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Giftalarm löst Großeinsatz aus
Schock am Morgen – Brief löst Großeinsatz aus

Von einem normalen Arbeitstag konnte man gestern im Illinger Rathaus nicht sprechen.
Von einem normalen Arbeitstag konnte man gestern im Illinger Rathaus nicht sprechen. FOTO: Heike Jungmann
Illingen. Verdächtiges Pulver sorgt für Aufregung im Rathaus. Nach vier Stunden Entwarnung. König dankt Einsatzkräften. Von Heike Jungmann

Welch ein Schreckmoment für die Sekretärin von Illingens Bürgermeister Armin König: Als sie am Mittwochmorgen gegen zehn Uhr wie üblich die Post öffnet, rieselt aus einem Brief ein weißes Pulver. Später wird König, der zu diesem Zeitpunkt wegen Krankheit zu Hause war, berichten, wie besonnen seine Mitarbeiter daraufhin reagierten. Seine Sekretärin, der etwas von dem Pulver auf die Hand gerieselt sei, sei in Begleitung zum Arzt in eine nahe liegende Praxis gegangen. Dort wird sie mit zwei weiteren Mitarbeitern die nächsten vier Stunden in Quarantäne bleiben müssen. Per Notruf wird ein Gefahrgut-Einsatz ausgelöst.



Als vor dem Rathaus die Sirenen ertönen und ein Riesenaufgebot an Feuerwehrautos, Polizei und Rettungsdienst zu sehen ist, verbreiten sich auf den Fluren des Verwaltungsgebäudes in Windeseile die Meldung. Hubert Beyer vom Personalservice ist einer der ersten, der Genaueres erfährt. „Als wir dann hörten, dass es sich vielleicht um einen Brief mit giftigem Inhalt handelt, waren wir geschockt und überrascht“, erzählt Oliver Braue. Man habe immer gehofft, von so etwas verschont zu bleiben, sagt der Leiter der Illinger Bauverwaltung. Aber anscheinend müsse man heutzutage mit allem rechnen. Mit dem Schlimmsten rechneten auch die Einsatzkräfte. „Wir mussten davon ausgehen, dass die Substanz gefährlich ist“, berichtet Polizeihauptkommissar Jörg Hiry. Der Leiter der PI Illingen, die nur wenige Hundert Meter entfernt ihren Sitz hat, leitet den Großeinsatz vor Ort. Die Rathausstraße ist für rund vier Stunden gesperrt, das Rathaus entsprechend gesichert. „Alles ist hoch professionell abgelaufen“, zeigt sich Jörg Hiry mit dem Prozedere zufrieden. „Feuerwehr und Polizei machen einen guten Job“, findet auch der Leiter des Kreisgesundheitsamtes Oliver Schöne. Der Arzt ist in beratender Funktion vor Ort. Er kann um die Mittagszeit berichten, dass eine radioaktive Substanz ausgeschlossen werden könne. Ob es sich um Sprengstoff oder gar einen biologisch-chemischen Stoff, der gefährlich sein könnte, handele, müsse noch geprüft werden. „Man muss die Sache ernst nehmen, bis man endgültig Bescheid weiß.“

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr bleiben in Alarmbereitschaft, werden zur Mittagszeit mit Lyoner und Getränken versorgt. Für den stellvertretenden Wehrführer Sven Haben und seine Kollegen ist es der erste Einsatz dieser Art. Alle machen einen ruhigen, besonnenen Eindruck. Geduld ist gefragt, bis die verdächtige Substanz aus dem Brief gründlich und mit den entsprechenden Sicherungsmaßnahmen untersucht worden ist.

Vom Landespräsidium in Saarbrücken werden Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst angefordert. Diese geben gegen 14 Uhr endgültig Entwarnung. Polizeisprecher Stephan Laßotta informiert unsere Zeitung, dass ein Schnelltest keinen gefährlichen Stoff ergeben habe. Das Schreiben, das an den Bürgermeister gerichtet gewesen war, hatte „beleidigenden Inhalt.“ Alles Weitere prüfe nun der Staatsschutz, der in solchen Fällen eingeschaltet werde. Die Einsatzkräfte können abziehen. Die Sekretärin, die das Schreiben geöffnet hatte und zwei weitere Mitarbeiter des Rathauses können endlich aus der Quarantäne entlassen werden und nach Hause.

Bürgermeister Armin König ist erleichtert, via Facebook verrät er am Nachmittag, dass ihm „ein Stein vom Herzen falle.“ Er danke allen Einsatzkräften für den professionellen, souveränen Einsatz. Sein Appell an die Bevölkerung: „Sollten Sie Hinweise bekommen, wer dahinter stecken könnte, informieren Sie bitte die Polizei oder auch uns im Rathaus. Manchmal prahlen Menschen ja mit Taten.“ Der Verwaltungschef ist froh, dass alles glimpflich abging. Sein Dank gilt allen Einsatzkräften für den professionellen, souveränen Einsatz. Und er betont: „Wir werden weiter mit großem Einsatz für die Menschen in der Gemeinde da sein und uns von niemandem einschüchtern lassen.“