Ford-Spitze und Belegschaft kämpfen um Zukunft des Werks Saarlouis

Stellenabbau : Schneller Personalabbau bei Ford

Ende Juni müssen 900 Mitarbeiter das Werk Saarlouis verlassen. Zugleich steigen die Chancen, dass das Werk erhalten bleibt.

Die Signale, dass das Ford-Werk in Saarlouis auch über das Jahr 2024 hinaus eine gesicherte Zukunft hat, verdichten sich. Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann sagte am Montag in der Betriebsversammlung, dafür gebe es mittlerweile gute Anzeichen. Er selbst kämpfe auch in der Konzernzentrale in Detroit für diese Option. Dort werde registriert, dass es mit dem Umbau, auch der deutschen Standorte, vorangehe und auch die Belegschaften den Kurs mittragen. Es könne derzeit noch nicht verlässlich gesagt werden, an welchen Standorten künftig welche Modelle gebaut werden. In diese Überlegungen müsse man auch die weitere Marktentwicklung einbeziehen. Ford werde jedoch bei den neuen Technologien vorne mit dabei sein, sagte Herrmann.

Allerdings führe an weiteren Kostenreduzierungen kein Weg vorbei. Man sei insgesamt noch zu teuer. Auch habe es zu dem geplanten Personalabbau, der jetzt nach und nach an den deutschen Standorten umgesetzt wird, keine Alternative gegeben. Man könne nicht weiterhin mit der gleichen Zahl an Mitarbeitern kostendeckend produzieren. Daher müsse man den Umbau in den Ford-Werken jetzt möglichst schnell vorantreiben, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Auf diesem Weg muss auch die Belegschaft in Saarlouis eine bittere Pille schlucken. Noch in diesem Monat wird der Personalabbau beschleunigt. 900 Beschäftigte müssen gehen. Davon scheiden 500 Leiharbeiter aus, weitere 400 über Abfindungsprogramme. Der Personalabbau wird auch deshalb notwendig, weil zum gleichen Zeitpunkt die Produktion des Ford C-Max eingestellt wird. Dies war im Rahmen des Umbauprogramms am Standort Saarlouis heftig umstritten, vor allem in der Belegschaft und bei den Arbeitnehmervertretern. Mit ihrer mehrfach erhobenen Forderung, das Auto doch wenigstens in einer modernisierten Form weiterzubauen, konnten sich die Beschäftigten nicht durchsetzen. Mit dem Ende des C-Max fällt auch die dritte Schicht im Werk weg. Mit der letzten Schicht im Werk vor den Werksferien ab dem 5.Juli beginnen dann zugleich Umbauarbeiten im Werk, um sich auf die geänderten Verhältnisse einzustellen. Ab dem 29. Juli geht es dann im Zwei-Schicht-Betrieb weiter.

Markus Thal, Betriebsratsvorsitzender von Ford in Saarlouis. Foto: Ruppenthal

Auch Betriebsratschef Markus Thal ist mittlerweile davon überzeugt, dass es für das saarländische Werk auch nach dem Jahr 2024 weitergehen wird. Der Gesamtbetriebsrat aus Beschäftigten der Standorte Köln und Saarlouis sei jetzt schon dabei, gemeinsam mit der Ford-Geschäftsführung Zukunftsoptionen auszuloten. Nach Ansicht von Thal führt dabei auch an der Produktion von Fahrzeugen mit neuen Technologien kein Weg vorbei. Das könnten Elektroautos sein oder auch Hybrid-Fahrzeuge. Thal teilt allerdings die Meinung vieler Beobachter nicht, dass der Verbrennungsmotor vor einem baldigen Ende stehe. Er werde noch viele Jahre gebraucht, meint Thal. Er würde es auch begrüßen, wenn in Saarlouis künftig auch Elektroautos produziert würden. Allerdings sei dies möglicherweise nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn man wisse gegenwärtig noch nicht, ob künftig wirklich viele Menschen Elektroautos fahren wollen. Ein Problem aus Arbeitnehmersicht sei zudem, dass man zur Herstellung von Elektroautos weniger Bauteile und weniger Personal braucht. Deshalb ist für Thal die wichtigste Forderung, dass in Zukunft möglichst viele Arbeitsplätze in Saarlouis erhalten bleiben.

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