Mehr als eine Drittel der Delegierten fehlte beim AfD-Landesparteitag

Parteitag in Quierschied : AfD-Landeschef Dörr nutzt Parteitag zur Machtdemonstration

Beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland fehlte nach einem Boykott-Aufruf aus drei Kreisverbänden mehr als ein Drittel der Delegierten.

So viele leere Stühle hat es bei der Saar-AfD lange nicht gegeben: Wegen interner Querelen fehlten am Freitagabend beim Landesparteitag in Quierschied sämtliche Delegierten der drei Kreisverbände Merzig-Wadern, St. Wendel und Saarpfalz nach einem gemeinsamen Boykottaufruf (wir berichteten). Lediglich 51 von insgesamt 80 Delegierten sowie die Vorstandsmitglieder und einige Gäste waren dieses Mal anwesend.

Der seit vier Jahren amtierende und im letzten Februar auf zwei Jahre wiedergewählte AfD-Landesvorsitzende Josef Dörr ließ sich von den anwesenden Anhängern dennoch enthusiastisch feiern.

Gestützt auf das, wie er es nannte, „tolle Ergebnis“ der AfD-Saar bei der jüngsten Europawahl (9,6 Prozent der Stimmen) und den Kreistagswahlen im Saarland (8,6 Prozent) sagte Dörr: „Wir lassen uns von niemandem und nichts abhalten, unsere Arbeit zu machen.“ Seinen Kritikern, die zum Delegierten-Boykott des Parteitages aufgerufen hatten, hielt Dörr vor, den letzten Rest an Demokratie verspielt zu haben. Die Dörr-kritischen Kreischefs hatten vorab erklärt, auf dem Parteitag ginge es darum, die „letzten Reste von Demokratie abzuschaffen“.

Von einer Spaltung in der AfD-Saar wollte der Landesvorsitzende allerdings nicht reden. Nach seinem neunminütigen Rechenschaftsbericht ließ Dörr alle anwesenden Vorstandsmitglieder vor der Bühne der Quierschieder „Q.lisse“ (Haus der Kultur) antreten. Er wolle sehen, ob die Delegierten noch Vertrauen hätten, sagte er, und rief dann laut in den Saal: „Wollt Ihr diesen Vorstand haben?“ Ein nahezu einstimmiges lautes „Ja“ der Delegierten folgte und Dörr wurde samt Vorstand fast eine Minute lang stehend vor Deutschlandfahne mit Saarland-Wappen umjubelt.

Es werde ein kurzer Parteitag werden, hatte der AfD-Landeschef schon im Vorfeld angekündigt und im Gespräch mit der SZ bekräftigt, er wolle seine restliche Zeit als gewählter AfD-Landeschef bis 2021 durchhalten. Eine Satzungsänderung zur Einrichtung von Kreisschiedsgerichten ließ Dörr auf dem Parteitag nicht behandeln, da die Bundesgeschäftsstelle der Partei gesagt habe, es wäre nicht klug, das jetzt zu machen. Da gebe es noch Klärungsbedarf. Ein in der Tagesordnung angekündigtes Grußwort der Bundespartei auf dem Landesparteitag entfiel, da der AfD-Bundesvorstand niemand dazu entsandt hatte. Laut Dörr hat die AfD-Saar derzeit 460 Mitglieder.

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