Eine Kolumne von Marc Prams über Rasenmäher

Kolumne : Mit sechs PS durch den Sauerampfer

Es gibt Freizeitbeschäftigungen, die erfüllen den Menschen mit Glück, weil mit ihnen Gefahr verbunden ist. Noch. Denn ihre Zeit geht zu Ende. Also die solcher Freizeitaktivitäten, nicht die der Menschen . . .

Der berauschende Geruch von Benzin, das Heulen des Motors, enge Kurven, waghalsige Manöver und das Wissen um die allgegenwärtige Gefahr, die zwischen Mensch und Maschine herrscht. Ja, Rasenmähen ist Gartenarbeit auf der Überholspur. Wo sonst finden Verbrennungsmotor und Gänseblümchen zueinander – wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde? Wo sonst treibt es einem beim Umkurven des frisch gepflanzten Rhododendron den Angstschweiß auf die Stirn, droht das zarte Blümchen doch beim kleinsten Fehler niedergemetzelt zu werden – wie, na ja, wie Unkraut halt. Hier zeigt sich, wer Nerven hat: Auf Nummer Sicher gehen und drei Halme stehen lassen, oder ohne Tempolimit volles Risiko, für den perfekten Schnitt? Leben auf des Rasenmähermessers Schneide. Sicher, man kann auf die vier bis neun PS verzichten und mit dem Elektromäher den Rasen auf Länge, oder eher Kürze bringen. Mit Kabel. Ihn an die Leine nehmen, quasi. Gassi gehen statt Garten-Rallye. Aber es geht noch schlimmer, denn diese vor Testosteron triefende Bastion kernige Freizeitbeschäftigung bröckelt gewaltig. Statt sich der Gefahr auszusetzen, neben Sauerklee und Brennnessel auch mal ein, zwei Zehen zu stutzen, greifen immer mehr Gartenbesitzer zum Roboter. Kleine, vor sich hin surrende Plastikschachteln, die im Garten umherschleichen wie Nacktschnecken durch den Kopfsalat. Langweiliger geht es nicht mehr. Bloß: Was machen mit der vielen Zeit, die man nun hat? Schwenken? Pfffffff! Auch das war mal ein Akt, der mit Holzhacken, Feuer machen, Flossen verbrennen, in die Wade schneiden und allem Pipapo ganze Nachmittage in Anspruch genommen hat. Und heute: Knöpfchen an am 2400-Euro-Edelstahl-Elektrogrill, Temperatur einstellen, Nackensteak drauf und fertig. Also warum nicht mal auf die Hollywood-Schaukel pflanzen, Fluppe zwischen die Lippen, Streichholz an und gemütlich eine qualmen? Von wegen. Sogar das macht man heute mit elektrischen Fluppen, in denen Lithium-Ionen-Akkus eine nach Sauerampfer-Lakritze müffelnde Plörre anheizen und angeblich nicht mal der Gesundheit schaden. Wo bleibt denn da die Action? Der Thrill? Der Spaß? Und wo führt das hin? Zur Helmpflicht beim Unkraut jäten? Bis es so weit ist empfehle ich: Benziner an, Kippe rein und den Schwenker schön mit Flip-Flops anstoßen. So geht Rock ’N’ Roll im Schrebergarten.

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