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Kolumne
Matjesfilet und runzelige Zehen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Na, war am Wochenende wieder „Forest Bathing“ angesagt? Wie, kennen Sie nicht? „Forest Bathing“, ein neuer Trend aus Japan. Forest, also Wald; und Bathing, also baden. Baden im Wald, quasi. Jetzt nicht so mit Schaum in den Achseln, vom Wasser ganz runzelige  Zehen und die nassen Haare lustig in die Stirn kämmen. Von Marc Prams

„Forest Bathing“ ist mehr so eine Trockenübung. Wenn es denn nicht gerade regnet. Es geht darum, den Wald in seiner Gänze zu fühlen und zu verinnerlichen. Und zwar, indem man regelrecht in den Wald eintaucht. Also im übertragenen Sinne. Das tut man, indem man in den Wald, wie soll ich sagen, geht. Also mit den Füßen. Genau, man geht in den Wald. Ja, man spaziert regelrecht durch den Wald. Man könnte es auch Waldspaziergang nennen. Aber mal ehrlich: Wenn man mit seinen Freunden im Polo-Club bei Chia-Samen-Schnitzel und ’ner Tasse Moët zusammenhockt, kann man mit einem schnöden Waldspaziergang kaum was reißen. Prahlt man aber mit super Bodybalance dank „Forest Bathing“, wird selbst Botox-Britta neugierig die aufgepumpten Lippen spitzen. Aber derlei sprachlicher Nonsens ist ja nix Neues: Fühlt man sich nach einem Mittagsschläfchen in der Regel derart verknetscht, dass man erst am frühen Abend wieder langsam auf Touren kommt, wenn der vertrocknete Schorf vom Gaumen bröckelt, sieht das beim „Power Nap“ ganz anders aus. Da verpflichtet der Begriff einen ja quasi dazu, dass man nach dem Poofen im Saft steht wie eine Magnum-Flasche Champagner und sich so frisch fühlt wie ein Matjesfilet bei Aale-Dieter auf dem Hamburger Fischmarkt. Ja, nach so einem „Power Nap“ ist man in der Lage, Bäume auszureißen. Und bei welcher Gelegenheit kann man das wohl am besten? Na klar: beim „Forest Bathing“.