Neunkircher Orthopäde Dr. Hübner begleitet Notfallteam nach Simbabwe

Notfalleinsatz in Afrika : Malen und Singen mit Kindern in Simbabwe

Als Teil eines Notfall-Teams hat sich Dr. Michael Hübner aus Neunkirchen um Opfer des Zyklons Idai im Süden Afrikas gekümmert.

Der Neunkircher Orthopäde Dr. Michael Hübner befindet sich mit seiner Frau im Ferienhaus auf der französischen Atlantikinsel Oléron, als ihn an einem Montag im Mai der Anruf aus Karlsruhe erreicht. „Sie brauchten dringend einen Arzt, der das Notfall-Team nach Simbabwe begleitete“, sagt der 70-Jährige, hochgewachsene Mediziner. Hübner bespricht sich mit seiner Frau, dann sagt er dem Verein „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ in Karlsruhe zu. Bereits am Samstag darauf sitzt Hübner in einem Flugzeug mit sechs weiteren Helfern aus Deutschland, das sie nach Johannesburg/Südafrika bringt. Von dort geht es mit einem Anschlussflug weiter nach Harare, der Hauptstadt von Simbabwe. „Meine Aufgabe war es, mich um die Gesundheit des 15-köpfigen Teams zu kümmern“, sagt Hübner. Der Mediziner aus Neunkirchen ist bereits im Ruhestand, hatte als Orthopäde Praxen in Neunkirchen und Saarbrücken, heute behandelt er noch wenige Privatpatienten in seinem Haus und schreibt Gutachten für Sozialgerichte.

„Zwei meiner Kinder haben die Waldorfschule in Bexbach besucht. Da bin ich mit der Anthroposophie in Berührung gekommen“, erzählt Hübner. Er besuchte Arbeitskreise in Mannheim, sodass er auch als Mediziner bald auf den Pfaden Rudolf Steiners schritt. Der Vater dreier erwachsener Kinder und zweifache Großvater  war zudem von 1982 bis 1984 an einem Krankenhaus in Kapstadt/Südafrika tätig, woher seine Liebe zu dem Süden des Kontinents rührt.

Der Einsatz in Simbabwe war sein erster für die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners. Der Osten der früheren britischen Kolonie Rhodesien war im März von dem Zyklon Idai verwüstet worden, der vor allem in Mosambik  und Malawi wütete, zehntausende obdachlos machte, und ungezählte Todesopfer forderte.

In den Bergen im Osten Simbabwes war ein Jungen-Internat von einem Erdrutsch, der durch die Zyklon-Fluten ausgelöst worden war, weggerissen worden. „Zwei der Jungen starben dabei, einige wurden eingeklemmt und verschüttet. Die haben Schlimmes erleben müssen“, erklärt Hübner. Die Aufgabe der 15-köpfigen Teams mit anthroposophischen Therapeuten  aus Kenia, Simbabwe, Brasilien, Chile, Malaysia und Deutschland war es nun, sich der Traumata der Jungen  anzunehmen und diese mental zu stärken. „In Marondera im Osten Simbabwes waren die 39 Jungen inzwischen in eine christliche Missionsschule verlegt worden. Dort haben wir mit ihnen gearbeitet“, erzählt Hübner.

Dabei bekamen die Zehn- bis 16-Jährigen die Gelegenheit zu malen, zu tanzen und zu singen. „Kunst veredelt den Menschen“, betont der Neunkircher. Und es sei den Team-Mitgliedern gelungen, wieder ein Lachen in die Gesichter der Jungen, die nach der Unwetter-Katastrophe so viel Leid erfahren mussten, zu zaubern. Das sei auch ein besonderes Verdienst des 35-jährigen Musikers und Dirigenten Ravi Shankar aus Malaysia gewesen, dessen Ausstrahlung die Jungen fasziniert und mitgerissen habe.  Morgens hätten die Therapeuten mit den Kindern gearbeitet, nachmittags mit den Lehrern, die ebenso vom Untergang ihres Internats betroffen waren.

„Einige aus unserem Team wurden in den zwölf Tagen unseres Einsatzes krank, litten an Fieber und Durchfall“, sagt Hübner, der diese Fälle behandelte. Schließlich hätten sie das gleiche Essen zu sich genommen, wie die Schüler und Lehrer, nämlich „Mais-Paps“ mit Kräutern.

Auch in den Vororten von Harare, in Tafara und Mbare war das Therapeuten-Team aktiv. In einer Grundschule in Tafara, in der sich ein Lehrer um 90 Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren habe kümmern müssen, sei das Steiner-Team mit der Mal-Therapie dringend benötigt worden. „In Mbare habe ich erst Mal eine Ladung Bananen gekauft für die Kleinkinder, die sich in einer Art Verwahrstation aufhielten, während ihre Mütter zur Arbeit gingen“, berichtet Hübner.

Die Notfall-Aktion der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners, die in Karlsruhe ihren Sitz hat, werde auch finanziert von dem Netzwerk „Deutschland hilft“, so Hübner. An ihren Autos habe sich die Aufschrift „Emergency Pedagogy“ befunden.

Dabei hat der Neunkircher Arzt neben den Team-Mitgliedern auch Simbabwer behandelt. „Einer etwa 45-jährigen Lehrerin in Mbare, die unter Rheuma litt, habe ich Medikamente mitgegeben“, sagt Hübner. Und schüttelt den Kopf: Die Frau sei so dünn und zart gewesen. Sie hätte eine Reha gebraucht, aber die gebe es in Simbawe nicht.

Hübners Fazit: Es sei eine lohnende Aufgabe, den Kindern bei der Überwindung ihrer Traumata zu helfen. „Ich würde es gerne nochmal machen“, sagt der rüstige Mediziner. Viele seiner Kollegen, die noch ihre Praxen hätten, könnten nicht so kurzfristig einspringen wie er. Der nächste Anruf aus Karlsruhe dürfte also bald kommen.

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