1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Jürgen Gundacker als Bürgermeister von Zweibrücken-Land verabschiedet

Etwas Wehmut und viel Lob zum Ende der Dienstzeit von Verbandsbürgermeister Gundacker : Abschied mit „ansehnlicher Bilanz“

Jürgen Gundacker wurde nach acht Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land feierlich verabschiedet.

Nach der Abschiedsrede von Jürgen Gundacker (SPD) erhoben sich die Teilnehmer der Verbandsgemeinderatssitzung, um dem Bürgermeister zum Abschied mit stehendem Applaus Anerkennung zu zollen. Zuvor hatte Gundacker davon gesprochen, dass der Abschied „mit leisem Wehmut“ verbunden sei. Beim Schlussapplaus war die Wehmut sichtbar. Nach acht Jahren endet am 31. Mai die Dienstzeit des 49-Jährigen. Am Freitagabend wurde Gundacker offiziell verabschiedet.

Hatte Gundacker im Vorfeld gesagt, dass er seinem Nachfolger keine Ratschläge geben möchte, „jeder muss seine Erfahrungen machen“, rief er den rund Gästen – Ratsmitglieder, Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeitern – am Freitagabend zu: „Es lohnt sich, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren.“ Das sei sein Fazit nach acht Jahren Verbandsbürgermeister. Man müsse zwar „ein dickes Fell haben“, aber man könne etwas gestalten – und was man getan habe, sehe man nach der Amtszeit.

Und an diese „ansehnliche Bilanz“ erinnerte Achim Scherer (SPD) in seinem Grußwort der Ratsmitglieder: Feuerwehr, Schulen, Premiumwanderwege, Wasserspielplatz oder Ver- und Entsorgungsleitung. Scherers Fazit: „Die Verbandsgemeinde steht sehr gut da.“ Das seien eigentlich gute Voraussetzung gewesen, um erneut gewählt zu werden. Aber was zählt, sei das Votum der Bürger. Da hat Björn Bernhard (CDU) im Oktober die Wahl gewonnen und tritt am 1. Juni die Nachfolge Gundackers an. „Als Demokrat muss man das akzeptieren.“

Scherer erwähnte in seinem Grußwort auch die Internet-Medien: „Da wird aus einem Schneeball eine Lawine.“

Auch der Hornbacher Bürgermeister Reiner Hohn (FDP) würdigte die Leistung Gundackers. Dabei sei die erste Begegnung mit ihm „nicht unbedingt eine Liebesbeziehung“ gewesen sei. „Wir hatten schon unterschiedliche Ansichten.“ Hohn erwähnte die Energiegesellschaft als Anstalt öffentlichen Rechts oder die Senkung der Verbandsgemeinde-Umlage. „Aber am Ende haben wir miteinander die Kuh vom Eis gebracht“, stellte Hohn rückblickend fest. Zueinander gefunden hätten beide, als Gundacker über die Medien vorgeworfen sei, er habe Mitarbeiter schlecht behandelt. Hohn: „Du hast nur einmal genau geschaut, was die so machen.“ Hohn sprach von einer „Pressekampagne“. Dabei hatte Gundacker nach seinem Amtsantritt erstmals einen Personalrat installiert, stellte Scherer fest. Wilfried Lauer dankte Gundacker im Namen des Personals für den „freundschaftlichen, offenen und respektvollen Umgang“.

Die gute Entwicklung der Verbandsgemeinde sprach auch der neue Erste Beigeordnete David Betz bei der Eröffnung der Ratssitzung an. Allerdings habe ihn ein anderes Bild beeindruckt. „Immer wenn man Gundacker sah, stand er in einer Menschentraube mit einem lachenden Gesicht.“ Er habe den Menschen zugehört und so gewusst, „wo der Schuh drückt“. Und auch bei seinen Beiträgen im Internet habe er sich nicht selbst in den Mittelpunkt gestellt, „sondern die Menschen, die man sonst nicht sieht“.

In seiner Abschiedsrede betonte Gundacker, dass es für ihn immer wichtig gewesen sei, das Handeln darauf auszurichten, „einen Mehrwert für die Region zu schaffen“. In direkten Gesprächen mit den Bürgern habe er die Bedürfnisse rfahren wollen. Deshalb habe er in den acht Jahren viele Kilometer zurückgelegt und viele Veranstaltungen besucht. Dabei habe er es „als großes Plus erlebt, dass es im Zweibrücker Land bürgerschaftlich engagierte Menschen gibt“.

Zudem sei es in der Verbandsgemeinde „grundsätzlich möglich, auch über Parteigrenzen hinweg, zu guten Lösungen zu gelangen“.

Die gute Zusammenarbeit erwähnte auch Südwestpfalz-Landrätin Susanne Ganster (CDU) in ihrem Grußwort. Bei den Themen über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinaus wie die Stadt-Umland-Strategie, den Zweibrücker Flugplatz-Zweckverband oder ganz aktuell in der Corona-Krise „habe ich Gundacker als engagierten Mitstreiter erlebt“.

Trotz Corona-Krise war der große Saal im Dellfelder Bürgerhaus beim Gundacker-Abschied sehr gut gefüllt. Foto: Norbert Schwarz
Auch Hornbachs Bürgermeister Reiner Hohn tauschte mit Gundacker coronabdingt nur einen „Ellenbogencheck“ statt Handschlag aus. Foto: Norbert Schwarz

Auch Zweibrückens Oberbürgermister Marold Wosnitza (SPD) sprach die gute Zusammenarbeit an – wobei man bei einem Punkt, die Truppacherhöhe, unterschiedlicher Meinung sei. Ein Gutes habe der Abschied Gundackers, sagte Wosnitza: „Ich habe eine gute Sekretärin geerbt.“ Und Thomas Peifer (CDU), der für die Verbandsbürgermeister des Landkreises sprach, freute sich, dass er Gundacker und seine Familie bald in seiner Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben begrüßen zu können. Gundacker zieht mit seiner Familie von Contwig nach Maßweiler um (wir berichteten).