Interview mit Max Giesinger über seine Erfahrungen im Saarland, seine Schulzeit und seine Pläne

Interview mit Max Giesinger : „Es ist gut, nie wirklich stehen zu bleiben“

Der Sänger spricht über seine Erfahrungen im Saarland, seine Schulzeit und seine Pläne. Am Freitag tritt er beim „SR Ferien Open Air“ auf.

Mit dem EM-Hit „80 Millionen“ gelang Max Giesinger 2016 sein Durchbruch. Am kommenden Freitag, 28. Juni, gehört der Pop-Musiker neben Bosse und Summer Cem zu den Top-Acts des „SR Ferien Open Air“ im Alten Bosenbachstadium in St. Wendel.

Du bist schon 2016 beim Vorgänger-Festival „Halberg Open Air“ des „SR Ferien Open Air“ aufgetreten. In der Zwischenzeit hat sich für Dich ja einiges verändert.

GIESINGER Ja, das stimmt. Seit diesen drei Jahren ist einiges passiert. Der große Durchbruch, auf den ich mein ganz Leben lang hingearbeitet habe. Und das „ SR Ferien-Open-Air“ – jetzt in St. Wendel – wird bestimmt eine schöne Sache. Das gute Wetter ist hoffentlich garantiert.

An diesem Tag beginnen für die Schüler die Sommerferien und die Zeugnisse werden verteilt. Welche Erinnerungen hast Du daran?

GIESINGER Das war für mich immer ein sehr harter Tag. Ich denke nicht gerne daran zurück. Ich hätte dieses Zeugnis am liebsten fünf Wochen vor meiner Mutter versteckt. Ich war ein schlechter Schüler. Die zehnte Klasse habe ich wiederholt. Ich bin sogar mal wegen Musik hängen geblieben, weil ich in Mathe auch furchtbar schlecht war. Aber dann habe ich mich neben die richtigen Leute gesetzt. Und dann ging es wieder bergauf.

Spielst Du eigentlich lieber in Hallen oder auf Open-Air-Bühnen?

GIESINGER Ich bin ein riesiger Sommer-Fan. Ich bin schon wieder ziemlich oft draußen. Wenn man Musik mit gutem Wetter verbinden kann, ist das einfach klasse. Und wenn das Wetter nicht mitspielt, zieht man eben eine Regenjacke an und macht trotzdem das Beste daraus. Aber wenn man bei 25 Grad in den Sonnenuntergang hineinspielen kann, ist das schon toll. Die Leute sind dann richtig gut drauf. Am Wochenende draußen zu spielen ist meiner Meinung nach das Beste für einen Musiker.

Du bist ja beruflich viel unterwegs. Hast Du diesbezüglich eine Anekdote parat?

GIESINGER Ich glaube, das war mal irgendwann im Sommer. Wir waren unterwegs in einem Tourbus. Ich bin plötzlich nachts aufgewacht und musste dringend zur Toilette. Ich bin rausgelaufen – wohlgemerkt: nachts um vier – und habe mich nicht abgemeldet. Und das muss man eigentlich. Das Abmelden ist dort eine der wenigen Regeln. Na ja, und als ich zurückkam, war der Bus weg. Ich hatte auch kein Handy. Das lag noch in meiner Kabine. Und da war natürlich das Geschrei groß. Also lief ich zur Tankstelle und fragte nach einem Telefon. Ich kannte glücklicherweise noch die Telefonnummer meines Tour-Managers. Sie fuhren daraufhin eine Schleife. Und nachdem ich 45 Minuten gefroren habe, hat man mich wieder aufgelesen.

Dein aktuelles Album „Die Reise“ ist schon wieder seit November 2018 draußen. Deine eigene, musikalische Reise geht immer kontinuierlich weiter. Arbeitest Du bereits an neuen Songs?

GIESINGER Momentan befinde ich mich im entspannteren Teil. Ich spiele viele Live-Konzerte, die sind auch meistens ausgebucht. Ich trete immer von Freitag bis Sonntag auf. In den vergangenen Jahren habe ich richtig rangeklotzt, habe nie wirklich eine Pause gemacht. Parallel zu einem gigantischen Live-Gig-Jahr 2017 haben wir auch noch eine Platte geschrieben, die 2018 produziert wurde. Daher gehe ich in diesem Jahr etwas entspannter an die Sache ran: Sport machen, am Wochenende Konzerte geben. Aber es gibt trotzdem ein paar neue Songs. Und vielleicht erscheint in diesem Jahr ja doch noch etwas.

2020 wird ja das nächste Fußball-Großereignis gefeiert. Hast Du nach Deinem EM-Hit „80 Millionen“ und der WM-Nummer „Legenden“ da wieder was geplant?

GIESINGER Ich glaube, eine Fußball-Hymne kann man nicht planen. Das hat damals ganz einfach gepasst. Ich habe das eigentlich eher aus Spaß aufgenommen. Aber es hat sich zu einem Hit entwickelt. Das war eine verrückte Zeit. Aber ich weiß nicht, ob ich da noch einmal mitmischen möchte. Ich finde, die Zeit der großen WM-Hymnen ist auch irgendwie vorbei.

Deine bisherigen drei Alben hatten alle etwas mit Bewegung im Titel zu tun. Bist Du inzwischen musikalisch dort angekommen, wo Du Dich schon immer gesehen hast?

GIESINGER Ich glaube, man kann nur temporär gesehen irgendwo musikalisch ankommen. Meine letzte Platte gefällt mir ganz gut, klassischer Deutsch-Pop eben. Es ist auch ein sehr persönliches Album. Auf der anderen Seite waren die beiden letzten Jahre sehr turbulent.
Aber ich glaube, dass ich mich nun wieder in einer anderen Phase befinde. Man feiert wieder andere Sounds, denkt über Dinge anders nach. Ich bin ja inzwischen auch schon Anfang 30. Es ist gut, nie wirklich stehen zu bleiben. Und eine 180 Grad-Wende wäre auch etwas schwierig. Hip-Hop beispielsweise würde mir niemand abkaufen. Aber Veränderung und ein gesundes Maß an Risiko sind manchmal förderlich.

Bei „The Voice Of Germany” hat nicht nur Deine eigene Karriere angefangen. In der Kids-Ausgabe der TV-Show hast Du auch schon als Juror mitgemacht. Ist da eine Fortsetzung geplant?

GIESINGER Ich habe darauf immer Bock. Das ist ein schönes Format, wo man auf viele Talente trifft. Auch bei „The Voice Kids“ ist viel Gutes entstanden, zum Beispiel Lukas Rieger und Mike Singer. Ich würde das gerne noch einmal machen. Das war eine temporäre Phase. Nun steht erst einmal das neue Album an. Das braucht Zeit. Aber wenn es eine Anfrage geben sollte, würde ich wahrscheinlich nicht absagen.

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