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Wadern: Auf den Drahtesel für mehr Routen

Wadern : Auf den Drahtesel für mehr Routen

Waderns Grüne starten am Sonntag eine Raddemo  für eine Verbesserung des Radwegenetzes.

Mit einer Fahrraddemo an diesem Sonntag, 10. Juni, will sich der Stadtverband der Grünen in Wadern für eine Verbesserung des Radwegenetzes in der Hochwaldstadt stark machen. Zugleich appellieren Ute Lessel und Peter Rohles als Vertreter der Grünen-Stadtverbandes in einem offenen Brief an den Waderner Bürgermeister Jochen Kuttler, ihr Anliegen nach Kräften zu unterstützen.

„Mit einigem Wohlwollen haben wir das Angebot von Bürgermeister Jochen Kuttler an uns Grüne zur Kenntnis genommen, den weiteren Ausbau des touristischen Radwegenetzes im Bereich der Stadt Wadern gemeinsam voran zu bringen. Nichts sollte unversucht bleiben, den Rückstand der Stadt auf diesem Gebiet endlich aufzuholen“, heißt es darin.

Allerdings werfen die Grünen-Vertreter dem Verwaltungschef auch Versäumnisse bei diesem Thema vor: „Denn faktisch ist in den Jahren seit seinem Amtsantritt 2014 in Sachen Radwegenetz nichts passiert.“ Die Grünen-Vertreter stützen ihre Kritik an Kuttler auf mehrere Punkte, die sie in ihrem Schreiben anführen. „Fast genau vor acht Jahren  – am 2. Juni 2010 – standen wir zusammen mit ihm, dem damaligen Nunkircher Ortsvorsteher, und dem Staatssekretär im Verkehrsministerium Dieter Grünewald an der Stelle, wo das auf der alten Eisenbahntrasse verlaufende, gerade fertiggestellte Teilstück des Radweges von Niederlosheim nach Nunkirchen bei Münchweiler quasi im Nichts endete.“ Der Staatssekretär habe sie seinerzeit beruhigt und versprochen, in wenigen Monaten würde das Reststück ebenfalls fertiggestellt. „Seitdem ist auf dem Gebiet der Stadt Wadern kein einziger Meter Radweg neu gebaut worden“, so Rohles und Lessel. Alle zuständigen Stellen würden den Stillstand in dieser Sache mit der Weigerung der Anwohner entschuldigen, dem Ausbau der ehemaligen Bahntrasse zwischen ihren Häusern zum Radweg zuzustimmen. „Unabhängig von dieser Zustimmung zu einer reiz- und sinnvollen innerörtlichen Fortführung wäre es vorrangig erforderlich gewesen, die gefährliche, einen Kilometer lange Lücke zwischen Münchweiler und dem Ortseingang Nunkirchen umgehend zu schließen und verkehrsgerecht und sicher an die Landstraße anzubinden“. Es sei nicht zu verstehen, warum dies in acht Jahren nicht möglich war.

Ein weiterer Kritikpunkt der Waderner Grünen: „Vor mehr als drei Jahren haben wir einen detaillierten Verkehrswegeplan – mit den dringlichsten Radwegestrecken - an die Verwaltung herangetragen.“ Sichtbare Reaktionen habe es nicht gegeben. Bereits Ende der 80er Jahre habe zudem der BUND Wadern einen Radwegeplan für das Stadtgebiet vorgelegt, der die wichtigsten Streckenabschnitte auflistete, „unter anderem  einen straßenbegleitenden Radweg von Wadern nach dem Löstertal oder die Fortführung des Radweges von Bardenbach nach Nunkirchen“. Genau diese Strecken seien jetzt die, die vom Waderner Rathauschef in die Diskussion gebracht worden seien – aus Sicht der Grünen somit „alte Hüte“. Wobei sie einräumen: „Mit gewissem Recht sieht er die Verantwortung für den langjährigen Stillstand beim Land und dem Landesbetrieb für Straßenbau (LfS), die für die überörtlichen Radwege entlang der Land- und Bundesstraßen zuständig sind.“ Aus allen Teilen des Landes werde nach Darstellung von Rohles und Lessel „von der Tatenlosigkeit der Waderner Verkehrsministerin Anke Rehlinger in Sachen Radinfrastruktur berichtet“. Zwar werbe diese gerne medienwirksam für den Alltagsradverkehr und behaupte, den Ausbau des Radwegenetzes im Saarland voranzutreiben, versäume es aber schon seit Jahren, die vorhandenen Mittel aus dem Bundesverkehrswegeplan abzurufen. „Wir fordern die Ministerin auf, nicht nur in den Landstraßen die Löcher, sondern im Radwegenetz die langen Lücken zu schließen“. Unverzüglich müsse Rehlinger alle vorhandenen Kapazitäten und Gelder  in den für das Nordsaarland wichtigen touristischen Radverkehr investieren.

Von Seiten der Stadt Wadern indes tue sich endlich faktisch etwas, konstatieren die Grünen-Vertreter: „Sie hat die Planung des Teilstücks zwischen Münchweiler und Nunkirchen in die eigene Hand genommen hat, wenngleich mit der Fertigstellung frühestens in 2020 zu rechnen ist.“ Eine sinnvolle Investition in den touristischen Radverkehr seien auch die zwei geplanten Ladestationen für E-Bikes am Marktplatz und am Noswendeler See. „Dennoch erwarten wir noch ein wenig mehr Engagement dabei, sowohl den touristischen als auch den alltäglichen Radverkehr innerhalb der Orte sicherer zu machen, zum Beispiel durch Radspuren auf den Durchgangsstraßen und eine bessere Anbindung der vorhandenen Radwege.“ Die Grünen sind nach eigenem Bekunden „Lethargie und Stillstand“ leid. Deshalb nehmen sie den zehnten Jahrestag der Gründung ihres Stadtverbandes zum Anlass nehmen, mit ihren Rädern – gut abgesichert – einige neuralgische Streckenabschnitte  zu befahren.