Zum Weltknuddeltag : Guck mal, wer da geknuddelt wird . . .

Im Jahr 1986 hat Pastor Kevin Zaborney in den USA den National Hugging Day, den Weltknuddeltag, ins Leben gerufen. Seitdem soll man am 21. Januar engen Freunden und Familienmitgliedern Zuneigung zeigen. Anhänger des Tages verteilen gerne Gratisumarmungen in Fußgängerzonen. Außer, wenn die Pandemie das verbietet. Und wohin dann mit all den Knuddeleinheiten? Wir sprachen dazu mit dem 13 Jahre alten Lars Labrador aus Wellesweiler.

Herr Labrador, Sie wirken etwas müde.

Lars Labrador: Zum einen: Sagen Sie gerne Lars zu mir. Nun ja, ich bin diesen Montag 13 Jahre alt geworden. Da ist man kein junger Springer mehr. Aber ich bin auch tatsächlich etwas geschlaucht. Keine Ahnung, wie lange ich das noch aushalte . . .

Aber um Gottes Willen, was ist denn passiert?

Lars: Nun. Wir alle wissen ja: Knuddeln, Kraulen – besonders hinterm Ohr mag ich es gerne, dann könnte ich vor Wonne immer . . ., aber das gehört nicht hierhin – also, dieses Knuddeln, das mögen wir Vierbeiner ja generell eigentlich sehr gerne. Aber, ehrlich gesagt, alles hat auch seine Grenzen. Was zu viel ist, ist einfach zu viel.

Will sagen?

Lars: Sehen Sie das mal so. Seit die Hygienemaßnahmen engen Körperkontakt sozusagen verbieten, also unter Menschen, also unter Menschen, die nicht zusammen wohnen, wo sollen diese Menschen denn hin mit all ihrer Knuddellust? Da bleiben doch nur wir armen tierischen Hausgenossen.

Ich dachte, Sie mögen das eigentlich . . .

Lars: Schon. Aber wie gesagt in Maßen. Stellen Sie sich das doch einfach mal vor. Da liegt man in tiefen Schlaf, streift in seinen süßen Träumen über sonnige Wiesen – padaaa reißt einen ein „ja wo ist denn mein süßes Hündchen“ mitten raus aus der Freude. Nur, weil die Dame des Hauses nach soviel unknuddelbaren Treffen mal wieder einen Knuddelstau hat. Da könnte man in meinem Alter glatt einen Herzinfarkt kriegen. Oder Sie sind grad beim Essen, endlich mal wieder das Lieblingsfutter. Das wollen Sie so richtig genießen, sind ganz drauf konzentriert. Und nun ja, ehrlich gesagt, das Gehör will auch nicht mehr so. Da schleicht sie sich von hinten an und eh man sich versieht, bleibt einem das Futter wortwörtlich im Halse stecken, weil der von zwei knuddelhungrigen Armen umschlungen wird.

Ja, gibt es denn sonst niemanden, der Ihnen ein bisschen was von dem Knuddelstress abnehmen könnte?

Lars: Ha. Der Vogel, das ist ja nix. Was will man an so einem Zebrafinken knuddeln? Ruckzuck ist der hinüber. Und die Katze, diese linke Ratte, die früher, eifersüchtige Nudel wie sie ist, immer gerade dann gekommen ist, wenn es mal so richtig knuddelgemütlich mit Frauchen wurde, die feine Dame jedenfalls, die siehst du nur noch vorbeihuschen. Da bleibe nur ich . . . (seufzt)

Sehen Sie denn eine Möglichkeit, wie sich da was ändern könnte?

Lars: Vorm Ende der Corona-bedingten Vorschriften? Ein entschiedenes Nein! Denn sehen Sie mal, es ist ja nicht so, dass ich mir nicht das Hirn zermartere, wie. Zum Beispiel: Ich lege der Frau des Hauses immer mal eines meiner Kuscheltiere auf den Schoß. Und was macht die dumme Nuss? Wirft es weg. Sie rafft es nicht. Das geht endlos, bis ich irgendwann erschöpft aufgebe. Was natürlich schamlos ausgenutzt wird.

Hat denn diese Zeit gar keine Vorteile für Sie?

Lars: Nun ja, das will ich nicht leugnen. Es gibt schon öfter mal ein Leckerli. Wer mampft, läuft ja nicht weg. (lacht) Und: Sieh an, plötzlich darf ich auf die Couch. Zwölf Jahre lang verbotenes Terrain. Wenn ich wegen meiner Arthrose nicht hochspringen kann, dann hebt sie mich sogar drauf. „Jetzt machen wir es uns gemütlich“, heißt es dann. Und schon wird losgeknuddelt. . .

Dann wünsche ich Ihnen mal, dass Sie die Zeit des Extremknuddelns weiterhin gut überstehen und danke für das Gespräch.

Lars: Dankeschön, sehr gerne . . . Oh jeh,  muss weg .. .  Da seh ich doch gestreckte Arme . . . Wo ist das Kuscheltier, wenn man es braucht? . . .Jetzt aber schnell . . . Oh, was ist denn das? Ein Leckerli . . .