Grillen für Körper und Seele

Spiesen-Elversberg. Stolz zeigt er seine Sammlung von mittlerweile vier verschiedenen Grillgeräten. Sie verteilen sich auf Garten und Balkon. Für Robert Schmitt sind sie mehr als Utensilien für die im Saarland oft favorisierte Zubereitungsart des Grillens. Die Geräte sind Robert Schmitts Leidenschaft. "Im Oktober 2010 hatte ich nur eine Woche nach meinem 50

Spiesen-Elversberg. Stolz zeigt er seine Sammlung von mittlerweile vier verschiedenen Grillgeräten. Sie verteilen sich auf Garten und Balkon. Für Robert Schmitt sind sie mehr als Utensilien für die im Saarland oft favorisierte Zubereitungsart des Grillens. Die Geräte sind Robert Schmitts Leidenschaft. "Im Oktober 2010 hatte ich nur eine Woche nach meinem 50. Geburtstag einen Schlaganfall", erzählt er. Nach dem Schicksalsschlag habe er sich zurückgezogen und sei nicht mehr unter Leute gegangen, beschreibt seine Frau Patricia die Zeit danach. Das hat sich mittlerweile geändert.Rund ein Jahr danach entdeckte Robert Schmitt die Ausschreibung zu einem Rezeptwettbewerb. "Ich habe einfach auf gut Glück mal mitgemacht und mir keine großen Chancen ausgerechnet", erinnert er sich. Aber es kam anders. Als einer von zwei Saarländern schaffte er es mit seinem Rezept für gefüllte Hähnchenschenkelspieße mit 19 anderen Teilnehmern ins Bundesfinale in Nordrhein-Westfalen. Leicht sei es ihm nicht gefallen, dorthin zu fahren und vor Fotografen und Kamerateams zu grillen, so Schmitt. Dabei reichte es zum geteilten zweiten Platz. Besonders schön sei gewesen, dass er nach seiner Berufsunfähigkeit infolge des Schlaganfalls auf diese Weise eine neue Bestätigung gefunden habe, erzählt der gelernte Industriekaufmann. So entwickelte sich das neue Hobby. In der Zwischenzeit hat Schmitt an weiteren Wettbewerben teilgenommen. Sein Vorschlag für eine gefüllte Poularde ohne Knochen hat es sogar in ein Kochbuch von Starkoch Eckart Witzigmann geschafft, das im Herbst erscheinen soll. Sein Kartoffelsalat belegte national Platz acht unter 3924 Einsendungen.

Seine Rezepte entwickelt Robert Schmitt selbst. Bei den Wettbewerben gehe es ihm nicht primär ums Siegen. Das Kochen sei vielmehr auch eine Art von Therapie. "Nach seinem Schlaganfall musste er viel wieder neu lernen, gerade auch im Bezug auf die Feinmotorik", sagt seine Frau. Hinzu kommt, dass Schmitt Konzentrationsprobleme hat. Er darf auch nicht mehr Auto fahren, weil er, wie er selbst sagt, nicht mehr fähig ist, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Das Kochen hilft. "Ich lerne dabei, mich intensiv auf etwas zu konzentrieren", so Schmitt. "Man hat richtig gemerkt, dass es ihm deutlich besser ging, als er mit dem Kochen angefangen hatte", bestätigt Frau Patricia.

In den Genuss der Kreationen kommen vor allem die 15-jährige Tochter und der gesamte Freundeskreis der Familie. Mittlerweile hat Schmitt sein Repertoire erweitert. Er habe mit selbst gemachten Pralinen experimentiert und mit dem Backen angefangen - neueste Errungenschaft: ein Pizzastein für eines der vier Grillgeräte im Garten. "Man muss schon ein bisschen verrückt sein", gibt Schmitt augenzwinkernd zu, aber es helfe ihm und er beschäftige sich fast täglich ausgiebig mit der Materie - und das trotz seines schweren Schlaganfalls. "Man muss schon ein bisschen verrückt sein."

Robert Schmitt

Meinung

Kochen als

Therapieform

Von SZ-RedakteurOliver Spettel

Schlaganfall-Patienten brauchen Förderung. Es gehört zu den klassischen Folgen der Erkrankung, dass Betroffene viele Dinge des täglichen Lebens erst mühsam wieder neu erlernen müssen. Einige scheitern an dieser Situation. Sie ziehen sich zurück, geben sich auf. Robert Schmitt ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Anstatt sich in sein Schicksal zu ergeben, hat er den Weg zurück ins Leben angetreten. Nicht jeder Betroffene hat die Kraft oder das Glück, selbst aktiv werden zu können. Hier wären Programme gefragt, um betroffene Menschen noch stärker als bisher zu fördern und ihnen über Aktivitäten den Spaß am Leben zurück zu geben.

Auf einen Blick

Robert Schmitt kann auf bislang drei erfolgreiche nationale Wettbewerbe zurückblicken. Mit seinen gefüllten Hähnchenschenkelspießen ist er im Grillmeisterheft 2011 von Thüros und Einkauf aktuell vertreten. Sein Kartoffelsalat belegte bei der Firma Homann den achten Platz unter 3924 Einsendungen und bei einem Wettbewerb von Edeka schaffte er es als einziger Saarländer mit seinem Rezept für ein knochenfreies gefülltes Hähnchen in ein Kochbuch von Eckart Witzigmann. spe