Unwetter: Unwetter setzen Hochwald unter Wasser

Unwetter : Unwetter setzen Hochwald unter Wasser

Schwere Schäden durch Unwetter insbesondere in Wadern, Weiskirchen und Losheim. Hilfskräfte waren am Montag im Dauereinsatz.

Im Fernsehen schaffte es die Unwetterwarnung gerade noch – da verabschiedete sich prompt die Stromversorgung im heimischen Weiskirchen und damit auch das TV-Bild. Als Journalist ist man ja von Natur aus neugierig – und der Blick nach draußen verhieß nichts Gutes. Starkregen, dass es nur so prasselte. Also rein in die Wachsjacke und per Auto ab zur Freiwilligen Feuerwehr in Weiskirchen. Dort war alles vertreten, was die Wehruniform trägt. „Fahr‘ mal raus nach Thailen – da ist es gerade am schlimmsten“, lautete der Rat eines Feuerwehrmannes.

Rund um die Straße „Am Dorf“ sprudelte es bei der Ankunft in Thailen schon heftig aus den Gullis. Wassermassen überspülten den Asphalt. Vor einem Feuerwehrfahrzeug mit flackerndem Blaulicht sprang ich aus dem Auto – und schnell wieder rein. Ohne die Gummistiefel, die der passionierte Jäger immer im Kofferraum mitführt, ging da gar nichts. So folgte ich einem Schlauch der Feuerwehr direkt in den Keller eines Hauses. Die leidgeprüften Bewohner gaben gerade ihr Bestes, um der eingedrungenen Wassermassen Herr zu werden, während eine Wehrpumpe brummte. „Bis hierhin stand gerade das Wasser“, versicherte eine Frau, „so was habe ich hier noch nie erlebt!“

Dass es trotzdem noch schlimmer kommen konnte, wurde mir schnell klar, als mir bei der Fahrt nach Wadern Feuerwehr- und THW-Fahrzeuge die Weiterfahrt ins Zentrum versperrten. In der Wache der Freiwilligen Feuerwehr Wadern nahm sich Wehrführer Markus Linnig die Zeit, mir einen kurzen Überblick über die problematische Lage in und um Wadern zu verschaffen. Er berichtete von Wasserstandsmeldungen, die an die 300 Wehrmänner und Kräfte der Malteser sowie des THW in Atem hielten. Auf einer Karte zeigte mir der Wehrführer die vier Einsatzabschnitte, auf die sich die Einsatzkräfte konzentrieren mussten.

Da war unter anderem von Menschen die Rede, die von den Hilfskräften in Löstertal aus dem Obergeschoss eines Hauses gerettet werden mussten, nachdem das Erdgeschoss bereits völlig überflutet war. In Wandern selbst mussten Pkw-Insassen aus ihren Fahrzeugen befreit werden, die vom Wasser eingeschlossen waren. In der Stadthalle war, so die Schilderung von Linnig, eine Mauer von den Wassermassen eingedrückt worden. Selbst die beiden Schwimmbäder hatte der Starkregen komplett unter Wasser gesetzt.

Aber bei aller Hektik gewann ich den Eindruck, dass die Wehrmänner alles mit Übersicht und effektiv im Griff hatten. Hier wurde streng nach gesetzten Prioritäten gehandelt: Menschenrettung zuerst, die Beseitigung von umgestürzten Bäumen wurde zwischendurch erledigt – und das vielfache Auspumpen vollgelaufener Keller nicht vergessen. Neben Wadern selbst waren die Rettungskräfte in Morscholz, Löstertal und Bardenbach im Dauereinsatz.

Als der Regen mal etwas nachließ, machte ich mich in Stiefeln und mit Wachsjacke auf dem Fußweg – anders war’s gar nicht möglich – auf in Richtung Haco. Wo sonst die Autos über den Asphalt rollen, suchten sich die Wassermassen ihren Weg. Immer wieder sorgten herausgerissene Asphaltbrocken für kleine Strudel in der Flut. Plötzlich rauschte ein Feuerwehrauto mit Blaulicht an mir vorbei. Die von ihm verursachte Flutwelle ließ das Wasser sogar in meine Stiefel schwappen. An einer Ampelkreuzung verrichteten die Rot- und Grünsignale in einer beachtlichen Seenlandschaft unverdrossen ihren – sinnlosen – Dienst.

Im Haco wurde schon wieder fleißig gewischt, um die Folgen des Unwetters in den Griff zu bekommen. Eine ältere Dame fragte mich etwas hilflos: „Wie komme ich denn jetzt wieder von hier weg nach Hause?“ Ein derartiges Unwetter mit diesen Wassermassen habe sie in Wadern noch nie erlebt. Sehr viel lockerer hielt es dagegen ein junger Mann, der an mir barfuß in kurzen Hosen fröhlich planschend vorbei ging: „Was heißt hier Unwetter – auch daraus muss man das Beste machen!“

Wenig später war ich wieder in der Feuerwache. Wehrleiter Linnig zog bereits eine erste Bilanz: „Wir haben jetzt hoffentlich das Schlimmste abgearbeitet.“ Neben den noch anstehenden Restarbeiten konzentriere sich die Wehr jetzt bereits auf erste Präventivmaßnahmen, um auch für mögliche weitere Regenmassen nach Möglichkeit gerüstet und vorbereitet zu sein. Er bedankte sich bereits zu diesem relativ frühen Zeitpunkt bei allen Kameraden und den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihre tatkräftige Unterstützung.

Zurück in Weiskirchen meldete sich dann der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde, Jürgen Barth. Über 100 Einsätze hätten seine Kameraden in den vergangenen Stunden geleistet. Unterstützt wurden sie (acht Fahrzeuge und 37 Wehrleute) von den Wehren Losheim (fünf Fahrzeuge, 21 Mann) und Merzig (sechs Autos/ 29 Mann) sowie den Mitarbeitern des Bauhofes. Die meisten Einsätze seien in Rappweiler angefallen – insbesondere im Bereich von Rosen-, Birken- und Fichtenstraße. Vor allem sei es dabei erforderlich gewesen, vollgelaufene Keller leer zu pumpen.

Auch der Weiskircher Wehrführer bedankte sich im SZ-Gespräch für die tatkräftige Unterstützung der benachbarten Wehren, ohne deren Hilfe man die gestrigen Unwetterfolgen kaum in den Griff bekommen hätte. Jürgen Barth: „Solche Wassermassen habe ich bisher in Weiskirchen noch nicht erlebt. Jetzt können wir nur hoffen, dass es in den nächsten Tagen ruhiger wird.“

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