Neuer Trend : Den Weihnachtsbaum mieten statt kaufen

In der Großregion bieten mehrere Baumschulen sattes Mietgrün für die Festtage an. Doch noch ist der Trend ein zartes Pflänzchen.

Baum aussuchen, zur Säge greifen und am Schluss steht das festliche Grün zu Weihnachten geschmückt in den eigenen vier Wänden. Das ist Tradition. Aber es geht auch anders: Einige Bäume können in Töpfen als lebender Schmuck gemietet werden. „Von einem Einwegprodukt zu einem Mehrwegprodukt“, fasst Martin Roth die Idee dahinter zusammen. Roth ist Mitarbeiter einer Mainzer Baumschule, die inzwischen im vierten Jahr Mietbäume anbietet. Werde ein Baum im Topf gut gepflegt, könne er über mehrere Jahre immer wieder den Weihnachtsschmuck tragen.

„Wenn man mit einem 80 Zentimeter großen Baum anfängt, kann der bis zu fünf Mal vermietet werden.“ Danach sei der Baum für den Topf zu groß und müsse geschlagen werden. Denn es fehle die Fläche, um alle ehemaligen Mietbäume ins Erdreich zu setzen. Das sei noch nicht das endgültige Konzept, sagt Roth. Aber es sei dennoch nachhaltiger, als nur auf geschlagene Weihnachtsbäume zu setzen.

Auch eine Baumschule im Nachbarland Luxemburg vermietet nach eigenen Angaben seit rund 30 Jahren Bäume, statt sie zu fällen, und bringt die Gewächse auch in die Region Trier. „Weil für uns ist immer noch der primäre Gedanke, den Baum zu erhalten und zu pflegen“, sagt Nicole Becker, die in dem Familienunternehmen in Steinsel arbeitet. Unter den Mietbäumen sind auch etliche „Rentner“, wie Becker die älteren Bäume selbst bezeichnet.

Bis zu fünf oder sechs Jahre lang könne das Grün immer wieder vermietet werden, erklärt Becker. „Es gibt Leute, die haben schon ein paar Jahre denselben Baum.“ Und wenn die Bäume zu groß für den Topf werden? Dann kommen sie in die Erde: „Wir haben eine Baumschule. Da stellen wir sie erst einmal hin. Nach ein paar Jahren werden sie verkauft, andere bleiben einfach da stehen.“

Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger sieht in puncto Nachhaltigkeit den Mietbaum nicht als echte Alternative zum geschlagenen Baum. „Ein Weihnachtsbaum ist kein Wegwerfartikel“, sagt ein Verbandssprecher. Vielmehr werde der Baum nach Weihnachten weiter verwendet - etwa als Wärmelieferant. Dabei werde zwar das gebundene Kohlenstoffdioxid wieder frei gesetzt. Aber: „Sie sparen andere Energieträger.“ Außerdem werde für jeden geschlagenen Baum ein neuer in den Plantagen nachgepflanzt. Weiterhin könne ein ausrangierter Weihnachtsbaum als Futter für beispielsweise Ziegen und Elefanten genutzt werden. Lande er auf dem Kompost, stehe er „Kleinstlebewesen und -organismen zur Verfügung“. Außerdem könne ein Baum im Topf nur wenige Jahre alt werden.

Deutschlandweit gibt es dem Verband zufolge derzeit nur wenige Anbieter von weihnachtlichem Mietgrün. „Bei uns ist das unter ein Prozent des gesamten Marktvolumens.“ Das Geschäft sei nicht rentabel und für die Produzenten bedeute ein Baum im Topf viel Arbeit. Denn: „Was Sie oberirdisch sehen, das müssen Sie sich unterirdisch als Wurzelwerk vorstellen.“ Das könne im Topf gar nicht in dem Maße ausgebildet werden, so dass deutlich mehr gewässert werden müsse. „Und häufig können Sie das mit größeren Bäumen gar nicht machen.“ Außerdem sei der Transport eines eingetopften Baumes recht aufwendig und der Kunde müsse ihn später so gut pflegen, dass er nach Weihnachten noch in gutem Zustand sei.

Roth bestätigt: Ein Baum im Topf sei sehr viel pflegebedürftiger als einer im Erdreich. „Und die werden auch nicht so schön ausladend breit im Topf, das geht einfach nicht.“ Trotzdem werde das Mietgrün immer mehr nachgefragt, vor allem von Firmen. Fast immer kümmerten sich die Kunden gut um die Bäume. „85 bis 90 Prozent kommen gut zurück. Man merkt, die Kunden haben sich echt Mühe gegeben.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch ein Händler gemacht, der seit vergangenem Jahr in Berlin Weihnachtsbäume zur Miete anbietet. Die meisten seien in gutem Zustand zu ihm zurückgekehrt, sagt Andreas Frädrich. Etliche Bäume seien danach erfolgreich ins Erdreich gebracht worden. Im Gegensatz zu anderen Anbietern will er nicht über mehrere Jahre das gleiche Exemplar vermieten. „Das macht keinen Sinn. Das wäre zu aufwendig.“

Sein Ziel sei es, einen zurückgegebenen Baum so bald wie möglich dauerhaft einzupflanzen. „Der geht nicht in eine Plantage für Weihnachtsbäume zurück.“ Vielmehr werde der ehemalige Mietbaum weiterverkauft und lande beispielsweise in einem Garten oder werde Teil eines Waldprojekts. „Das funktioniert wirklich sehr gut. Es sei denn, wir haben wieder so viele Trockenperioden. Aber das Problem haben auch andere“, sagt Frädrich.

(dpa)