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Landgericht Saarbrücken: Prozess um frühere Aktien-Betrug

Kurzer Auftakt am Landgericht Saarbrücken : Betrugs-Prozess gegen heutige Helexier-Führungskraft ausgesetzt

Hauptbelastungszeuge ist nicht zum Prozess-Auftakt in Saarbrücken erschienen.

Vier von fünf geladenen Zeugen, darunter der Geschädigte, sind am Donnerstag nicht zum Prozess-Auftakt vor der Fünften Großen Strafkammer des Landgerichts Saarbrücken erschienen. Dort ist eine 58-Jährige angeklagt, die im Führungskreis von „Helexier“ mitwirkt, der Käuferfirma des geschlossenen Evangelischen Krankenhauses (EvK) in Zweibrücken.

„Wegen der fehlenden Zeugen, insbesondere des Hauptbelastungszeugen (der Geschädigte), der sich derzeit im Ausland befindet, wurde das Verfahren ausgesetzt“, teilte Gerichtssprecherin Christiane Schmitt auf Merkur-Anfrage mit. Es solle aber noch in diesem Jahr erneut starten. Möglicherweise müssten dazu die Zeugen polizeilich vorgeführt werden, sagte die Juristin.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Betrug im Zusammenhang mit dem Verkauf von Aktienanteilen im sechsstelligen Euro-Bereich im Zeitraum 2015 und 2016 vor. Die Anklage hat also nichts mit der (später gegründeten) Firma Helexier zu tun, gegen die derzeit in Zweibrücken arbeits-, zivil- und wettbewerbsrechtliche Verfahren laufen (wir berichteten). Die in Heltersberg ansässige Helexier GmbH hatte das Ex-EvK im März 2020 gekauft – und versucht, darin eine „Himmelsberg Fachklinik“ zu etablieren. Bislang allerdings erfolglos, weil die für Privatkliniken notwendige behördliche Genehmigung immer noch aussteht.

Die 58-Jährige ist mehrfach öffentlich als Helexier-Sprecherin aufgetreten und lenkt die Geschicke des Unternehmens mit, ohne formell selbst Geschäftsführerin zu sein.

Nach Merkur-Informationen soll die Angeklagte Ende 2015 bis Anfang 2016 einer Sinti-Familie Anteile ihrer Immobilien-Aktiengesellschaft und ihres Immobilien-Internetportals im Wert von insgesamt einer halben Million Euro angedreht haben, obwohl ihr die Wertlosigkeit der Papiere bekannt gewesen sein soll. Das Oberhaupt des Clans soll das Geld bei Familienmitgliedern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz eingesammelt und ihr dann 550 000 Schweizer Franken in bar übergeben haben. Was die Angeklagte – für die die Unschuldsvermutung gilt – allerdings bestreitet.

Die 58-Jährige war zuletzt im November 2011 vom Landgericht Saarbrücken wegen Betrugs mit Scheinfirmen in vier Fällen zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Damals soll sie einen Amerikaner dazu gebracht haben, in mehrere laut Gericht zum Schein gegründete Unternehmen, darunter eine Kosmetik- und zwei Software-Firmen sowie ein Internetkaufhaus, insgesamt rund 1,3 Millionen Euro zu investieren.

Nach einer Teilverbüßung der Gefängnisstrafe wurde der restliche Freiheitsentzug Mitte 2015 zur Bewährung ausgesetzt. Sollten sich die jetzigen Anklage-Vorwürfe bewahrheiten, hätte die heute 58-Jährige die Sinti-Familie noch in ihrer laufenden Bewährungszeit um deren Geld gebracht. Was sich – im Fall einer Verurteilung – strafverschärfend auswirken könnte.