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Der Fastnachtsverein Die Wilde Elf Wiesbach

Die Wilde Elf Wiesbach : Wie die wilden Wiesbacher Fastnacht feiern

Es gibt 31 Fastnachtsvereine im Landkreis Neunkirchen. Zuzüglich der Neunkircher Karnevalsausschuss (NKA) als Dachverband über acht Neunkircher Vereine. Sie teilen sich auf in zwei Regionalbezirke: Neunkirchen-Sulzbachtal und Illtal. Auch für die Fastnachter ist die Pandemie-Zeit besonders schwer: keine Umzüge, keine Kappensitzungen. Aber die Fastnacht lebt dennoch. Deshalb stellen wir in unserer Serie die Vereine vor. Heute: Die Wilde Elf Wiesbach.

Dieser Fastnachtsverein ist nicht wie alle anderen. Aber welcher ist das schon? Hier ist es die Entstehungsgeschichte, die bei diesem Verein so außergewöhnlich war. Den Karnevalsverein Wiesbach gibt es exakt seit dem 27. Mai 1999. Den Elferrat allerdings, den gibt es schon weitaus länger. Und das kam so:

In Wiesbach, da gibt es einen besonders aktiven Vereinsring. In diesem Vereinsring ist jeweils ein Vertreter aus jedem Verein. Und weil der Vereinsring halt eben was tut für die Menschen im Ort, hat der eben auch alle Jahre eine Fastnachtsveranstaltung organisiert. Aus jedem Verein hat jeder was beigetragen. Und natürlich braucht so eine Sitzung auch einen Elferrat. In Wiesbach setzte der sich zusammen aus den Geschäftsleuten des Ortes. So weit, so gut. Dann, eines schönen Tages im Frühjahr  1999, hatte einer von ihnen eine Idee: Warum denn nicht einen eigenen Karnevalsverein in Wiesbach gründen, so fragte Josef Bettscheider seine Elferratskollegen. Die zögerten nicht lange – und so geschah es. Aus dem Elferrat der Sitzungen des Vereinsrings Wiesbach gründete sich der Karnevalsverein Wiesbach. Und weil das Kind auch einen Namen braucht, nahmen die Herren das, was eben am besten zu ihnen passt: Die Wilde Elf war geboren. Der Gründervater, so erzählt der heutige Vorsitzende Peter Jochum im SZ-Gespräch, ist mittlerweile leider verstorben. Sein Kind aber wächst und gedeiht.

77 Mitglieder immerhin hat die Wilde Elf in ihrem närrischen 22. Jahr. Längst besteht sie demnach nicht mehr nur aus den Mitgliedern des Elferrates. Zwei Garden trainieren hier mittlerweile das – coronafreie – Jahr über.  Da ist einmal die Aktivengarde. Die gibt es seit nunmehr fünf Jahren. Die jungen Frauen im Alter von 14/15 Jahren bis in die Zwanziger werden von Julia Gamroth trainiert. Insgesamt 15 Damen zeigen dabei nicht nur jedes Jahr einen schmissigen Marschtanz. Auch ein origineller Showtanz in aufwändigen Kostümen kommt auf die Bühne der Wiesbachhalle. Das gilt auch für die zweite Tanzgruppe. Hier sind auch um die 15 Kinder und Jugendliche aktiv. „Die Gruppe, die geht von den ganz Kleinen bis zu dem Alter, bevor sie in die Aktivengarde kommen“, erklärt Jochum. „Probleme gibt es da keine, die verstehen sich alle bestens.“ Auch hier gilt es Jahr für Jahr sowohl einen Marschtanz als auch einen Gardetanz einzustudieren. Trainiert werden die jungen Tänzerinnen von Kim Bastuck und Ina Busch.

Die Kappensitzungen in der Wiesbachhalle finden weiterhin in Gemeinschaft statt. Will sagen: Man hilft sich aus, auf Bühne und Bütt sind Gäste aus anderen Vereinen zu sehen. Oder auch einfach fastnachtbegeisterte Vereinslose. „Wir haben eine Familie aus Vater, Tochter und Sohn, die gehen in die Bütt. Gehören aber zu keinem Verein“, erklärt Jochum. Über all die Jahre ist es bei einer Kappensitzung pro Session geblieben. Das heißt aber nicht, dass die Wiesbacher Karnevalisten nicht noch mehr tun. So sind sie beispielsweise immer bei den Umzügen der Gemeinde dabei: In Macherbach, Bubach und Eppelborn. Seit 2013 gibt es sogar einen eigenen Umzug. Auch hier war und ist der Vereinsring natürlich mit von der Partie. „Da ist immer richtig viel los“, freut sich Jochum. 27 Gruppen heißt die Bilanz vom Umzug im vergangenen Jahr. Umzugstag in Wiesbach ist der Samstag. Dann wird um 16 Uhr in der Hohlstraße gestartet. Die Narren marschieren an den rund 1000 Zuschauern vorbei bis zur Wiesbachhalle. Dort ist dann Party mit Disko bis zum Abwinken. Für den Umzug, da haben die Wiesbacher Fastnachter sogar einen eigenen Wagen. Den stellt Sitzungspräsident Harald Fenrich zur Verfügung. Es handelt sich dabei um eine Art Planwagen mit extra Vorrichtungen, in die eine bemalte Tafel geschoben werden kann. Gefahren wird der Lkw vom Vorsitzenden höchstselbst. Denn: „Ich bin der einzige der den Führerschein Klasse zwei hat.“

Natürlich gibt es den Umzug nicht in diesem Jahr. Da findet auch in Wiesbach keine Fastnachtsveranstaltung statt. Trainieren war für die Garden nicht möglich, die Trainingshalle ist gesperrt. „Alles ist abgesagt“, sagt Jochum. Den das vor allem deshalb dauert, weil es Jubiläen zu feiern gegeben hätte. Einmal die närrischen zwei mal elf des Karnevalsvereins selbst und zum anderen das eigene einmal Elfjährige von Jochum selbst, der seit 2009 Vorsitzender ist. Gerne hätte man das wieder mit einem Sommerfest gefeiert, wie damals, als der Verein einmal elf Jahre wurde und die Habacher Heroldsingers für Stimmung sorgten. Ein schönes Beispiel für Jochum, wie sich die Vereine gegenseitig unterstützen in Ort und Gemeinde. Nun ist eben nix geplant. „Wenn es vorbei ist, ist es vorbei“, sagt er resigniert.

Auf die beiden Garden ist man in Wiesbach – zu Recht – ganz besonders stolz. Foto: Julia Gamroth
Die Kindergarde begeistert auf der Wiesbacher Kappensitzung mit ihren famosen Tanzeinlagen das närrische Publikum. Auf unserem Archivfoto im Hintergrund auch Teile des Elferrates. Foto: Andreas Engel
Die Minigarde des KV Wiesbach bei ihrem Auftritt in der Wiesbachhalle bei der Kappensitzung im vergangenen Jahr. Foto: Engel

Wenn die Wiesbacher trotzdem so richtig Lust auf ein bisschen Fastnacht bekommen, dann tummeln sie sich auf der liebevoll gestalteten Facebook-Seite des Vereins. Da gibt es inzwischen auch als kleine Entschädigung für die ausfallenden Veranstaltungen ein kleines Video mit einem Rückblick auf die Session 2019/2020. Außerdem gibt es Fotos – beispielsweise davon, wie die Aktivengarde die Gelegenheit genutzt hat, im Sommer gemäß den Bestimmungen im Freien ein bisschen was für die Fitness zu tun.