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Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Trierer Bischof Stein

Priester systematisch versetzt : Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Trierer Bischof Stein

Missbrauchsopfer im Bistum Trier werfen dem früheren Trierer Bischof Bernhard Stein Vertuschung von Missbrauch vor. Der Historiker und Vorsitzende der Betroffenen-Initiative Missbit Thomas Schnitzler stellte in Trier Ergebnisse seiner Recherchen zur Rolle von Stein vor.

Stein (1904-1993) war von 1967 bis 1980 Bischof in Trier. Schnitzler sagte, Stein habe von verschiedenen Personen Informationen zu Missbrauch durch Priester erhalten. Anstatt Strafverfahren einzuleiten, habe der Bischof die Beschuldigten gedeckt, Priester systematisch versetzt und teilweise befördert.

Die Initiative fordert einen symbolischen Akt öffentlicher Verantwortungsübernahme. Der Bischof-Stein-Platz solle umbenannt werden. Für eine Umbenennung schlug Schnitzler „Platz der Menschenwürde“ vor.

Das Bistum Trier kündigte an, die Rolle Steins im Zuge der bistumsweiten Aufarbeitung beleuchten zu wollen. Die Aufarbeitung erfolge nach den Kriterien, die mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung vereinbarten wurden. „Vor dem Ergebnis einer solchen Aufarbeitung, für die es eine unabhängige Kommission geben wird, ist die Frage nach einer Umbenennung des Platzes verfrüht“, teilte das Bistum mit.

Schnitzlers Recherchen basieren den Angaben zufolge auf Personalakten von beschuldigten Priestern sowie Aussagen von Betroffenen. Der Historiker bezieht sich auf einen Brief des damaligen Bistumsrichters an Bischof Stein, datiert vom 23. März 1968. Darin mahnt der Leiter des kirchlichen Gerichts den Bischof, ein Verfahren gegen einen mehrfach des Missbrauchs beschuldigten Kaplan im Bistum einzuleiten. Der Richter empfahl demnach, den Kaplan zu suspendieren. In dem Schreiben heißt es: „Es erscheint mir untragbar, dass die genannten Verfehlungen ungesühnt bleiben.“

Wie und ob Bischof Stein dem Richter antwortete, ist nicht bekannt. In einem anderen Brief vom 1. Juli 1968 teilt der Bischof dem Kaplan jedoch mit, dass er ihn von Trier-Kürenz nach Bettingen in die Eifel versetze. Die beiden Briefe sind laut Schnitzler Teil der Personalakte des Kaplans, die Schnitzler als selbst Betroffener einsehen konnte.