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Sonntagsgottesdienst in Winterbach per Videokonferenz

Sonntagsgottesdienst in Winterbach per Videokonferenz : Kirche blickt weit über den Tellerrand

Per Videokonferenz kamen bei dem Sonntagsgottesdienst in Winterbach am letzten Wochenende Christen aus Nordengland, Niederösterreich und Taiwan zu Wort. Sie berichteten von der Beziehung zu Winterbach, ihrem Gemeindeleben sowie ihrem Leben unter den derzeitigen Umständen.

Die Winterbacher Kirchenglocken läuten. Ihr Klang ruft jedoch nicht nur die Winterbacher zum Gottesdienst an die PC-Bildschirme, sondern Christen und Freunde der Gemeinde weltweit. Mit Beginn des Versammlungsverbots auch in Kirchen, hat Pfarrer Tilo Brach begonnen, über Zoom zu gemeinsamen Online-Gottesdiensten einzuladen. Er erklärt: „So halten wir geistige Verbindung trotz körperlichem Abstand.“

Das Schöne daran: Hieran können sich Freunde von überall auf der Welt beteiligen. Den letzten Gottesdienst widmete der Pfarrer daher einer virtuellen Reise und einem regen Austausch, einem „Blick über den Tellerrand“. Musikalisch gestalteten die Posaunisten der Zweibrücker Stadtmission den etwas anderen Sonntagsgottesdienst mit ihren Videoeinspielungen.

Die Britin Deborah Hoddinott aus dem nordenglischen Cockermouth (District Cumbria, nähe Carlisle) kennt Pfarrerin Elisabeth Brach bereits seit ihrer Schulzeit. Gegenseitige Besuche festigten, ähnlich wie mit dem katholischen Ehepaar Heidi und Franz Wajwoda aus St. Pölten in Niederösterreich, die Freundschaft.

Deborah Hoddinott lebt in Großbritannien in einer „entkirchlichten Welt, in der viele Kirche schließen mussten, weil immer weniger Menschen Gottesdienste besuchen.“ So habe die United Reformed Church, welcher die Laienpredigerin angehört, mit unter anderem der Heilsarmee und der Evangelisch-methodistischen Freikirche ein Abkommen zur Zusammenarbeit geschlossen. Auf dem großen, ländlichen Gebiet von rund 650 Quadratkilometern existieren gerade einmal 14 Kirchen. Gemeinsam mit den Katholiken und den „Charismatischen Kirchen“ werden dort am Karfreitag eine große Prozession und auch der Sonnenaufgangs-Gottesdienst am Ostersonntag gemeinsam begangen.

Ein eingespieltes Corona-Lied hatten eine Mutter und eine Tochter in England und Schottland gemeinsam aufgenommen. Einmal am Tag darf in England aktuell aus dem Haus gegangen werden, zum Einkaufen oder um sich zu bewegen. Das Gemeindeleben findet per E-Mail, Telefon und aufgezeichnete „Puzzle-Gottesdienste“ mit verschiedenen Mitwirkenden statt.

Das kirchenmusikalische Ehepaar Wojwoda aus Kärnten fühlt sich ganz Winterbach freundschaftlich verbunden, „weil es so eine schöne Dorfgemeinschaft ist und wir von allen so herzlich aufgenommen wurden.“ Der Chorleiter, der seit fast 60 Jahren den Domchor in der Wachau leitet, erfreute die weit über 100 zugeschalteten Teilnehmer mit einer Einspielung eines Chorkonzerts, das er mit seinem zweiten Chor 2006 in der Winterbacher Kirche gegeben hatte. Wenngleich aktuell wegen Corona Proben abgesagt sind, dürfen sich die Österreicher jedoch frei bewegen.

Besonders spannend war die virtuelle Reise zu Gisela Lee (geborene Hofmann) nach Taichung in Taiwan. Sie stammt aus Niederhausen und kann dem Zoomgottesdienst dank der Zeitverschiebung nachmittags nach ihrem örtlichen Morgengottesdienst folgen. Die dortige Christengemeinschaft wachse, wenngleich die Religion neben Ahnenkult, Buddhismus und weiteren Volksreligionen eine winzige Minderheit darstellt.

Ein Video zeigte die Einweihungsfeier der vor zwei Jahren fertiggestellten, neu gebauten Kirche, die ein breites Angebot für Kinder, Jugendliche und in der Frauenarbeit realisiere. Sie betont: „Wer sich hier in diesem fernöstlichen Kontext zum Christentum bekennt, ist wirklich überzeugt von seinem Glauben.“ Ihr Mann gehört dem Kirchen-Ältestenrat an und sie engagiert sich, wo immer nötig.

Die Asiaten seien oft sehr clever, so auch in der Corona-Zeit. Für das gemeinsame Abendmahl werden Becherchen angeboten, in die unten Traubensaft und, darüber von Folie getrennt, eine Oblate eingeschweißt sind. Die Gemeinden seien in allen Krisenzeiten sehr auf Vordermann, ob bei Sars, Erdbeben oder eben jetzt.

Auf Mandarin betete sie den Psalm „Der Herr ist mein Hirte“. Gemeinsam verbanden sich die Christen in einem gemeinsamen Gebet, das aus allen teilnehmenden Ländern gestaltet wurde und eine ganz neue Art des Gemeinschaftsgefühls hervorrief. Dies ist einer der Gründe, weshalb Winterbach trotz der wieder gestatteten Präsenzgottesdienste auf jeden Fall bis zu den Sommerferien zusätzlich an seinen regelmäßigen Zoom-Gottesdiensten um 10 Uhr festhält.

 Gisela Lee aus Taiwan, konfirmiert in Winterbach, nahm am Zoom-Gottesdienst teil.
Gisela Lee aus Taiwan, konfirmiert in Winterbach, nahm am Zoom-Gottesdienst teil. Foto: Cordula von Waldow

Der nächste Präsenzgottesdienst der Pfarrei Winterbach wird an Pfingsten in Oberauerbach begangen. Für Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 21. Mai, laden Pfarrerin Silke Gundacker sowie die Pfarrer Matthias Strickler und Wolfgang Emanuel um 10 Uhr zu einem Freiluft-Gottesdienst unter dem Kreuz am Harzbornhaus ein. Eine Anmeldung bei den Pfarreien Contwig, Tel. (0 63 32) 57 57, Niederauerbach, Tel. (0 63 32) 4 05 29, und Heilig Kreuz, Tel. (0 63 32) 92 78 0, oder per E-Mail ist erforderlich. Am Sonntag, 14. Juni, lädt der Zoom-Gottesdienst noch einmal zu einem Blick über den Tellerrand ein. Der Gottesdienst dann wird heißen „Auf Sendung“ mit jemandem aus Papua-Neuguinea. Für die äußere und innere Mission meldet sich Brach-Tochter Judith zu Wort, die ehrenamtlich im „Hoffnungshaus Leonhard Straße“, einem kirchlichen Projekt für Prostituierte im Rotlichtbezirk in der Stuttgarter Innenstadt mitarbeitet.