Unsere Woche : Da darf man schon mal Ellbogen ausfahren

Warum eigentlich ist der Ortsratsvorsitz in unseren Kommunen nur einmal von einer Frau besetzt?

Die Tour unserer Zeitung durch die Stadt- und Ortsteile der Region ist diese Woche zu Ende gegangen. 37 Mal hat die SZ in den sieben Kreiskommunen Station gemacht und der Vitalität der Dörfer, Städtchen und Zentren nachgespürt. Vorab sei festgehalten: Bei den kundigen und zugänglichen Gesprächspartnern (in sechs Kommunen jeweils die Ortsvorsteher, in der ortsteilfreien Kommune der Bürgermeister) sind wir nur einmal einer Frau begegnet. Lediglich ein Ortsratvorsitz ist also weiblich besetzt. Warum eigentlich?

Das Themenspektrum erstreckte sich breit. Müll etwa. Abfall aller Art bringt vielerorts Anwohner in Rage, war zu hören: wild abgeladen gerade auch an Containerplätzen, oft in der Nacht, keine rechtliche Handhabe der Überwachung, fehlende politische Unterstützung, Lärm, Gestank. Handlungsbedarf ganz offensichtlich.

Überall die Erkenntnis: Der Ort muss sich attraktiv machen, um Menschen zu halten, anzuziehen. Menschen überlegen, wenn sie sich niederlassen: Ist das da, was ich brauche und möchte? Die Kleinen wissen: Attraktiv sein über Infrastruktur, Bauplätze, aktives Vereinsleben, gemeinsames Feiern ist überlebenswichtig. Eine Daueraufgabe. Diese Erkenntnis immer umzusetzen stößt schon mal an Grenzen. Es braucht Ideen, Mitstreiter und letztlich auch Euro.

Dass viele Projekte nur über Fördergelder gehen, macht das Bemühen um solche Mittel so wichtig. Nun ist bei allem Werben und Aufklären aus dem Umweltministerium dieser Förderdschungel nicht leicht zu durchdringen für die Verantwortungsträger im Dorf, im Stadtviertel. Mit der neuen Stabsstelle Dorfentwicklung im Neunkircher Rathaus verbinden sich Hoffnungen der kleinen Stadtteile der Kreisstadt. Motto: Da sitzen Leute, die sich mit Fördermitteln auskennen. Da müssen wir nicht schürfen, das tun Experten für uns. Und gemeinsam kümmern wir uns ums Umsetzen des Möglichen.

Was jetzt ein Thema ist und eines bleiben wird: das Miteinander der Ortsteile, der Stadtteile einer Kommune. Keiner darf bei Investitionen vergessen werden. Das kleine Dorf hat ein Recht, dass sich seine Menschen irgendwo treffen können, dass sie an Bus und Bahn angeschlossen sind oder dass die Nahversorgung stimmt. Man müsse schon die Ellbogen ausfahren, war da zu hören: „Jeder will was für seinen Ort.“ Gut so. Solche Prozesse brauchen intensives Abstimmen. Und auch reife Moderatoren.