Der Trierer Bischof Stephan Ackermann muss sich für einen Ausrutscher entschuldigen

Katholische Kirche : Bischof Ackermann muss sich entschuldigen

Der Trierer Bischof Ackermann kommt bei einer Diskussion über die Entschädigung von Missbrauchsopfern ins Plaudern – und erntet Kritik.

Bislang legte man beim Bistum Trier höchsten Wert auf die Feststellung, dass Missbrauchsopfer nicht aus Kirchensteuermitteln entschädigt werden. Jetzt sieht Bischof Stephan Ackermann plötzlich die Solidargemeinschaft in der Pflicht. „Wir zahlen doch auch für Andi Scheuers Autobahnen“, spöttelte der 56-Jährige am Sonntag bei einer Veranstaltung in der Promotionsaula des Priesterseminars (die SZ berichtete).

Was wohl witzig gemeint war und von den meisten Anwesenden laut Augenzeugen auch so aufgefasst worden sei, entwickelte eine für den Trierer Bischof heikle Dynamik, kaum dass in den ersten sozialen Netzwerken und von einem anwesenden Journalisten der Katholischen Nachrichtenagentur darüber berichtet worden war. Aus dem Aufreger entwickelte sich über Nacht ein Skandälchen, das von der bischöflichen Kommunikationschefin Judith Rupp am Ende nur noch durch eine Entschuldigung abzumildern war. „Der Vergleich war zu salopp und unpassend“, wurde Ackermann zitiert, „Menschen, die sich dadurch verletzt fühlen, bitte ich um Entschuldigung.“

Eine deutliche Äußerung des Bischofs und Missbrauchsbeauftragten. Sie fiel schon allein deshalb auf, weil Verlautbarungen aus dem Generalvikariat häufiger so verschwurbelt klingen, dass man sie mehrfach lesen muss, um eine Ahnung davon zu bekommen, was gemeint sein könnte.

Doch ein anderer verbaler Aufschlag des Trierer Bischofs steht weiter im Raum. Er sehe keine Alternative zur Zahlung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus der Kirchensteuer, wurde Stephan Ackermann aus der Diskussion in der Promotionsaula zitiert. Ein Satz, den seine Sprecherin Judith Rupp jetzt zwar ein wenig zurechtruckelte, ohne ihn allerdings zu dementieren.

Auch in ihrem Statement ist davon die Rede, dass bei der geplanten Entschädigungsneuregelung auch darüber gesprochen werde, „ob dazu Kirchensteuermittel genutzt werden können“. Auf diese Ankündigung Ackermanns hatten schon am Sonntag viele Gläubige mit Kopfschütteln reagiert. Und die teils heftige Kritik am Vorstoß des Trierer Bischofs setzte sich fort. „Inakzeptabel“, kommentierte etwa der Sprecher der Opferorganisation Missbit, Thomas Schnitzler. Sein Missbit-Kollege, der Trierer Tenor Thomas Kiessling, formulierte die Kritik auf seiner Facebookseite noch deutlicher: „Täter schützen und andere zur Kasse bitten. Unglaublich, wie der Klerus mit den Opfern umgeht.“

Einige, die sich im Internet zu Wort meldeten, kündigten an, nun endgültig aus der Kirche auszutreten. „Ich schätze mal, das wird zu weiteren Massenaustritten führen“, kommentierte der Geschäftsführer des schwul-lesbischen Trierer Zentrums Schmit-z, Alex Rollinger. Auch Kommunalpolitiker wie die Trierer CDU-Stadträtin Jutta Albrecht melden sich zu Wort. Sie werde zwar wegen der Äußerungen Ackermanns nicht aus der Kirche austreten. Doch angesichts von dessen Vergleich von Opferentschädigung und Autobahn-Maut fehlten ihr die Worte für so viel Unsensibilität.

Auch die Koblenzer Pastoralreferentin Jutta Lehnert kritisierte die Kirchensteuer-Ankündigung des Bischofs. Sie wolle „als diskriminierte Frau in der Kirche nicht für Verbrechen, die ich seit Jahren anprangere und auf deren Bearbeitung ich dränge, mit meinem erarbeiteten Geld haften“, sagte die Theologin. Es gebe da zunächst einmal die Verantwortung der noch lebenden Täter und Vertuscher, die sich mitschuldig gemacht hätten.

Das sehen die Verantwortlichen im Generalvikariat genauso. Unstrittig sei, dass immer zuerst der Täter, sofern er noch lebe, auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden müsse, sagt Bischofssprecherin Judith Rupp. Konkrete Zahlen, wie häufig und in welcher Höhe dies bisher  gelungen ist, wurden bislang aber nicht veröffentlicht.

Missbit-Sprecher Thomas Schnitzler verwies am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung erneut auf die finanziellen Möglichkeiten der karitativen Stiftungen im Bistum. Er nannte dabei die Bischof-Stein-Stiftung. Bernhard Stein war von 1967 bis 1980 Bischof von Trier. Laut Schnitzler ereigneten sich viele Missbrauchstaten in den 60er Jahren. „Stein hat Verfahren abgeblockt“, sagte der Opfervertreter bereits bei einer Diskussion im Juli; er wolle das Geld der Stiftung für Entschädigungszahlungen heranziehen.

Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche. Foto: dpa/Marius Becker

Der Trierer Bischof stellt sich derweil auf harte Auseinandersetzungen ein, wenn es beim Thema Entschädigungen abermals konkret wird. „Wir kriegen auf jeden Fall wieder Prügel – egal was wir entscheiden“, sagte Stephan Ackermann am Sonntag in der Promotionsaula.