Meinung: Argumente, die an Satire grenzen

Meinung : Argumente, die an Satire grenzen

So kann man mit Industriekultur auch umgehen: Man reißt sie einfach ab. Nicht heimlich, aber dennoch sieht man zu, dass möglichst wenig Wind im Vorfeld gemacht wird. Bis alles in trockenen Tüchern ist.

Wie im Falle des Gasometers. Erst Fakten schaffen, dann auf kleiner Flamme die Bürger informieren. Selbstverständlich ist der Gasometer ein Wahrzeichen der Stadt, selbstverständlich wird er von vielen Neunkirchern als Industriedenkmal betrachtet, und selbstverständlich ist er von historischer Relevanz, selbst wenn er erst knapp 50 Lenze zählt. Bei der Stadt Neunkirchen sieht man das alles etwas anders. Als die Pläne für den Globusbau vorgelegt wurden, war vom Gasometer einfach nichts mehr zu sehen. Sogar Stadtratsfraktionen wie CDU und Grüne zeigten sich überrascht darüber. Gut, Globus möchte dort bauen, Saarstahl will eh eine Alternative zum Gasometer – da war man sich schnell einig. Das ist Business. Dass aber die Stadt Neunkirchen dies ohne zu murren zulässt, verwundert schon. Verwundert den Kopf schütteln muss man auch über die stellenweise absurd klingende Argumentation, mit der der Abriss gerechtfertigt wird. Seit 50 Jahren steht das Ding da, und jetzt auf einmal ist die Rede von Gefahrenpotenzial. Der Rückbau bedeute mehr Sicherheit für die Stadt. So etwas kann man sich nicht mal als Satire ausdenken. Und dann wird das Argument der Argumente hervorgekramt, mit dem jeder Miesmacher bei jeder Gelegenheit um die Ecke kommt: Hätten wir Geld, um den Gasometer zu bespielen, würden wir es lieber in Kitas und Schulen stecken. Geht es etwa um die Bliesterrassen oder den neuen Brunnen auf dem Stummplatz, wehrt man sich vonseiten der Stadt zurecht gegen derlei einfältige Argumentation. Im Falle des Gasometers aber scheint sie nun zu greifen. Nun ja. Wenn der blaue Zylinder aus dem Stadtbild verschwindet, wird das vielen in der Seele weh tun. Aber nicht allen. Saarstahl, Globus und der Stadtverwaltung zum Beispiel nicht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung