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„Der Flugzeugabsturz hat das Kreuz ganz nah gebracht“

Neunkirchen. Etwa 140 Menschen nahmen gestern Abend am traditionellen Ökumenischen Kreuzweg teil. Dieser führte von der Kirche Herz Jesu zur Bachschule über die Bliespromenade und den Stummplatz zur Christuskirche. Anja Kernig

. "Voran geht natürlich das Kreuz", erklärt Dekanatsreferent Klaus Becker vorsichtshalber noch einmal das Procedere. Etwa 140 Menschen haben sich in der Herz Jesu Kirche eingefunden, um den Ökumenischen Kreuzweg gemeinsam zu gehen. Kreuzweg bedeutet letztlich, das Leid eines anderen wahrzunehmen und mitzutragen. Dass es dafür einen traurigen aktuellen Anlass gibt, war natürlich nicht geplant.

"Wir haben gestern erlebt, wie ein ganzes Land den Atem anhält", so Diakon Oswald Jenni. Der Flugzeugabsturz habe Tod, Leid und das Kreuz ganz nah gebracht, "so viel durchkreuztes Leben". Versöhnlich wirkt die klare, perlende Stimme von Dekanatskantorin Melina Wack, die von Ricardo Angel-Peters am Saxophon begleitet wird. "Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn, da wo alles dunkel scheint. Handeln, anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den, der ohne Träne weint", stimmt die ökumenische Gemeinde ein.

Dann stehen alle schweigend aus den Bänken auf und treten hinaus in den noch hellen Mittwochabend. Kühl ist es, Wind geht und ab und an singt eine Amsel. Hinter Banner und Kreuz formiert sich ein langer Zug. Langsam geht es durch die Kleiststraße in Richtung Bachschule, beobachtet von staunenden Kindern, denen Fragezeichen in die Gesichter geschrieben sind.

Auf dem Schulhof erinnern Margit Reinhardt und Laura Lauermann vom Caritasverband an das Kreuz, "das viele Familien tragen müssen", sei es Armut, Ausgrenzung oder Benachteiligung. Hilfe gibt das im Übergang vom Kindergarten zur Schule wirkende Projekt "Sprungbrett". Mit einem großen Nagel und ein paar Hammerschlägen wird aus zwei Birkenstämmchen ein Kreuz. Als sich die Prozession, die keine ist, gen Bliespromenade in Bewegung setzt, bleibt es auf den Stufen der Schule zurück.

"Wir freuen uns über die große Resonanz", erklärt Becker unterwegs. "Letztes Jahr waren wir nicht so viele." Besonders schön sei, dass immer mehr Menschen von außerhalb dazu stoßen, wie Margit Tschan aus Ottweiler. Auf Einladung ihrer Schwester nahm sie das erste Mal teil. Warum? "Aus christlicher Überzeugung und aus Solidarität." Sie wolle heute besonders beten für die Angehörigen der Opfer. "Ich fühle mich ihnen verbunden."