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Stadtrat Wadern beschließt Starkregen-Entwicklungskonzept

Wadern : Die Risikobereiche sinnvoll entschärfen

Mit einem Vorsorgekonzept hat die Gemeinde Wadern auf die möglichen Folgen von Starkregen reagiert.

„Starkregenvorsorgekonzept“ heißt das Pilotprojekt, das den Städten und Gemeinden geeignete Instrumente zur Vorsorge von Hochwasser an die Hand geben soll. Dabei wurden exemplarisch drei kommunale Starkregenkonzepte in den Gemeinden Eppelborn, Sulzbach und Wadern erstellt und dann in einer vergleichenden Studie Empfehlungen für Kommunen erarbeitet. Dies ist die Konsequenz aus den Unwettern und die daraus resultierenden Überschwemmungen im Juni 2018. Die Arbeiten in der Stadt Wadern, die neben Eppelborn und Sulzbach zu den Pilotkommunen, zählt, sind mittlerweile abgeschlossen. Federführend war die Firma Geomer. Auf Empfehlung des zuständigen Ausschusses hat der Stadtrat von Wadern in seiner jüngsten Sitzung dieses Konzept einstimmig angenommen.

Unter Starkregenabfluss bezeichnen die Fachleute insbesondere Hochwasser, das bei kurzen sommerlichen Starkregen entsteht – wie bei dem Unwetter am 11. Juni vergangenen Jahres. Sturzfluten ergossen sich über Wege und Straßen, in Keller, Wohnungen und Garagen. Rund 134 Quadratkilometer haben die Experten aus Heidelberg untersucht – das Gebiet der Stadt mit rund 111 Quadratkilometern, „wobei sich kleine Teilbereiche der Randeinzugsgebiete in Rheinland-Pfalz befinden“, schreiben die Experten. „Diese mussten bei der detaillierten Abgrenzung des Untersuchungsgebietes für die Datenbeschaffung ebenfalls berücksichtigt werden“, heißt es als Begründung.

In ihrer Gefährdungsanalyse haben sie unter anderem den Niederschlagsinput aufgelistet, ein digitales Gelände aufbereitet, sind zu Ortsbegehungen aufgebrochen, haben relevante Gewässerläufe und Entwässerungsstrukturen erfasst. Unter dem Oberbegriff Starkregenkarten haben die Mitarbeiter von Geomer Karten erarbeitet, die einen Überblick über Überflutungsausdehnung, Überflutungstiefen, Fließgeschwindigkeiten- und Fließrichtungen geben. Auf einer Gefährdungsanalyse aufbauend ist es möglich, eine effektive Risikobewertung von kritischer Infrastruktur, wie beispielsweise Feuerwehr-Dienstgebäude, Polizeistellen, Kindergärten und Krankenhäusern, zu fällen, sowie Handlungskonzepte für eine Minimierung des Überflutungsrisikos zu entwickeln.

Zudem enthält die Studie Empfehlungen, wie neue Risiken vermieden und bestehende verringert werden können. „Im Stadtbereich von Wadern wurden zwei Risikobereiche identifiziert“, schreiben die Gutachter. Sie berufen sich auf ihre Modellberechnungen. „Dies sind der Stadtpark von Wadern und der Bereich der Unterstraße.“ Im Stadtpark konzentriere sich das abfließende aus den umliegenden Wohnvierteln und führe an der straßenabgewandten Gebäudereihe der Marktstraße Gebäudereihe der Marktstraße zu erheblichen Überflutungstiefen.

„Der einzige Abfluss im Waderner Stadtpark geschieht über eine Leitung im Stadtparkbereich mit einem Rohrdurchmesser von 300 Millimetern. Dieser Durchmesser kann jedoch nicht ohne erheblichen Kostenaufwand erweitert werden, da der Abfluss unter den Gebäuden hindurchführt und erst dann – im Bereich der Unterstraße – ins städtische Kanalsystem mündet.“ Realistisch sei, möglichst viel Wasser möglichst lange in der Fläche zu halten.

Als Folge des Klimawandels wird seitens der Gutachter erwartet, dass die Extremsituationen und somit auch die Starkregenereignisse zunehmen. Besonders auch die Kombination von Trockenphasen mit anschließenden konvektiven Niederschlägen erzeugen extreme Abflüsse.

Aufgrund der geringen Vorwarnzeiten und Ausdehnung von Starkregenereignissen sowie des geringen Risikobewusstseins der Kommunen und Bevölkerung ist die Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen erschwert, heißt es in dem Entwicklungskonzept. Viele lokale Starkregenereignisse in den vegangenen Jahren hätten jedoch den Menschen bewusst gemacht, dass es auch abseits von fließenden Gewässern zu Überflutungen mit enormen Schäden kommen kann.

Die Erstellung des Konzeptes wurde durch das Umweltministerium mit 80 Prozent gefördert. Von den Gesamtkosten von 90 000 Euro musste die Stadt Wadern nach Mitteilung von Bürgermeister Jochen Kuttler einen Eigenanteil von knapp 18 000 Euro tragen. Offen geblieben ist in dem Konzept noch die Frage, in welcher Form die gewonnenen Erkenntnisse den Bürgern zugänglich gemacht werden sollen.