Landgericht in Metz regelt Zukunft : Neustart für umstrittenen Zoo von Amnéville

Den Großteil der Schulden tilgt ein Pariser Investor und alle Angestellten werden übernommen: Das Landgericht in Metz hat gestern die Zukunft des zuletzt stark kritisierten Zoos von Amnéville geregelt.

Die Zukunft des krisen- und skandalgeschüttelten Zoo von Amnéville ist vorerst durch einen Neustart gesichert. Der französische Vermögensverwertungsgesellschaft Prudentia Capital wird den lothringischen Zoo zu 82 Prozent übernehmen und einen Teil der Schulden, die insgesamt 53 Millionen Euro betragen, tilgen. Außerdem sollen alle Angestellten übernommen werden. „Einer der wichtigsten französischen Zoos ist gerettet, dies ist eine exzellente Nachricht für die Ausstrahlung der gesamten Region“, teilte Roland Germain, Vorstandsvorsitzender von Prudentia Capital, gestern in einer Pressemitteilung mit.

Damit gab die Kammer für Handelssachen des Metzer Tribunal de Grande Instance einem Sanierungsplan statt, den die Zoodirektion der Kammer Mitte Dezember vorgestellt hatte. Diese Einigung wurde gestern in Metz für rechtmäßig erklärt, indem das Gericht der Änderung des Sanierungsplanes zugestimmt hat.

Der Neustart sieht außerdem vor, die bisher als Genossenschaft geführte Einrichtung in eine Handelsgesellschaft umzuwandeln. Laut des Plans verbleiben 18 Prozent dieser Handelsgesellschaft bei Gründer und Direktor Michel Louis. Dieser zeigte sich gegenüber dem „Républicain Lorrain“, der gestern zuerst über die Entscheidung des Metzer Gerichts berichtet hat, sehr zufrieden. „Es gab nur diese Lösung“, zitierte das lothringische Medium Louis, der indes gar von „einer neuen Ära“ sprach.

Einen Neustart erhofft sich auch Dominik Zwerger, Generaldirektor von Prudentia Capital: „Unser Ziel ist es, den Zoo von Metz-Amnéville wieder zu einem der meistbesuchten Europas zu machen, indem wir seine Ausstrahlungskraft, seinen Ruf und seine Besucherzahlen aufwerten“, ließ dieser mitteilen und betonte dabei die Philosophie vom „Schutz von wunderbaren Tierarten in vollkommener Harmonie mit der Natur“.

Der zweitgrößte Zoo Frankreichs verfügt über eine Sammlung von rund 2000 Tierarten und erstreckt sich über mehr als 18 Hektar. Laut dem neuen Mehrheitsaktionär zieht der 1986 von Michel Louis und Jean-Marc Vichard gegründete Zoo jährlich mehr als 600 000 Besucher an und erzielt einen Umsatz von 15 Millionen Euro.

Allerdings war die Einrichtung Anfang Dezember in die Schlagzeilen der Großregion geraten, nachdem der Radiosender France Bleu Lorraine umfangreiche Recherchen über Missstände veröffentlicht hatte. Demnach werfen ehemalige Angestellte dem Zoo eine Reihe von Vergehen vor, die von Misswirtschaft über Umweltverschmutzung bis hin zum Verstoß gegen das Tierwohl reichen.

Laut den Berichten von France Bleu Lorraine sollen unter anderem illegale Tierbestattungen auf dem Zoogelände stattgefunden haben, regelmäßig Abwasser aus Tiergehegen in den umgebenden Wald geleitet worden und finanzielle Ungereimtheiten aufgetreten sein. Die ehemaligen Angestellten berichteten im Detail auch davon, dass Eisbär Olaf nach seinem Ableben auf einer Mülldeponie entsorgt werden sollte und das Wasserbecken der Seelöwen derart stark gechlort wurde, dass sich einige der Tiere Augenerkrankungen zuzogen. In der Folge waren 120 Zoomitarbeiter vor das Arbeitsgericht gezogen.

Dominik Zwerger, Generaldirektor von Prudentia Capital, weist jedoch vor allem die Vorwürfe gegen Zoodirektor Louis zurück. „Ohne ihn gäbe es den Zoo nicht, er hat eine exzellente Kompetenz und ist eine Referenz für Tierbetreuung in Frankreich.“ Louis habe sich sehr transparent gegeben und man sei geschockt gewesen über die Berichterstattung in den Medien. „Diese Unwahrheiten sind gesteuert von einer kleinen Gruppe von ehemaligen Mitarbeitern und lokalen Unternehmern, die den Zoo in der Liquidation sehen wollten, um ihn selbst zu führen“, erklärt Zwerger. Er räumte aber auch ein, dass das Management verbessert werden müsse. Die Vermögensverwertungsgesellschaft will den Tierpark mit Louis – der nicht mehr als Generaldirektor agieren, aber Teil der Direktion bleiben soll – nun weiter modernisieren, und das finanzielle Management übernehmen.