Unwetter: Kuttler: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Unwetter : Kuttler: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

() Wie ein reißender Fluss strömen die Wassermassen durch die Waderner Innenstadt. Unter dem enormen Druck der Fluten bersten die Fenster im Kellerbereich der Herbert-Klein-Halle – das Wasser ergießt  sich in den Kellerbereich.

„Das Jugendhaus ist betroffen, ebenso das Schwimmbad, in dem die Mitarbeiter nach dem Unwetter am Samstag gerade klar Schiff gemacht haben“, sagt Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler. Der enorme Wolkenbruch, der sich gestern Nachmittag über der Stadt entlädt, verwüstet den gesamten Stadtbereich. „Ich habe eine Sitzung in Eppelborn fluchartig verlassen, um der Seite der Einsatzkräfte zu stehen“, sagt der Verwaltungschef. Wie ein Sturzbach ergießt sich das Wasser über die Franz-Haas-Straße, an der die Herbert-Klein-Halle steht. Völlig überfordert ist eine Autofahrerin, die in den Fluten eingeschlossen ist. Kuttler und seine Mitarbeiter befreien sie aus ihrem Auto. Doch nicht nur in der  Kernstadt ist Land unter – auch in den übrigen Stadtteilen sieht es nach Worten von Kuttler übel aus. Ob in Morscholz  oder im Löstertal: Wassermassen wälzen sich durch die Orte, überfluten Keller und Keller, Parkplätze und Gehwege. „Auch das Gellbersch’ Haus in Buweiler hat es stark getroffen“, berichtet Kuttler. Die Höhe des Schadens vermag er noch nicht abzusehen. Doch in einem ist er sich sicher: „Die Einsatzkräfte leisten einen Superjob – routiniert und toll aufeinander abgestimmt.“

Die Waderner Feuerwehrleute und das THW arbeiten im Akkord. Doch die Masse an Einsätzen können sie nicht bewältigen. Denn neben der Stadt Wadern versinkt auch Weiskirchen in den Fluten. Angesichts der angespannten Lage im Hochwald ist ein Krisenstab in Landratsamt zusammengekommen. Sie koordinieren die Einsätze, schicken Verstärkung in den Hochwald. Am frühen Abend packen nach Darstellung von Werner Klein, Pressesprecher des Landratsamtes rund 300 Einsatzkräfte mit an. Am frühen Nachmittag spricht Klein von über 90 Einsatzersuchen in Wadern und über 30 in Weiskirchen. Ob aus Beckingen, Losheim, Merzig, Hilbringen oder Besseringen: Viele Einsatzkräfte eilen zu Hilfe. Der Hochwasserschutzzug mit Sandsäcken wird in den Hochwald beordert, unterstützt vom Wasserlöschzug, ebenso der ABC-Zug, die Malteser, das DRK vom Katastrophenschutz, die Bundeswehrfeuerwehr aus Eft-Hellendorf, das THW und Sanitäter von Maltesern und DRK. Rund 300 Einsätze haben die freiwilligen Helfer zu stemmen. Im Hochwald richten sich die Einsatzkräfte  auf eine lange Nacht ein. Denn durch die Unwetter, die sich über den Hochwald ergossen haben schwellen auch die Flüsse und Bäche an. Man rechnet damit, dass sie über die Ufer treten und weiteren Schäden anrichten.

Von gut 30 Einsätzen geht Andreas Brausch, Gemeindewehrführer von Losheim, in der Kommune aus. „Überflutete Keller, überspülte Parkplätze und Straßen“, zählt er auf. Rund 80 Leute seien im Einsatz gewesen. Während ein Teil der Einsatzkräfte in Losheim Gewehr bei Fuß stehen, eilen Brausch und andere Kameraden den Feuerwehrleuten in Weiskirchen zu Hilfe. Gleiches Bild auch in Beckingen: Fast 30 Einsätze zählt Pressesprecher Norman Bickelmann in der Gemeinde. „Von neun Löschbezirken waren sieben im Einsatz“, sagt er. Während sich die Besatzung der Wasserversorgung mit fünf Fahrzeugen in Wadern aushelfen, versuchen andere Beckinger Einsatzkräfte, die Dillinger Straße abzupumpen – eine Aufgabe, die bis in den späten Abend hinein die Leute in Atem hält. „Das Lagezentrum der Beckinger Wehr bleibt besetzt. Zur Verstärkung haben wir zwei Mann vom THW dabei“, sagt Bickelmann.

Immense Schäden verursachten die Überflutungen an der Stadthalle Wadern. Eine Seitenwand  stürzte durch den Druck der Wassermassen ein. Foto: Ruppenthal
Die Kanäle bewältigten die Wassermassen nicht. Foto: Ruppenthal

Derweil hat Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler für heute morgen eine Krisensitzung anberaumt. „Doch gegen diese Wassermassen, die das Unwetter über den Hochwald entladen hat, sind wir machtlos. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

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