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Obst- und Gartenbauvereine wollen Pflege der Streuobstwiesen intensivieren

Löstertal : Misteln setzen den Obstbäumen böse zu

Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine will Zustand der Streuobstwiesen mit gezielten Pflege-Maßnahmen verbessern.

Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr galt es vor wenigen Tagen für interessierte Obst- und Gartenbauer des Grünen Landkreises, wiederum die Ärmel hochzukrempeln für die Aktion des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. „Wir packen an: Für die Zukunft von Streuobstwiesen“ – zu diesem Aktionstag hatte auch der Kreisverband Merzig-Wadern mit seinem Vorsitzenden Alois Engeldinger auf eine Streuobstwiese im Löstertal eingeladen. Gastgeber war der dortige Obst- und Gartenbauverein mit Vorsitzendem Manfred Rappold. Mit Roland Krämer weilte der Umweltstaatssekretär in besonderer Mission vor Ort (siehe weiterer Text). Auch wenn Petrus für einen leichten Nieselregen seine Himmelspforten geöffnet hatte, war das Interesse bei den Obstwiesenbesitzern recht ordentlich.

„Zur Erhaltung unserer Streuobstwiesen ist eines unserer Hauptanliegen, auf den sehr schlechten Pflegezustand aufmerksam zu machen“, sagte Engeldinger. Denn den Verfall dieses in vielerlei Hinsicht wichtigen Kulturgutes gelte es zu stoppen. Der Kreisvorsitzende: „Von daher wollen wir die Pflege der Obstwiesen und Bäume in den Mittelpunkt rücken und vornehmlich den Misteln, die einen großen Anteil am Verfall haben, zu Leibe rücken.“

Engeldinger wies darauf hin, dass die Mistel in den letzten Jahren den Bäumen arg zugesetzt habe. Das sei einerseits auf zu wenig Pflege zurückzuführen, aber auch auf viele Zugvogelarten, die aufgrund eines milden Winters länger in der Region bleiben, denn durch sie werde die Mistel von Baum zu Baum übertragen. Die Mistel ist ein Halbschmarotzer. Sie dringt in den Ast ein und entzieht dem Wirtsbaum unter anderem das Wasser und schwächt den Baum bis zum Absterben.

Zugleich räumte Engeldinger ein Vorurteil vieler Naturfreunde aus dem Weg. Die Mistel steht nicht unter Naturschutz, sie darf, ja muss entfernt werden. Und: Bäume, die nur noch aus Misteln bestehen, sollten unbedingt durch Jungbäume ersetzt werden. Die Ausbreitung der Mistel müsse eingedämmt werden, da sonst neu gepflanzte Bäume wohl nicht alt würden, weil sie schon in jungen Jahren mit Misteln befallen werden. Nach diesen einführenden Worten wurde kräftig in die Hände gespuckt und mit den entsprechenden Sägen ging es den Misteln an den Kragen. Hierbei stellte Engeldinger die neuen Teleskopsägen vor, von denen der Kreisverband mit Unterstützung der Staatskanzlei und der Sparkasse Merzig-Wadern zehn Exemplare beschafft und einem Teil der Vereine zur Verfügung gestellt hatte. Die Schutzausrüstung hatte seinerzeit der Kreistag bezuschusst. „Mit einer Teleskopsäge, die bis zu sechs Meter verlängert werden können, erreicht man mühe- und gefahrlos Äste über sieben Meter und kommt damit bis in die Wipfel vieler Bäume“, zählte Engeldinger die Vorzüge auf.

Viele der Obstbauern machten erste und auch gute Erfahrungen mit der neuen Säge. Worauf beim Abschneiden der Mistel besonders zu achten ist, darüber klärte Felix Ackermann vom Gartenbauverband die Obstbauern auf. „Die komplette Sekundarwurzel (ein grüner Punkt am Rande eines Schnitts, Anm. der Red.) muss komplett bis zum tragenden Ast weggeschnitten werden, denn durch den Schnitt wird deren Wachstum angeregt, und wird stärker wachsen als zuvor, also ist in zwei, drei Jahren die Mistel wieder vorhanden, aber noch viel größer und dichter“, sagte der Streuobstkoordinator des Gartenbauverbandes.

Streuobstkoordinator Felix Ackermann klärte darüber auf, auf was beim Schneiden der Misteln besonders zu beachten ist. Foto: eb

Zudem machte Ackermann noch Ausführungen zu Moosen und Flechten, welche für einen gesunden Baum wichtige Erkenntnisse liefern. Beide sind keine Bedrohung für den Baum, entziehen dem Baum keine Nährstoffe, bieten jedoch kleinen Lebewesen Platz. Flechten besitzen keine Wurzeln, nehmen ihre Nährstoffe nur aus der Luft auf. Sie sind Indikator für eine gute Luftqualität. Moose weisen darauf hin, dass Sonne und Wind fehlen, wächst von daher mehr auf der Nordseite eines Baumes. Man könne beides entfernen, so der Fachmann, müsse dann aber darauf achten, dass die Rinde des Baumes nicht beschädigt wird.