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Ottweiler setzt Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen um

Nachhaltige Kommune : Ottweiler lebt „global nachhaltig“

Die Stadt ist Teil eines Landes-Projekts, das sich den Zielen der Vereinten Nationen verschreibt.

Das Wort Nachhaltigkeit hat im politischen Raum in den vergangenen Jahren derart Konjunktur, dass es schon mehr als abgegriffen klingt. Nachhaltig zu wirtschaften ist im realen Leben indes so wichtig wie nie zuvor mit Blick auf die Situation von Natur und Mensch. Auf den Weg zur „Global Nachhaltigen Kommune“ hat sich die Stadt Ottweiler gemacht. Und nach den Worten von Bürgermeister Holger Schäfer entdeckt, dass die Kommune schon viel unternimmt.

17 Nachhaltigkeitsziele haben die Vereinten Nationen  2015 verabschiedet. Sie reichen von Armuts- und Hungerbekämpfung über Bildung, Gleichberechtigung, Klima- und Meeresschutz bis hin zu friedlichem und inklusivem Leben. Zur Teilnahme an dem daraus abgeleiteten Landesprojekt „Global Nachhaltige Kommunen im Saarland“ hat das Umweltministerium 2017 aufgerufen, erläutert Bürgermeister Holger Schäfer (CDU). Wie für die Kreis-Verwaltung und die Gemeinde Eppelborn gab es auch für die Stadt Ottweiler einen Zuschlag. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Projektpartner ist das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (Ifas) gemeinsam mit der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“. Beide beraten Ottweiler zu verschiedenen Themenfeldern. Die Stadt hat auch ein eigenes Gremium gebildet. Schäfer: „Der Rat setzt sich aus Bürgern der Stadt zusammen. Er ist nicht politisch.“

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftige Ottweiler schon lange, sagt der Rathauschef. Bereits 1999, als der Begriff noch nicht en vogue war, sei Ottweiler Klimaschutzgemeinde gewesen. Daraus habe sich nachhaltiges Denken entwickelt. Der Wunsch, an dem aktuellen Landesprojekt teilzunehmen, sei in der Verwaltung entstanden. Christoph Hassel vom Umweltamt ist dafür zuständig. Aktuell überlege die Verwaltung, ob sie einen Klimaschutzmanager anstelle. Sie hat sich auf den Weg zur Fair-Trade-Kommune gemacht, möchte ein Quartierkonzept für die Altstadt erstellen, Umweltbildung in die Schulen bringen (Kinderklima-Konferenz), gemeinsam mit dem Wasserversorger Trinkwasserpumpen optimieren, den Ausbau grüner Energie vorantreiben.

Das Thema werde schnell auf Umweltschutz verengt, sagt Schäfer. Im Prozess der aktuellen Kampagne habe er in der Zusammenarbeit mit Ifas gesehen, wie breit das Spektrum hingegen ist. Schäfer: „Das war ein Augenöffner für uns.“ Unter anderem gehört zum Projekt, mit einer Kommune in einem weniger entwickelten Land zusammenzuarbeiten. Ottweiler hat die Stadt Belén in Costa Rica, Mittelamerika, zum Partner. Schäfer und Hassel haben die Stadt besucht, eine Abordnung war im Saarland. Die Lebenssituation sei in Belén eine ganz andere, erläutert Schäfer. Das Gefälle zwischen Arm und Reich sei immens, Arbeitslosigkeit und Kriminalität hoch. Ziel ist es, nachhaltige Ideen mitzufinanzieren. Der Bund zahle dabei 90 Prozent. Vorteil zur früheren Entwicklungshilfe: Die Projekte laufen auf kommunaler Ebene. „Es geht um Verantwortung vor Ort, nicht um Besserwisserei“, sagt der Verwaltungschef. Ottweiler unterstütze ein soziales Projekt in der Partnerstadt, das Kinder und Jugendliche aus konfliktträchtigen Familien herausholt mit sportlichen Angeboten. Dazu benötige die Verwaltung Beléns einen Bus. Dessen Beschaffung steht gerade auf dem Plan. Wobei dies einfacher klinge, als es sei. Rathaus-Mitarbeiter Hassel habe sich in die Antragstellung eingearbeitet über mehrere „Webinare“, also Seminare im Internet. Die Bürokratie grüßt.

Und auch Ottweiler profitiert finanziell. Neben einem Preisgeld von 5000 Euro stammten auch 200 000 Euro für die neue Kompostieranlage der Stadt aus den entsprechenden Fördertöpfen, erklärt der Bürgermeister, wie nachhaltig das Unterfangen für die Stadt ist.