1. Saarland
  2. Landespolitik

Saarland: Politikwissenschaftler erklären den Erdrutschsieg der SPD

Entscheidung vor der Haustür : Politikwissenschaftler erklären den Erdrutschsieg der SPD im Saarland

Bei der jüngsten Landtagswahl hat die SPD mit 43,5 Prozent der Stimmen eine Art Erdrutschsieg eingefahren. Zwei Politikwissenschaftler erklären, was die SPD im Wahlkampf so gut gemacht hat und warum vor allem die Gespräche an der Haustür geholfen haben.

Wenn eine Wahl ansteht, und das werden die meisten Leser*innen wohl bejahen können, erwartet die Wähler*innen ein bekanntes Bild: Plakate landauf, landab und vor jedem Einkaufszentrum ein Infostand. Eine zentrale Erkenntnis der Wahlforschung ist jedoch, dass Menschen über ihre politischen Überzeugungen mit ihrem sozialen Umfeld – also mit Familie, Freunden und Arbeitskolleg*innen – kommunizieren. Dabei werden politische Überzeugungen eher geteilt sowie übernommen, wenn persönliches Vertrauen zwischen Wähler*innen existiert. Wenn Sie also von einem guten Freund oder einer guten Freundin eine Wahlempfehlung erhalten, werden Sie diese wohl anders bewerten als eine Wahlempfehlung, die Ihnen ein*e Unbekannte*r gibt.

Politik muss in das soziale Nahfeld der Bürger kommen

Somit muss auch das Ziel der Politik sein, in das soziale Nahfeld der Bürger*innen hineinzuwirken und deren Vertrauen zu gewinnen. Doch Corona und die Pandemiepolitik haben dafür gesorgt, dass Unsicherheit bestand: darüber, wem man sich noch wie sehr nähern sollte und darüber, ob persönlicher Kontakt überhaupt gestattet sein könnte. Zur Landtagswahl im Saarland war jedoch bereits im Frühjahr klar, dass es keine harten Kontaktbeschränkungen mehr geben würde. Die Autoren dieses Beitrags haben daher untersucht, welche Potenziale ein aufsuchender Wahlkampf haben kann und den Haustürwahlkampf der SPD erforscht.

Schnell wurde klar, dass die Partei vor allem nach innen sehr gut mobilisieren konnte und, wie Damhat Sisamci, MdL, illustriert, „die PS auf die Straße gebracht hat“. Dabei war vor allem wichtig, mit großer Präsenz und flächendeckend vorzugehen. Insgesamt spricht die Partei davon, rund 90 000 saarländische Haushalte erreicht zu haben.

Bedeutung von persönlichen Gesprächen ist hoch

Gespräche wurden dabei nicht nach einer sturen Regel geführt – viele Parteien sprechen in ihren Wahlkampfleitfäden davon, maximal drei Minuten an Haustüren zu verbringen – sondern die Gespräche wurden an die Fragen der Bürger*innen angepasst. Das wiederum sendet Wertschätzung und zeigt, dass sich Parteien doch noch um die Belange der Menschen kümmern wollen.

Zwar halten die Wahlkämpfer*innen die sozialen Medien für ein wichtiges Instrument im Wahlkampf – doch schätzen sie die Potenziale und die Wirkung des Haustürwahlkampfes tendenziell höher ein. Diese Einschätzung treffen sie nicht trotz, sondern gerade wegen Corona. So sei das persönliche Gespräch mit den Bürger*innen in den letzten Jahren durch die Infektionslage und die Lockdowns nur selten möglich gewesen.

Die Bedeutung eines politischen Gesprächs mit den Kandidat*innen zur Landtagswahl sei dadurch umso höher gewesen, insbesondere für ältere sowie mobilitätseingeschränkte Menschen, für die der Besuch an der eigenen Haustür einen komfortablen Zugang zu Politik bietet.

Doch auch abseits der pandemischen Lage und der daraus entstandenen Tendenz zur Isolation halten Politikwissenschaftler*innen Haustürgespräche für ein wichtiges und effizientes Wahlkampfinstrument. So teilen wir die humoristische Einschätzung zweier Kolleg*innen: Bier ist effizienter als die sozialen Medien! Hoffen wir daher, dass nicht nur die SPD, sondern alle Parteien aufsuchende und an den Fragen der Bürger*innen orientierte Gespräche auch außerhalb von Wahlen verstetigen.

Dr. Simon Jakobs ist Politikberater und Experte für Mitgliederwerbung in Parteien. Er arbeitet mit Parteien, Gewerkschaften und Betriebsräten zusammen.

Marius Minas ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier und forscht dort mit dem Schwerpunkt Führung und Organisation von Parteien.