsam mit dem ältesten und namentlich ersten Neunkircher Karnevalsverein, den Daalern, auf die Idee. Am 11. 11. 1952 fand die erste gemeinsame Veranstaltung statt. Veranstaltungsort war das damalige Hotel Becker in der Bahnhofstraße. Erster NKA-Prinz in der ersten Session wurde Peter Geib, 1953 fand der erste gemeinsame Rosenmontagszug statt. Gründungspräsident wurde Oberstudienrat Gottfried Zepp. Geldsorgen plagten den NKA zu Anbeginn für viele Jahre, so ist es auf der Seite des NKA nachzulesen in den Erinnerungen von Fastnachts-Urgestein August Weirich. Rauchende Köpfe gab es bei den drei Vereinen im Jahr 1952, als es darum ging, einen gemeinsamen Schlachtruf für die Neunkircher Fastnacht zu finden. Entstanden ist er schließlich aus dem Wiegenlied, dass die Tochter eines Mitglieds für ihre Puppe sang und das man entsprechend ausprobierte und auf die unterschiedlichsten Arten testete: „Heijoo“. Und so rufen sie bis heute – mit Ausnahme der Wellesweiler und Wiebelskircher Narren, die nutzen das vielfach gebräuchliche „Alleh Hopp“. Die Scheiber machten aus beidem einen neuen Ruf: Heijoo-Hopp Die Scheib.

Die erste große Gemeinschaftssitzung der NKA-Vereine gab es am 22. Februar 1968. Bis 1976 waren dem NKA sechs Mitgliedsvereine angeschlossen: neben Daalern, Plätsch und Rote Funken auch Eulenspiegel, KKW und KUV. Die Zeiten waren wechselhaft. Der Veranstaltungsraum Kolpinghaus wurde zum Bürgerhaus umgebaut und machte einen Umzug ins Gemeindezentrum notwendig – die Gemeinschaft der sechs Vereine aber festigte sich im Lauf der Jahre immer mehr. 2002 kam die neu gegründete Heijoo-Hopp – Die Scheib dazu, 2008 die Hangarder Brunnebutzer.

Amtierender Präsident ist Karl Albert, der von einem zwölfköpfigen Präsidium unterstützt wird (siehe Info).  Peter Geib wurde im Jahr 1971 zum Ehrensenator ernannt, seitdem kommen in unregelmäßigen Abständen  neue Senatoren dazu, Tendenz steigend, neuste Senatoren seit dieser Session sind Oberbürgermeister Jörg Aumann und KEW-Vorstand Marcel Dubois.

Zum Abschluss der Saalfastnacht lädt der Neunkircher Karnevalsausschuss (NKA) alljährlich zur Gemeinschaftssitzung. Je ein Vereinsvertreter nimmt auf der Bühne Platz, hier die Sitzung 2020. Foto: Ida Jacobi/Jacobi
So viel los wie lange nicht war beim Rosenmontagszug in Neunkirchen im vergangenen Jahr – als hätten es die Menschen geahnt. Foto: Elke Jacobi
Beim Verladen der Wurfwaren an Fastnachtssamstag 2020: Carina I. und Nicolas I. mit NKA-Präsident Karl Albert. Foto: Elke Jacobi
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Nicolas I. und Carina I. beim Prinzenfrühstück des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine zum Prinzenpaar des Jahres gewählt wurde. Foto: BeckerBredel

 So ein paar Ideen schwirren Albert im Kopf herum, wie man doch noch ein wenig an die fünfte Jahreszeit erinnern könnte. Doch da die neuen Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemi ziemlich exakt bis zur närrischsten Zeit des Jahres andauern und an Aschermittwoch ist sowieso alles vorbei ist – da bleiben vermutlich nur das Tage-Zählen bis zum 11. 11. 2021 und der berühmte Optimismus der Narren. Heijoo.