Alles, was da kreucht und fleucht

Am Dienstag dieser Woche war Gerhard Schappe wieder unterwegs. Morgens um halb sechs ging er auf die Pirsch und zwei Stunden später stellte er fest: "Mir ging es wie einem Angler. Die Rute lag fast regungslos im Wasser und kein einziger Fisch hat gebissen. Andererseits habe ich auch schon viele Stunden auf der Lauer gelegen und etliche Bilder geschossen, die einfach umwerfend sind

Am Dienstag dieser Woche war Gerhard Schappe wieder unterwegs. Morgens um halb sechs ging er auf die Pirsch und zwei Stunden später stellte er fest: "Mir ging es wie einem Angler. Die Rute lag fast regungslos im Wasser und kein einziger Fisch hat gebissen. Andererseits habe ich auch schon viele Stunden auf der Lauer gelegen und etliche Bilder geschossen, die einfach umwerfend sind." Das Besondere daran: Der 59-Jährige wohnt in Neunkirchen-Sinnerthal und geht mit einer seiner drei Nikon-Kameras auf die Jagd nach Schnappschüssen im Umfeld seines Wohnortes. In früheren Jahren hielt es Gerhard Schappe eher mit Landschafts-Aufnahmen, lichtete die Niagara-Fälle, Grönlands Eisberge oder die Inseln im Nordatlantik ab.Vor zwei Jahren aber stellte er fest, dass die Tierfotografie viel mehr hergibt als statische Motive, dass Tiere, aus nächster Nähe aufgenommen, Leben in die Bilder bringen. Schappe: "Es ist faszinierend, was da kreucht und fleucht, und wenn du diese Fotos in unmittelbarer Nähe deines Heimatortes gemacht hast, kannst du nur staunen." Der frühere Beamte der Deutschen Post suchte das Areal zwischen dem Ortsausgang Landsweiler-Reden und dem Baumarkt Praktiker aus. Hier hatte sich im Laufe der Jahrzehnte ein Lebensraum gebildet, der vielen Tieren als Refugium dient. "Ich bin nur wenige hundert Meter von hier geboren. Früher war da eine große Wiese. Es wurde Gras gemäht für Stallhasen und Ziegen, weil viele Berg- und Hüttenleute in Sinnerthal wohnten und sich ab und an mal einen schönen Braten genehmigten. Wenn wir als Kinder in den Bach reingefallen sind, haben wir wegen der Abwässer der ehemaligen Kokerei Reden unmöglich gestunken. Doch die Natur wusste sich zu helfen. Durch Grubensenkungen staute sich das Wasser in den 1960er Jahren. Das Gelände ist seither häufig überschwemmt. An dieser Stelle mäandert der in Richtung Blies fließende Klinkenbach und es entstand ein Biotop von besonderer Güte."

Eisvögel, Graureiher, Biber, Schlangen, Frösche oder Rallen hat Schappe aufgenommen. Und einen Rehbock, der durch die Büsche lugt und wittert. Schappe dehnt seine Streifzüge mit der Kamera inzwischen bis über das Eulenthal hin zum Gegenortschacht Bauershaus Richtung Wiebelskirchen, nach Heinitz und zur Kläranlage Sinnerthal hin aus. Auch dort hat er schon beeindruckende Fotos gemacht. Einmalig sind die aus drei bis 20 Metern gemachten Bilder von Graureihern. "Da muss man Ruhe bewahren. Du stehst da, wartest regungslos, machst eine falsche Bewegung und schon sind die Tiere wieder weg." Auch eine Spaziergängerin machte ihm schon einen dicken Strich durch die Rechnung: "Was machen Sie denn hier, Tieraufnahmen? Interessant." Wusch, weg waren sie und das Bemühen um ein seltenes Motiv Makulatur.

Gerhard Schappe aber vertraut den Vögeln, Fröschen oder Echsen. "Die kommen immer wieder. Die lassen sich auch nicht von dem in unmittelbarer Nähe vorbeirauschenden Straßenverkehr vertreiben. Das Schöne daran ist: Die Tiere zählen nicht zu denen, die sich als Schwenk- oder anderer Braten eignen." Die Aufnahmen rund um Sinnerthal entstehen durch Speicherung der Daten. Längen- und Breitengrad, die Meereshöhe, Datum, Blende, Verschlusszeit oder die Empfindlichkeit eines herkömmlichen Filmes werden als Herkunftsbeweis für den Aufenthaltsort der Tiere festgehalten. Inzwischen wurde Gerhard Schappe auch in die Ornithologen-Plattform der deutschen Vogelschützer aufgenommen. Und bei aller Liebe zur Jagd auf seltene Tiere hat er auch drei hungrige Mäuler in der Garage seines Wohnhauses geknipst; Rotschwänze, die sich nach Mücken und Würmern verzehren. Foto: Rolf Purper